So funktioniert die gesetzliche Rentenversicherung

Weisst Du, was ein Eckrentner ist? Der „deutscher Eckrentner“ ist die Märchenfigur, an dem wir uns alle messen lassen müssen.
Dieser Super-Rentner, ersonnen in den phantasievollen Tiefen des Gehirnes der deutschen Rentenversicherung, ist ein Mensch, der 45 Jahre lang berufstätig war – und dabei konstant das verdient hat, was der Gesamtdeutsche durchschnittlich im Jahr verdient.

Er hatte also kein niedriges Lehrlingsgehalt, keine Karrieresprünge oder Knicke, er war nie im Erziehungsurlaub oder arbeitslos.
Er hat in 2015 rund 35.000,- Euro verdient, in 2002 28.226,- € und vor 30 Jahren 15.798,- Euro.
(Das waren damals 30.900,- DM.)

Wenn also unser Eckrentner seine 45 Jahre lang ordnungsgemäß in die gesetzliche Rente eingezahlt hat, so hat er sich genau 45 Rentenpunkte erarbeitet. Diese Punkte sind immens wichtig, denn nach ihnen wird berechnet, wieviel Rente der Einzelne erhält.
Verdient er in einem Jahr halbsoviel wie der Durchschnitt, so erhält er nur 0,5 Rentenpunkte, verdient er anderthalbmal soviel, so erhält er für das betreffende Jahr 1,5.

Nach oben begrenzt

Wer aber glaubt, die Skala sei nach oben hin offen, der täuscht – mehr als ca. 2 Rentenpunkte im Jahr sind nicht zu erreichen (das ist immer abhängig von der Beitragsbemessungsgrenze und hochkompliziert – aber gerne hier genauer nachzulesen).

Um jetzt herauszufinden, wie viel Rente unser märchenhafter Standardarbeitnehmer bekommen wird, brauchen wir nur noch eine klitzkleine Rechnung:

Wir multiplizieren nämlich seine Rentenpunkte mit dem gerade aktuellen Rentenwert.

In 2012 waren es noch 27,47 €, ab Juli wurde dann geradezu saftig um 2,18% auf dann 28,07€ erhöht. In 2016 sind wir sogar bei 30,45 €.

Die Rente ist sicher

Die Rentenpunkte können sich also – einmal erarbeitet – nicht mehr verändern, das daraus resultierende Entgelt aber sehr wohl. Die Höhe der Rente ist nicht abhängig davon, wie lange Du gearbeitet hast, sondern davon, wie viel Du eingezahlt hast.

Unser Eckrentner erhält also aus 45 Jahren durchschnittlicher deutscher Arbeit eine monatliche Rente von 1.370,- €.
Ich muss es nochmal wiederholen, damit es auch deutlich wird: 1370,- Euro Rente für ein sehr langes Arbeitsleben!
Eventuell noch als Alleinverdiener mit 2 Kindern.
Kleine Frage am Rande: Kommt Ihr zu Zweit mit 1370,- € (nicht netto!) monatlich aus?

Na gut, sind wir freundlich und sagen, wir haben ein karrierefreudiges Eckrentner-Fabelwesen.
Dieses hat nämlich 45 Jahre lang jeweils 2 Rentenpunkte erwirtschaftet – und es darf sich somit der doppelten Rente (immer noch nicht netto!) erfreuen: also stolze 2.740,- €!
Das ist doch schon ganz ordentlich.

Das obere Ende der Fahnenstange sind rund 2.800 Euro – brutto!

Egal wieviel Ihr arbeitet, egal wieviel Ihr jetzt verdient, egal wie viele Kinder, Ausgaben, Kredite, Ehemänner und Ehefrauen Ihr habt: DAS ist das oberste Ende der Fahnenstange! Mehr ist nicht drin. Und es ist nicht netto!
Auf dieses nicht-netto muss ich aufmerksam machen, hinweisen und darauf rumreiten: Denn wir wissen noch nicht genau, was uns diesbezüglich erwartet.
Wir wissen von der Krankenversicherung und der Pflegeversicherung. Wir wissen von der schrittweisen Anhebung der Steuern (alle, die nach 2040 in Rente gehen, müssen ihre Rente komplett versteuern).
Und wir können uns denken, dass die Pflegeversicherung über kurz oder lang die Beiträge erhöhen muss.

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Ich habe keine Ahnung, wie sich die Abgaben in Zukunft entwickeln werden – aber wir können wohl unbesorgt davon ausgehen, dass sie kontinuierlich steigen werden.

Stellt Euch also vor, Ihr habt Eure 45 Jahre abgerissen und die ganze Zeit recht ansehnlich verdient: Im letzten Arbeitsjahr immerhin gute 5.800,- Euro pro Monat.

Mit dem Renteneintritt platzen die Träume

Nun kommt die ersehnte Frei-Zeit. Ruhestand. Zeit zu tun, wozu man 45 Jahre lang keine Gelegenheit hatte!
Schöne Vorstellung, nicht wahr?

Stellst Du Dir eigentlich vor, mit dem Renteneintritt automatisch Deinen Führerschein abzugeben und Dein Auto zu Vesorgungslücke #120920-003verkaufen? Du musst ja nicht mehr zur Arbeit fahren, das kann also weg.
Hast Du geplant, in eine kleinere Wohnung umzuziehen, weil man im Alter ja sowieso immer kleiner wird und weniger Platz braucht?
Denkst Du, Du kaufst jetzt weniger Lebensmittel ein weil Dein Grundumsatz wegen der fehlenden Anstrengung schlagartig gesunken ist?
Nun- aber wenigstens brauchst Du nicht mehr in Urlaub fahren, weil es ja nichts mehr gibt, von dem Du Dich erholen müsstest…?

Nein?
Bestimmt nicht?

Unser Eckrentner jedenfalls geht auf die Suche nach einem netten Nebenjob.
Er muss nämlich auf gut die Hälfte seines letzten Einkommens verzichten.

 

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