Finanzbildung https://www.finanzbildung.jetzt Nimm Dein Finanzleben selbst in die Hand. Wed, 04 Sep 2019 08:30:15 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.2.4 Ein Profi war auch nicht immer einer! https://www.finanzbildung.jetzt/ein-profi-war-auch-nicht-immer-einer/ https://www.finanzbildung.jetzt/ein-profi-war-auch-nicht-immer-einer/#respond Wed, 04 Sep 2019 08:25:08 +0000 https://www.finanzbildung.jetzt/?p=8950 Auch wenn man ja glauben könnte, ich wäre mit „Ich weiß wie´s geht!“ geboren worden – so war es natürlich nicht. Die Bankausbildung hat mir selbstverständlich viel beigebracht, was mir auch heute noch nützt, aber wirkliche Finanzbildung erhält man damit nicht Ich hatte zwar schon früh keine Angst vor großen Zahlen und ein immenses Ausschnitts- […]

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Auch wenn man ja glauben könnte, ich wäre mit „Ich weiß wie´s geht!“ geboren worden – so war es natürlich nicht.

Die Bankausbildung hat mir selbstverständlich viel beigebracht, was mir auch heute noch nützt, aber wirkliche Finanzbildung erhält man damit nicht

Ich hatte zwar schon früh keine Angst vor großen Zahlen und ein immenses Ausschnitts- und Rechtswissen (Welche Merkmale hat ein Wechsel? Wie indossiert man einen Scheck? Wahnsinnig wichtig, das!) – aber das hatte alles nix mit mir selbst zu und dem wahren Leben tun.

Von Haus aus skeptisch!

Von zu Hause aus mitbekommen hatte ich eine rechte Skepsis vor Versicherungen, daher habe ich nie selbst eine Rentenversicherung abgeschlossen (hätte ich mal tun sollen! Die damaligen Bedingungen waren im Vergleich zu heute echt klasse). Sachversicherungen habe ich ohne großes Nachfragen bei einem befreundeten Versicherungskollegen in der Bank abgeschlossen.

Mein erster „Fondskram“

Die erste Berührung mit Fonds und fondsgebundenen Sachen hatte ich mit ca. 22, als ich bei einem Freund, der damals bei der DVAG arbeitete, eine fondsgebundene Lebensversicherung abgeschlossen habe.
Wääh, die AachenMünchner, wie konnte ich nur!
Genauso dumm war es natürlich, diese Versicherung dann mit gut 28 wieder aufzulösen: Ich war jung, schwanger, und brauchte das Geld…

Meine erste Aktien

Meine erste Aktie kaufte ich auch mit 22/23, ich glaube, es war Nokia oder sowas. Jedenfalls war es kein großer Erfolg und machte keinen nachhaltigen Eindruck auf mich. Ich habe dann immer mal wieder was gekauft, was gut aussah, oder was ein Kollege empfohlen hatte, aber es war ganz klassisches hirnloses Stockpicking-Spekulieren.

Sparen konnte ich schon

Gespart habe ich schon immer gerne – auch „Häufchen machen“ ist was, mit dem ich vom Elternhaus her aufgewachsen bin.
Während meine Freunde also nur über Geld sprachen, welches sie nicht hatten, freute ich mich, dass hier und da irgendwas liegt, auf das ich zugreifen könnte, wenn ich es bräuchte (meistens Sparbücher und dann Tagesgelder).
Als Mitte der 90er Jahre die Sache mit den Fonds langsam Fahrt aufnahm und auch in der Bank und im Verkauf ankam, war ich gleich mit dabei!
Ich habe fleißig den UniGlobal und den UniEuroRenta (diese gemanagten Fonds gibt es heute noch) bespart.

Ich glaube, ich habe über die Rente bis gut 32 nicht einmal ernsthaft nachgedacht (da kam Riester – und damit kam die Diskussion und Erkenntnis endlich auch richtig in den Beraterköpfen der Banken an): Kinder großziehen, Job gut machen, Haushalt, Mann, Freunde – was interessiert mich als gutbezahlter Banker mit eigenem Haus meine Rente? Wird schon gutgehen, das.

Der ganz drastische Wandel kam dann mit dem beruflichen Wechsel von der Schuldner- zur Anlageberatung und meinem Studium. Ich erspare Euch den ganzen kleinteiligen, extrem lehrreichen und aufregenden Weg bis zur eigenen Firma – kann Euch aber sagen, dass mir die vielen kleinen Häufchen und die langbesparten Fonds dann wirklich den Popo gerettet haben, als ich mich selbständig gemacht habe.

Wie war das mit Rente?

Meine Rente? Nun ja. Dank der nicht abgeschlossenen Rentenversicherung, keiner bAV und dem Ausstieg aus der Gesetzlichen (dummdummdumm!) darf ich mich heute immer noch intensiv dem Vermögensaufbau widmen – immerhin musste ich nach der ersten harten Zeit als Selbständige wieder quasi von vorne anfangen.

Sachversicherungen? Ja, ich denke, ich bin – dank meiner Kontakte – diesbezüglich solide und anständig versorgt. Mit diesem Bereich beschäftige ich mich bis heute nicht gerne und mache bewusst und absichtlich den Fehler, mich komplett auf Spezialisten zu verlassen.

Rentenversicherungen? Wie gesagt, Fehlanzeige. Ich bespare mit Begeisterung meinen Riester (mein einziges Altersvorsorgeprodukt) und freue mich auf meine früher erarbeiteten 1100 Euro gesetzliche Rente… 
Heute noch etwas für mich abzuschließen, würde sich nicht rechnen.

Wie Du siehst, bin also auch ich nicht mit dem goldenen Finanzbildungslöffel im Mund auf die Welt gekommen. Erst die Erfahrung, die Kombination aus angelerntem theoretischem Wissen und neuen selbstgemachten praktischen Gedanken, das Internet und der kleine Geld-Taschenrechner haben aus mir den Finanzprofi gemacht, der ich heute bin.

Spät ist immer besser als nie!

Also: Nicht ärgern, wenn Dir erst mit 30 oder 45 die Augen aufgehen. Hauptsache, Du fängst JETZT an.

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Warum das bedingungslose Grundeinkommen asozial ist https://www.finanzbildung.jetzt/warum-das-bedingungslose-grundeinkommen-asozial-ist/ https://www.finanzbildung.jetzt/warum-das-bedingungslose-grundeinkommen-asozial-ist/#comments Tue, 11 Jun 2019 05:04:28 +0000 https://www.finanzbildung.jetzt/?p=8646 Was für eine schöne Idee: Jeden Monat kommt Geld aufs Konto, einfach so. 1000 Euro oder mehr, dafür, dass wir da sind. 1000 Euro, die wir vollkommen frei verwenden dürfen: Egal, ob für die Miete, die Fortbildung, den Urlaub, zum Lebensunterhalt. Wir könnten endlich dem ausbeuterischen Kapitalismus entfliehen, der für so viele Probleme verantwortlich ist. […]

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Was für eine schöne Idee: Jeden Monat kommt Geld aufs Konto, einfach so.
1000 Euro oder mehr, dafür, dass wir da sind. 1000 Euro, die wir vollkommen frei verwenden dürfen: Egal, ob für die Miete, die Fortbildung, den Urlaub, zum Lebensunterhalt.

Wir könnten endlich dem ausbeuterischen Kapitalismus entfliehen, der für so viele Probleme verantwortlich ist. Es gibt keinen Zwang mehr, in einem ungeliebten Job zu verharren oder überhaupt einen anzunehmen. Finanzielle Freiheit für jedermann, von Anfang an. Was für eine schöne neue Welt!

Ich möchte Einspruch einlegen. Ein dickes „Veto!“

Wer es sich wie ich als Beruf/ung ausgesucht hat, sich mit Geld und seinen Auswirkungen zu beschäftigen, kommt nicht umhin, sich auch mit dem BGE zu befassen. Ich beobachte seit 30 Jahren all die Konsequenzen, die die Jagd nach dem Geld auf allen Ebenen hat: Ob im jeweiligen Einzelschicksal, in der Politik oder auf Konzernebene, die Folgen sind tatsächlich unerträglich.

Wir ersticken menschliches Potential bereits im Keim, weil wir schon unsere Kinder aufs Geld verdienen dressieren. Allen, die sich dem Leistungsprinzip nicht unterwerfen können oder wollen, werden die Flügel gestutzt. Wir beuten unsere Umwelt bis zur Selbstzerstörung aus, weil nur der haltlose Konsum die Gewinne optimiert.

Eine Lösung, so scheint es, wäre es, das Rad einfach anzuhalten. Entheben wir den Mensch in unserer Überflussgesellschaft doch einfach: Geben wir jedem einzelnen genug Geld in die Hand, zum Überleben nicht mehr jagen zu müssen. Ohne wenn und aber, schlechtes Gewissen, Bedingung und ohne Zweckbestimmung. Die Folge, so der gute Wille hinter diesem revolutionären Gedanken, ist: Da der Mensch an sich gut und strebsam ist, so wird er mit Befreiung davon, seinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen, ganz neue Wege finden, sein Leben zu gestalten. Und wer nicht mehr nützlich sein muss, der wird feststellen, dass er nützlich sein will: Für sich, für andere, für die Gesellschaft, für seine Umwelt.

Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens

Ich habe die Idee also mal durchgespielt und in unserem bestehenden Wirtschafts- und Steuersystem gedanklich ein BGE installiert. Seitdem bin ich geheilt.
Ich bin mir sicher, wir würden unsere Gesellschaft zerreißen. Die Schere zwischen arm und reich würde noch viel schneller und weiter auseinanderklappen, als sie es sowieso schon tut: Mehr Geld ist nicht die Lösung unserer Probleme, das bedingungslose Grundeinkommen wäre vielmehr der Grabstein, den wir auf das Loch stellen müssten, in dem wir unsere soziale Marktwirtschaft verbuddelt haben.

Die Definition

Das Bedingungsloses Grundeinkommen ist ein Einkommen, das eine politische Gemeinschaft bedingungslos jedem ihrer Mitglieder gewährt. Es soll die Existenz sichern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, einen individuellen Rechtsanspruch darstellen sowie ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen garantiert werden.

Das Grundeinkommen stellt somit eine Form von Mindesteinkommenssicherung dar, die sich von den zur Zeit in fast allen Industrienationen existierenden Systemen der Grund- bzw. Mindestsicherung wesentlich unterscheidet. Das Grundeinkommen wird erstens an Individuen anstelle von Haushalten gezahlt, zweitens steht es jedem Individuum unabhängig von sonstigen Einkommen zu, und drittens wird es gezahlt, ohne dass eine Arbeitsleistung, Arbeitsbereitschaft oder eine Gegenleistung verlangt wird.

(Zitat von https://www.grundeinkommen.de/grundeinkommen/idee)

Echt bedingungslos? Also ab Geburt.

Okay. Ab wann zahlen wir das BGE denn? Um wirklich bedingungslos zu sein, müssten wir es mit der Geburt zahlen.
Es wäre also bis zum Schulabschluss oder bis zum 18ten Geburtstag die Entsprechung eines dicken, fetten Kindergelds. Die Logik verlangt allerdings, dass dann die Kindergärten (wieder bzw. weiterhin und mehr) Geld kosten müssen, denn die finanzielle Gewährleistung der Existenz bedeutet auch die Übertragung der finanziellen Verantwortung an das Individuum (hier also an die Eltern).

Kindergärten sind wirtschaftliche Unternehmen, selbst wenn sie nicht auf eine großartige Gewinnabsicht heraus konzipiert sind (z. B. kirchliche oder gemeinnützige Einrichtungen), so verursachen sie eine Menge Kosten. Mit der Zahlung eines BGEs pro Kind ist der Staat aber aus der Subventionierung von Kindergärten raus: Jedes Kind kann ja nun seinen Kindergartenplatz selbst bezahlen. Die Folgen sind die Verbetrieblichung von Kindergärten. Daraus resultierend würde ein Preiswettkampf. Ob das sehr sozial ist?

Während sich bei den Kindergärten die Familien noch entziehen könnten, indem sie ihre Kinder einfach nicht hinschicken, wird es beim Schuldgeld dann schwierig. An der Schulpflicht werden wir nämlich hoffentlich nicht rütteln.

Auch hier sehe ich ein Riesenproblem:

Selbst wenn ein Großteil der Infrastruktur weiterhin kostenfrei vom Staat gestellt würde (eher schlecht als recht, aber immerhin), so käme der sogenannte Sozialstaat aus wirtschaftlichen Gründen nun nicht mehr umhin, ein Schulgeld zu verlangen.

Die Folgen daraus wären ein sich weiter privatisierender Schulsektor: Die, die es sich leisten können, weil sie nicht nur auf das BGE angewiesen sind, werden ihre Kinder auf „gute Schulen“ (mit den gut(verdienend)en Lehrern) schicken. Die BGE-Kinder bekommen dann auch eine BGE-Bildung. Ist das sozial?
Da diese Überlegung an sich schon gesellschaftszersetzend ist, möchte ich darauf verzichten, das BGE schon ab Geburt zu bezahlen. Verbessern wir an dieser Stelle lieber das bestehende System und denken weiter mit einer bedingten BGE-Zahlung nur an Erwachsene.

Bedingungsloses Grundeinkommen ab 18

Wir führen das BGE erst mit der (dann doch) Bedingung Volljährigkeit oder Schulabschluss ein. Wir nehmen den Druck raus, gleich schon Geld verdienen zu müssen. Es wird die Freiheit geschaffen, sich in Ruhe den Beruf aussuchen zu können, der uns glücklich macht.
Wir können unterbezahlte Jobs ablehnen, stressfrei studieren oder uns gar ohne Existenzangst selbständig machen.
Das ist eine super Idee – für diejenigen, die ein Ziel und eine Richtung in ihrem Leben haben, die Ehrgeizigen. Für diejenigen, für die das Prinzip „Eigenverantwortung“ einen Grundwert darstellt und die bereits in jungen Jahren in der Lage sind, diese Verantwortung auch zu wahren.

Was ist mit den anderen?

Wie steht es um jene, die den Arsch einfach nicht hochbekommen? Was ist mit den vielen orientierungslosen Schulabgängern, die im Phlegma versinken, weil sie einfach nicht wissen, was sie tun wollen? Mit denen, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht zu dem Teil der Menschheit gehören, für die es selbstverständlich ist, zu streben, produktiv zu sein oder gar eine Berufung zu finden?

Wir entheben sie. Entheben sie der Möglichkeit, durch die Notwendigkeit – ja, den Zwang – des Geldverdienens, ihren Horizont zu erweitern und Möglichkeiten zu suchen. Wir lassen sie zurück. Verschwenden junge Menschen halt ein paar Jahre ihres Lebens mehr darauf, warm, genährt und trocken nicht zu wissen, wo es in ihrem Leben hingehen soll – macht ja nix, sie werden sich schon berappeln, wenn ihre Persönlichkeit so weit gereift ist.

Ja, auch ich bin fest davon überzeugt, dass der Mensch per se nicht dazu gemacht ist, tagein, tagaus auf der Couch zu sitzen und Fern zu sehen oder Computer zu spielen. Aber woran und wie lange soll sie denn reifen, die Persönlichkeit? Ein Garen im eigenen Saft mag für viele Lebensmittel durchaus aromatisch sein, ich glaube aber, dem Menschen tut sowas überhaupt nicht gut. Die Herausforderungen im Außen sind es, die Anstoß geben, auch innerlich zu wachsen.
Wie sozial ist es, diese Herausforderungen nur denjenigen zur Verfügung zu stellen, die sich sowieso immer dafür entscheiden würden, sie anzunehmen?

Was ist mit denjenigen, die keine Arbeit mehr finden?

Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, vom Arbeitsamt bezahlte Umschulungen und Weiterbildungen, Hartz IV und Grundsicherung werden abgeschafft, mit einem BGE besteht dazu keine Notwendigkeit mehr. Es ist vollkommen egal, warum Du am Erwerbsleben nicht teilnimmst. Deine Existenz steht niemals auf dem Spiel, also schau, wie Du durchs Leben kommst.
Wir sprechen uns frei und waschen unsere Hände in Unschuld. Immerhin haben wir dafür Sorge getragen, dass niemand verhungern muss und keiner unter der Brücke schläft, damit sind wir durch. Nach uns die Sintflut.
In meiner Welt geht diese Rechnung nicht auf. Im Gegenteil. Ich bin mir sicher, dass ein BGE sogar an der Obdachlosenproblematik nicht einen Deut ändern würde. Hier ist genauso wenig das Geld das Problem, wie es beim BGE der Problemlöser ist.

Das BGE wäre ein wirklich gutes Geschäft für den Staatshaushalt

Diejenigen, die vordergründig das BGE ganz toll finden, es aber nur wegen der angeblichen Unfinanzierbarkeit ablehnen, sei gesagt: Was für ein Unsinn, nichts wäre leichter als das.
Ich brauche nicht mal in unsere Haushaltrechnungen und Staatsfinanzen reinzuschauen, um das zu finanzieren. Wie oben schon angedeutet, können wir ja einen Großteil des sozialen Überbaus abschaffen. Das Arbeitsamt muss nur noch Arbeitslosengeld I zahlen und mutiert zu einer Stellenvermittlungszentrale.

Zusatzleistungen entfallen

Sonder- und Zusatzleistungen sind im großen und ganzen obsolet, wir brauchen nur noch eine zusätzliche Bedürftigkeitsunterstützung für Gehandicapte, Waisen und Pflegebedürftige (wobei: Da jetzt ja jeder von Anfang an seinen Teil zur Pflegeversicherung und auch später zur Pflege beitragen kann, muss die Familien-Pflegeversicherung ja nun wegfallen …das könnte dann im Laufe der Zeit vielleicht sogar aufgehen.)
Wir brauchen keine Aufstockung mehr, kein Wohngeld, keine Grundsicherung, das ganze Gewese mit der geplanten Grundrente und der Zwangs-Altersvorsorge für Selbständige können wir uns sparen. Bürokratie und Verwaltung können auf Minimum zurückgefahren werden. Die an dieser Stelle eingesparten Lohnkosten und großflächig gestrichenen Sozialleistungen dürften schon genügen, einen netten Teil des BGEs bezahlen. Um die dann arbeitslosen Verwaltungskräfte müssen wir uns ja keine Sorgen machen. Diese haben dann ja ein Jahr Zeit, sich – finanziert durch ihr ALG I und das BGE – beruflich umzuorientieren.

Natürlich müssen wir den sozialen Wohnungsbau noch dringender vorantreiben als bisher, denn die Mietpreise im privaten Sektor werden stärker steigen – was natürlich auch weitere Steuereinnahmen bedeutet, also auch irgendwie finanzierbar sein wird (die Schleife ist mir gerade zu groß, die kann ich nicht zu Ende denken).

Sowieso können wir auf der Einnahmenseite schöne Steigerungen erzielen. Durch die Privatisierung der meisten ehemals sozialen Einrichtungen könnten wir Steuereinnahmen auslösen. Auch die Einnahmen aus Steuern auf die Erträge von Kapitalanlagen würden steigen. Wenn schon bedingungslos, dann zahlen wir das BGE natürlich auch an die Leute, die bereits gut situiert sind.

Der Teufel scheißt auf den dicksten Haufen

Was würde so jemand wie ich denn mit einem BGE anfangen? Klar, in jungen Jahren hätte ich viel Spaß damit gehabt, mehr oder teurer in Urlaub fahren zu können. Vielleicht hätte ich früher und in Vollzeit studiert, statt später neben dem anstrengenden Job. Und ich hätte mich vielleicht früher und leichter selbständig gemacht, die Kinder in eine noch bessere Schule geschickt.

Insgesamt hätte ich die Pobacken wohl weniger zusammenkneifen müssen. Aber ziehe ich nicht auch einen Teil an Selbstbewusstsein daraus, mich gegen Wider- und Umstände durchgesetzt zu haben? Weil ich immer schon ein Geld- Kopf- und Verstandeskind war, hätte ich mit Sicherheit noch mehr gespart, mehr angelegt und mehr Rendite erwirtschaftet. Und natürlich hätte ich mehr Steuern bezahlt. Warum auch nicht, es hätte mir ja nicht weh getan. Die wahre Folge eines BGE ist, dass die Reichen noch Reicher werden. Diejenigen, die das BGE dauerhaft dafür verwenden müssen, ihre Existenz zu sichern, würden aber schon wieder auf der Strecke bleiben. Was ist daran sozial?

Eine schöne Idee und wirkliche Lösungen

Es ist eine wunderbare Idee, dem Menschen die Freiheit geben zu wollen, der Jagd nach dem Geld zu entsagen. Sie unabhängig zu machen von dem Gedanken: „Wie komme ich über den Monat, was stelle ich zu essen auf den Tisch und wo nehme ich die Zeit her, meine Kinder großzuziehen (weil ich soviel arbeiten muss)?“
Solange wir uns darüber einig sind, dass die Marktwirtschaft das beste aller Wirtschaftssysteme ist, geht die Idee leider nicht auf.

Ein BGE ändert nur im Einzelfall das persönliche Schicksal – aber es heilt im Grundsatz weder schlechte Bildung noch fehlenden Ehrgeiz. Ja, wir erleichtern denjenigen, die sowieso Wollen und Streben den Weg durchs Leben – aber wir lassen alle anderen zurück.

Keine Frage, unser bestehendes System ist (zwar gut gedacht, aber) wirklich, wirklich schlecht gemacht.
Keine Frage, es bedarf dringend der Entbürokratisierung und des Umbaus.

Aber: Ein konsequent bedingungsloses Grundeinkommen für jedermann und über die gesamte Lebenszeit hinweg wäre der asozialste und – im negativen Sinne – kapitalistischste Weg, der einem dazu einfallen könnte.

Lasst uns

  • über die Einrichtung eines Stipendium-Systems nachdenken und das BaFöG entstauben.
  • die  Grundsicherung entstigmatisieren und Sabbatical-Crowdspendings als steuerlich spendenfähig pushen.
  • endlich dieses entsetzlich unmoderne Bildungssystem einreißen – es gehört nicht nicht nur renoviert, sondern komplett neu gedacht! Es passt einfach nicht zu den Menschen die wir heute sind und sein wollen.

Aber lasst uns nicht daran rütteln, dass alles im Leben seinen Preis hat.

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Geh` mir weg mit der Technik! https://www.finanzbildung.jetzt/geh-mir-weg-mit-der-technik/ https://www.finanzbildung.jetzt/geh-mir-weg-mit-der-technik/#comments Mon, 11 Feb 2019 17:50:04 +0000 https://blog.geldwert-finanz.de/?p=8539 Meine Freundin Sara Menzel-Berger, aka Die Technikelfe, regt sich in ihrem Blogparadenaufruf darüber auf, dass viele Frauen behaupten, sie seien „zu blond für Technik“. Dass Sara – kraft ihrer Affinität und Begeisterung für die Technik – damit natürlich nicht viel anzufangen weiß und sie sich durch solche Sprüche heftig angetriggert fühlt, kann ich extrem gut […]

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Meine Freundin Sara Menzel-Berger, aka Die Technikelfe, regt sich in ihrem Blogparadenaufruf darüber auf, dass viele Frauen behaupten, sie seien „zu blond für Technik“. Dass Sara – kraft ihrer Affinität und Begeisterung für die Technik – damit natürlich nicht viel anzufangen weiß und sie sich durch solche Sprüche heftig angetriggert fühlt, kann ich extrem gut nachvollziehen. Aber…

Entgegen Saras liebevoll gemeinten Aufruf, doch bitte zur Artikel zur Blogparade beizusteuern, die Erfolgserlebnisse beschreiben oder zumindest motivieren – möchte ich genau das Gegenteil tun. Ich möchte um Verständnis und Mitgefühl bitten – für uns, die Technik-Dummies.

Blond ist doof

Den Spruch „Ich bin zu blond für Technik!“ finde ich auch bräsig, das ist keine Frage. Was hast denn eine Haarfarbe bitte mit Talent oder Affinität zu tun? Nichts natürlich.
Genauso, wie die ganzen Blondinenwitze eigentlich nichts mit Frauen zu tun haben.
Irgendwann in den letzten 30 Jahren (ja, doch. Ich denke, 30 Jahre gibt es Blondinenwitze bestimmt schon) ist aus der heißbegehrten Haarfarbe „blond“ ein Synonym für „doof / blöd / dumm“ geworden – es gibt bestimmt einige Sprachwissenschaftler und Psychologen, die sich mit diesem Phänomen schon eingängig beschäftigt haben.

Ich jedenfalls bin eine Blondine. Seit ich aus Zeit- und Altersgründen auf Strähnchen verzichte, zwar eher so eine dunkelschmutzig-aschblonde Blondine, aber doch: Eine Blondine.
Und ich käme niemals auf die Idee, mich selbst mittels meiner Haarfarbe zu diskreditieren.
Ich vermute übrigens, die wenigsten echten Blondinen benutzen ihr Blondsein als Begründung oder Ausrede dafür, sich mit „der Technik“ nicht auszukennen – ich denke, wir sind uns durchaus bewusst und stolz darauf, die letzten Fackelträger eines rezessiven Gens zu sein.

Wenn ich also auch nicht verstehen kann, wie man das Wort „blond“ als Zusammenfassung für „ich traue mir das nicht zu, erkenne keine Zusammenhänge und empfinde das alles als viel zu kompliziert“ benutzen kann, so verstehe ich doch sehr gut, dass sich viele so fühlen.
Mir geht es nämlich genauso.

Ich bin nicht zu blond, ich hab´ da nur einfach keine Lust zu

Seit ich mich vor fast 10 Jahren selbständig gemacht habe, schlage ich mich nun mit „der Technik“ rum.
Vom reinen Internet-User, der gerade mal eine Suchmaschine bedienen und einen Beitrag in einem Forum kommentieren konnte, habe ich mich zu einem „Anbieter“ entwickelt.
Ich war superstolz, meine Webseite selbst gebaut zu haben, meine Texte und Bilder in meinen Blog einbauen zu können und zu wissen wo ich draufklicken muss, damit alles zusammen nicht allzu poplig aussieht. Ich würde sagen, dass entspricht ungefähr dem Wissen, welches man haben muss, um Auto zu fahren.
Wie man allerdings ein Auto baut und repariert, wusste ich auch damals nicht (zum Glück habe ich da so einen Göttergatten, der sich damit auskennt) – und heute kann ich auch zugeben, dass es mich nicht interessiert. Es interessiert mich nicht nur nicht, es interessiert mich sogar nicht die Bohne.

Immer wenn mein Mann mir erklärte, wie irgendwas hintendran funktioniert, habe ich ihn freundlich interessiert angeschaut und zugehört.
Ich habe vielleicht sogar für 3 Minuten verstanden, was er sagte – bis zum nächsten Satz, indem irgendein Sachverhalt mir nicht gleich klar war und der mir das vorher Gehörte dann wieder in Kauderwelsch zersetzt hat.
Für mich hat die Technik des Internets nach wie vor babylonische Ausmaße, und die meisten Wissens-Bausteine schlackern irgendwie unsortiert in meinem Kopf herum – mir fehlt einfach ein Fundament, auf dem ich hätte aufbauen können. Kann ich zwar alles im Internet nachlesen, verstehen tue ich es aber noch lange nicht.

Mit der Zeit entwickelte ich also eine Verweigerungshaltung den tiefsten Tiefen des Internets gegenüber – und die pflege ich auch heute noch.
Ich muss nicht wissen, wie ein FTP-Server funktioniert. Ich will auch nicht wissen, wie ich eine Webseite mit all ihren Einzelheiten SSL-verschlüssele. Ich empfinde es als Zumutung, irgendwelche DSGVO-konforme Plugins einrichten zu müssen und es hat wirklich lange gedauert, bis ich meine Abneigung überwinden konnte, meinen ersten Email-Funnel einzurichten.

Es gibt eine Grenze des Nicht-Profitums

Ich denke, es hat sich im „Neuland Internet“ noch keine richtige Kultur dessen ausgebildet, wo die Grenzen zwischen User (also reiner Verbraucher), Anbieter (also Webseitenbetreiber, sowas wie mich halt) und Produktgebern (also Entwickler und Systemgeber) verlaufen.
Ich empfinde es als problematisch, dass wir als Anbieter, die wir ja eigentlich bereits eine Spezifikation haben, momentan noch zusätzlich gleichzeitig Internet-Technik-Junkies sein sollen. Deshalb gibt es ja zum Glück solche Geeks wie Sara, die als Vermittler zwischen Produktgebern und Anbietern fungieren.

Deshalb ist mir ist die Woche auch fast die Kinnlade heruntergefallen, als in einer meiner Gruppen die Frage nach interessanten Weiterbildungsmöglichkeiten mit einem Lehrgang zum „Coden“ beantwortet wurde. Auf meine Frage nach dem warum bekam ich zur Antwort:
Als unter-30-Jährige führt für mich da kein Weg dran vorbei. Wer in zwanzig Jahren noch einen Job haben will, muss zumindest ein erweitertes Grundverständnis von Programmieren haben.

Ich hoffe nicht, dass das so sein wird. Und wenn doch – so bin ich dankbar für die Gnade der frühen Geburt.
Natürlich wird es immer einige geben, die beides miteinander verbinden können. Ich muss da aber nicht dazugehören.
Nicht, weil ich blond bin. Schon gar nicht, weil ich zu dumm wäre, es zu lernen.
Sondern schlicht, weil ich mit dem Auto nur fahren will.

Außerdem bin ich mir sicher, dass das Internet mit all seiner Technik sich bald soweit weiterentwickelt haben wird, dass wir Anbieter irgendwann kaum noch selbst an der Technik arbeiten müssen.  Genau so, wie wir heute schon beim Blogartikelschreiben oben im Fenster umstellen können, ob wir visuell oder mit Text (gemeint ist HTML-Text) schreiben wollen, wird es irgendwann mit allen anbieterwichtigen Anwendungen einfacher werden.
Bis dahin: Müssen wir uns eben durchbeißen oder jemanden beauftragen, der es kann.

Weder zu dumm, noch zu alt – auf die Motivation kommt es an

Darum bitte ich Sara und all die anderen Technikfreaks, die sich vom Unverständnis der unwilligen Anbieter angetriggert fühlen, um Gnade. Nicht für die Blond-Formulierung – nee, darüber kann man sich durchaus mal auslassen.
Aber ich bitte um Verständnis für unseren Unwillen, sich mehr als unbedingt notwendig auf diesen Technik-Internet-Dschungel einzulassen.

Denn hier tut sich die Analogie zu meinem eigenen Job auf:
Früher triggerte es mich nämlich auch, wenn eine Frau (oder ein Mann, mir ist das ja immer egal) sagt, sie oder er sei zu blöde, die Finanzen und die Altersvorsorge in die eigene Hand zu nehmen. Dazu ist niemand zu dumm, vollkommen unabhängig von der Haarfarbe.
Was ich erst mit der Zeit (hihi, die Weisheit des Alters! 😉 ) verstanden habe:
Wir als Anbieter – also Tekkies für ihr Publikum und ich für meines – haben zu akzeptieren, dass Menschen sich für unser Thema nicht begeistern. Egal wie sinnvoll es ist, sich selbst in den eigenen Finanzen auszukennen oder die DSGVO-Konformität auf der eigenen Webseite selbst einpflegen zu können, wir können niemanden dazu hin überreden.
Wir können vorleben, Mut machen, Beispiele aufzeigen, erklären und anbieten – und wir können überhören, dass jemand eine superblöde Formulierung verwendet, um seine Hilflosigkeit, seine Überforderung und seinen Unwillen auszudrücken.

Wir brechen schließlich auf in Welten, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat…
Ich für meinen Teil stehe dabei aber bitte auf der Brücke, nicht im Maschinenraum.

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Es ist angerichtet: Die Steuer auf Fonds und ETFs ab 2018 https://www.finanzbildung.jetzt/neue-steuer-auf-fonds-und-etfs-ab-2018/ https://www.finanzbildung.jetzt/neue-steuer-auf-fonds-und-etfs-ab-2018/#comments Sat, 02 Feb 2019 18:05:58 +0000 http://blog.geldwert-finanz.de/?p=6793 Die Fondsbesteuerung , die in 2018 eingeführt worden war, verunsichert auf breiter Front die Anleger – wie wird das denn nun genau gehandhabt? Wird uns Geld abgezogen, bevor wir es überhaupt verdient haben? Ist es denn tatsächlich einfacher geworden, so wie uns versprochen worden war? Macht es überhaupt noch Sinn, in ETFs oder Fonds zu […]

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Die Fondsbesteuerung , die in 2018 eingeführt worden war, verunsichert auf breiter Front die Anleger – wie wird das denn nun genau gehandhabt? Wird uns Geld abgezogen, bevor wir es überhaupt verdient haben? Ist es denn tatsächlich einfacher geworden, so wie uns versprochen worden war? Macht es überhaupt noch Sinn, in ETFs oder Fonds zu sparen?

Ich gebe zu, als ich die neue Regelung das erste mal gelesen habe, kam ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus: Was wollen die von uns? Vorabsteuer? 15% dort, 70% woanders, 30% hier und 25% da? Das eine bezahlt der Fonds, das andere ich? Um die Fragezeichen aus meinem Kopf herauszubekommen, habe ich Tage gebraucht. Zurückgeblieben ist ein diffuses Gefühl der Hilflosigkeit: Wenn ich schon so lange brauche, die Unterschiede zu verstehen, wie soll es da erst den ganz normalen Anlegern gehen?

Abschreckende Wirkung auf Einsteiger und Normalanleger

Ganz davon zu schweigen, welche Wirkung diese komplizierte Besteuerung auf Neulinge hat: Nicht nur, dass sie ja sowieso noch unsicher sind, was die Anlage in ETFs überhaupt angeht – jetzt kommen zum Teil wunderbare (und ganz viele grausige!), meist hochkomplexe Erklärungen über diese ominöse Besteuerung dazu. Deshalb fragen sich viele:

Wie jetzt – bisher galten ETFs doch als super Mittel der Wahl?

Diese Antwort vorweg:
Es bleibt dabei. ETFs (und gemanagte Fonds wenn es sein muss) sind und bleiben ein super Mittel der Wahl.

Muss ich jetzt dafür, dass ich vorsorge, doppelt und dreifach Steuern zahlen?

Nein. Dein eingesetztes Kapital hast Du bereits versteuert. Es geht jetzt nur um die neuen Erträge, die Du mit diesem Kapital zusätzlich erwirtschaftest. Bevor Du dich darüber aufregst, eine Anmerkung: Wir haben uns in unserem Sozialstaat darauf geeinigt, dass alles was verdient wird, auch besteuert wird. Warum sollte das beim „Geld verdienen mit Geld“ anders sein?

Nimmt man mir jetzt mehr weg als vorher?

Najein. Ein kleines bisschen. Aber: Es ist keine effektive Steuererhöhung, sondern entsteht durch eine Verschiebung der Zahlungszeitpunkte (und Zeit ist in der Geldanlage immer mit Geld gleichzusetzen) und der rechtmäßigen Eintreibung eines Steueranteils, der dem Fiskus schon die ganze Zeit zugestanden hätte. Damit sind wir schon voll im Thema drin….

Wozu überhaupt der ganze Zinnober?

Es gibt zwei Gründe, warum diese neue Berechnungsmethode eingeführt wurde:
Zum einen war es dem Fiskus schon lange ein Dorn im Auge, dass ausländische Aktienfonds Fonds die sogenannte Quellensteuer abführen, deutsche Fonds jedoch auf dieser Ebene steuerfrei waren. Das heißt, deutsche Anleger zahlten innerhalb ihrer Fondsanlage zwar Steuern an fremde Staaten, ausländische Anleger aber nicht an uns. Da wir dem deutschen Kind natürlich einen anderen Namen geben müssen, heißt diese Quellensteuer bei unseren inländischen Fonds Körperschaftssteuer und wird zukünftig mit 15 Prozent auf deutsche Dividenden, deutsche Miet­erträge und Gewinne aus dem Verkauf deutscher Immobilien erhoben.
Zum anderen war es der Fiskus wohl leid, bei bestimmten Aktienfondsarten (bei synthetischen , bzw. bei physischen thesaurierenden) entweder auf die anfallende Steuer bis zum Verkauf warten zu müssen, bzw. die beim Anleger als auch beim Finanzamt heftige Papierschlacht mit den jeweiligen Abrechungen zu bewältigen.
Also hat man sich für alle Fonds, die einen Aktienanteil von mindestens 51% Aktien haben – darunter fallen natürlich alle Aktien-ETFs – eine komplett neue Berechnungsmethode überlegt, die sicherstellen soll, dass alle Sorten von Aktienfonds gleich und vor allem jährlich besteuert werden.

Wo darf ich Dich abholen?

Herausgekommen ist dabei eine vollkommen neue Wortwelt, neue Zinssätze, deren Herkunft ich beim besten Willen nicht ordnungsgemäß herausfinden konnte und ein hochgradig verwirrtes Fondspublikum. Um diese Verwirrung zu lindern und Dich dort abzuholen, wo Du gerade stehst (ich hasse diesen Spruch – hier passt er aber so gut, dass ich nicht widerstehen kann), habe ich mir überlegt, Dir zwar alle Informationen anzubieten, Dich aber einzuladen, nur das zu lesen, was Dich auch betrifft: Zu viel Information kann Dir nämlich doch das Hirn verstopfen und zwar dann, wenn Du sie überhaupt nicht in Dein System (also in Deinen bisherigen Wissenstand) einsortieren kannst und Dir somit der Zusammenhang fehlt.
Also: Lass uns loslegen, welcher Typ Aktien-Fonds / -ETF-Anleger bist Du?

  • Ich kaufe schon ewig Fonds und ETFs, habe mich aber nie großartig um die Steuern gekümmert: Lies bitte bei „Du hast schon ewig Aktienfonds“ und „Du hast schon lange Aktienfonds hast Dich nie für die Steuerthematik interessiert“ weiter.
  • Ich will im Grundsatz wissen, wie die neue Besteuerung von der Logik her funktioniert, brauche es aber nicht in aller Tiefe, weil ich davon ausgehe, dass ich die Bescheinigungen meiner Bank nicht nachrechnen muss: Lies bitte bei „Du bist Neu- oder Bestandsanleger und die Steuern interessieren mich nur am Rande“ weiter.
  • Ich nehme diesen Tag 0 zum Anlass, mich doch mal näher mit der Besteuerung zu beschäftigen und will zukünftig prüfen können, ob meine Bank ihren Job auch wirklich gut macht: Lies bitte bei „Du bist stark interessierter Neu- oder Bestandsanlegeranleger und will es ganz genau wissen“ weiter.

Du hast schon ewig Aktien-Fonds

Okay, dann zuerst zu Deinem Altbestand von vor 2009, von dem Du glauben durftest, er würde Dir bis in alle Ewigkeit steuerfreie Gewinne bescheren: Pustekuchen. Da es nunmehr keine verschiedenen Fondsbesteuerungen mehr geben soll, werden diese Fondsanteile nahtlos in die neue Berechnungsmethodik übernommen. Sie werden – rein buchhalterisch natürlich – am 31.12.2017 verkauft und dann behandelt, als würdest Du sie am 1.1. 2018 gekauft haben.
ABER: Um keinen riesigen Unmut zu erregen und sich wegen gebrochener Versprechen verantworten zu müssen, klebt man Dir das Trostpflaster eines üppigen Freibetrages auf Dein blutendes Anlegerherz: Du musst aus diesem Altbestand heraus erst Steuern zahlen, wenn Deine Gewinne daraus die neue Altbestands-Freigrenze von 100.000,- € überschritten haben. Wenn Du also Deine Aktienfonds 2008 zu 20.000,- € gekauft hast und sie bis dieses Jahresende auf 70.000,- € gestiegen sind, so sind Deine 50.000,- Gewinn nach wie vor steuerfrei.
Ab 2018 darfst Du mit diesem „neuen Altbestand“ von 70.000,- € bis auf 170.000,- € klettern, bevor die neue Besteuerung bei Dir greift. In diesem Beispiel und bei 6% Rendite jährlich brauchst Du mehr als 15 Jahre, bis Du tatsächlich Steuern zahlen musst. Bis dahin ist noch viel Wasser unsere Flüsse entlang geflossen…. und wahrscheinlich haben wir bis dahin auch noch viele Steuerreformen gesehen.

Für Deine zwischen 2009 und 2018 gekauften Fonds und ETFs gilt die gleiche Spielregel, nur ohne Altbestands-Freigrenze: Der 1.1.2018 ist Tag 0. Alles, was nunmehr in Deinem Depot liegt und alles, was Du zukünftig dazukaufst, unterliegt der neuen Rechenmethode.

Du investierst schon lange in Aktien-Fonds und -ETFs und hast Dich nie für die Steuerthematik interessiert

Bleib dabei. Wenn Du es zufrieden warst und Dich bis heute darauf verlassen hast, dass die Bank Dir schon die richtigen Bescheinigungen für Deine Steuererklärung ausstellt, die rechten Steuern abführt und Du ansonsten mit Deinen Anlagen und Deiner Strategie im Reinen bist, gibt es keinen Grund, an dieser Verhaltensweise etwas zu ändern. Die größte Änderung besteht darin, dass Dir einige Zinseszinsen entgehen, weil der Zeitpunkt, an denen die Steuern auf Deine Erträge gezogen werden, auf das jeweilige Entstehungsjahr vorverlegt wurde (was weg ist, kann keine Rendite mehr erwirtschaften). Das ist zwar sehr schade, wirft Dich aber nicht wesentlich beim Erreichen Deiner Ziele zurück: Ob Du jetzt im April oder im Mai 20XX aufhören kannst, zu arbeiten, zerstört nicht Deine Lebensplanung. Du brauchst also kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Du Dich nicht weiter mit etwas beschäftigst, was Dich im Grunde nicht interessiert.
Koch´ Dir einen Kaffee und lies etwas Erbaulicheres.

Du bist Neu- oder Bestandsanleger und die Steuern interessieren Dich nur am Rande

Egal, ob Du Dir inländische oder ausländische, synthetische oder replizierende Aktien-ETFs ausgesucht hast, uns interessiert steuerlich nur noch die Unterscheidung zwischen ausschüttenden und thesaurierenden Fonds. Um Steuern zahlen zu dürfen (warum dürfen? Dazu komme ich gleich.) muss in jedem Jahr folgendes passiert sein:
– Du hast einen Wertzuwachs, Dein Fonds ist also gut gelaufen und/oder
– Du hast Ausschüttungen erhalten und
– Du bist über Deinem Freistellungsauftrag von 801,- € für Dich alleine (zusammen mit Deinem Ehepartner 1.602,- €).

Das bedeutet: Läuft Dein ETF – und jedes Jahr wird hier einzeln betrachtet – seitwärts oder macht gar Verlust, zahlst Du auch keine Steuern. Wenn er nur kleine Gewinne macht und /oder nur wenig ausschüttet, zahlst Du ebenfalls keine Steuern, denn kleine Gewinne sind noch über den Freistellungsauftrag steuerfrei.
Also: Du willst bitte gerne Steuern zahlen, denn das bedeutet, dass Dein Depot sich so gut entwickelt hat, dass Du mehr als 801,-/1602,- € mit deinen Geldanlagen verdient hast.
Wenn es denn soweit ist, so musst Du von Deinem steuerlich relevanten Ertrag eine Abgeltungssteuer von 26,38% + KiSt.bezahlen, also gut ein Viertel.


Die Fondssteuer 2018. Jedem die Information, die er braucht. Bitte hier:
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Was bedeutet „steuerlich relevanter Ertrag“?

Man hat sich einen geschickten Trick ausgedacht: Da man davon ausgeht, dass Aktienfonds über lange Zeit gesehen immer Gewinne machen (juhuu, in den Köpfen ist etwas angekommen!) hat man eine sogenannte Vorabpauschale kreiert, ganz ähnlich der Steuervorauszahlungen, wie Du sie vielleicht aus dem Einkommenssteuerrecht kennst. Diese Vorabpauschale besteht aus einem prozentualen Anteil Deines Fondsvermögens am Jahresanfang – und dieser Anteil beruht auf einem Basiszins, der jedes Jahr neu festgesetzt wird und sich am Markt orientiert. Momentan ist dieser Basiszins dann logischerweise sehr niedrig und liegt bei 1,1%, die dann nochmal um einen Kostenanteil und eine Berücksichtigung der Quellen- bzw. Körperschaftssteuer bereinigt werden. (Edit: Für 2018 wurde der Basiszins auf 0,87% festgelegt, für 2019 auf 0,52%.)
Am Ende des Jahres wird dann die tatsächliche Wertentwicklung Deines Fonds mit dieser Vorabpauschale verglichen:
Hast Du mehr Wertzuwachs erzielt, (Ausschüttungen hier zunächst außen vor gelassen) bildet trotzdem nur die Vorabpauschale den steuerlich relevanten Ertrag, von dem Du Abgeltungssteuer bezahlst. Liegt Dein anrechenbarer Wertzuwachs dagegen unter der Vorabpauschale, so zahlst Du auch nur auf ihn die fällige Abgeltungssteuer.

Damit Du ein Gefühl für die Größenordnung deiner Steuerbelastung außerhalb des Freistellungsbetrages bekommst:
In 2017  (wenn wir diese Methode da schon gehabt hätten) hätte sich die Vorabpauschale inkl. der Kostenberücksichtigungen auf 0,539% Deines Fondsvermögens am Jahresanfang belaufen, sprich, pro 10.000,- € Wert am 01.01.2017 reden wir von höchstens 53,90 €, von denen Du Abgeltungssteuer bezahlen musst.
Am Ende des Jahres wird dann geschaut, wie das Jahr tatsächlich gelaufen ist:
Sagen wir, Du hast einen thesaurierenden ETF, der am Jahresanfang 20.000,- Euro Wert ist und am Jahresende 21.800,- . Da Dein tatsächlicher Wertzuwachs ja deutlich höher als 107,80 € ist (2 x 53,90€), wird hier gedeckelt und Du brauchst nur Abgeltungssteuer auf diesen Deckelungsbetrag zu bezahlen, also 28,44 € Steuern (evtl. noch plus Kirchensteuer). Das ist zwar nicht schön, aber doch nicht die Welt, die Deinen Fonds deshalb unattraktiv macht.
Hast Du einen ausschüttenden Fonds, so ist die gesamte Steuerbelastung in diesem Jahr unter Umständen etwas höher, denn durch die Ausschüttung entnimmst Du dem Fonds ja Geld, welches dem nächsten Jahresanfangsbestand nicht mehr zur Berechnung der Vorabpauschale zur Verfügung steht. Faustregel ist hier: Wenn die Summe der Ausschüttungen höher als die Vorabpauschale ist, ist die Vorabpauschale erledigt und es greift die ganz normale Abgeltungssteuer auf 70% der geflossenen Auschüttungen.
Unterm Strich und auf die ganze Haltezeit Deines ETFs betrachtet, hast Du aber bei beiden Fondsarten (ausschüttend oder thesaurierend) die gleiche Steuerbelastung auf den erzielten Ertrag, nur die Zahlungszeitpunkte der Steuern sind verschieden.

Fazit für Steuermuffel:

  • Hast Du bisher noch kein oder ein kleineres Depot, so musst Du Dir vorerst sowieso keine Gedanken machen, denn dein Freistellungsauftrag schützt Dich vor Abgaben jeglicher Art.
  • Die Steuern auf die Werterhöhungen zahlst Du im jeweiligen Jahr. Dabei wird berücksichtigt, dass der Fonds selbst schon Quellen- bzw. Körperschaftssteuer bezahlt hat und Dir auch Kosten innerhalb des Fonds entstehen.
  • Es ist egal, ob Du synthetische oder replizierende ETFs kaufst.
  • Es ist egal, ob Du aus- oder inländische Fonds kaufst.
  • Es ist nicht ganz egal, aber auch nicht kriegsentscheidend, ob Du thesaurierende oder ausschüttende ETFs kaufst:
    Außerhalb des Freistellungsauftrags zahlst Du zwar mehr Steuer auf Deine Ausschüttungsbeträge, hast dafür aber eine niedrigere Vorabpauschale während der Haltejahre und weniger Abgeltung beim Schlußverkauf. Bei thesaurierenden hast Du einen Zinseszinseffekt, erhöhst aber die Vorabspauschale während der Haltezeit und die Abgeltungssteuer am Schluß.
  • Die Bank führt alle Steuern ab und führt alle notwendigen Berechnungen durch. Falls Du doch mal nachrechnen willst, fordere Dir ganz unten das Schema F* zum einfachen Überprüfen an.
  • Wenn Du nicht unter 25% privatem Steuersatz liegst, brauchst Du in Deiner Steuererklärung nicht an Dein Depot zu denken (Stichwort Günstigerprüfung). Selbstverständlich hebst du trotzdem alle Kauf-, Steuer- und Verkaufsabrechnungen auf, weil…. man das eben so macht.

 

Du bist stark interessierter Neu- oder Bestandsanleger und willst es ganz genau wissen

(Vorab eine Anmerkung für die „alten Hasen“, also diejenigen, die sich schon immer intensiv mit Steuern und inneren Zusammenhängen befasst haben: Bitte tu´ Dir den Gefallen und vergiss alles, was Du bisher über Fonds und deren Besteurung gewusst hast. Es ist ungleich schwieriger, sich mit dem neuen System anzufreunden und es zu verstehen, wenn Du gleichzeitig versuchst, es mit dem alten System zu vergleichen und einen „besser“ oder „schlechter“-Stempel draufzudrücken. Selbstverständlich verursacht die Tatsache, dass bisherige Ungleichbehandlungen jetzt gleich gestellt werden, Reibungsverluste. Und selbstverständlich bedeutet die jährliche Steuerbetrachtung, dass Du weniger Zinseszinsrenditen erwirtschaften kannst – aber es hilft nicht, sich darüber zu ärgern, während Du dir eine neue Systematik erarbeiten willst. Es ist nicht besser oder schlechter – es ist nur anders.)

Ziel der Berechnung ist es ja, die Steuerbetrachtung von Aktienfonds zu legalisieren und dafür zu sorgen, dass jedes Jahr die Steuern an den Fiskus abgeführt werden, die aus Werterhöhungen  – wenn auch nur auf dem Papier (erst wenn Du verkaufst, hast Du die Werterhöhung auch realisiert) – entstanden sind. Da man nicht das Risiko eingehen wollte, dieses Steueraufkommen von der Ehrlichkeit der Anleger abhängig zu machen und in deren private Steuererklärung auszulagern, hat man beschlossen, dass die Banken die Steuern berechnen und auch abführen sollen.
Da es über eine Massenabrechnungsmethode nicht individuell (wie in der privaten Steuererkärung) zugehen kann, aber trotzdem steuermindernde Effekte berücksichtigt werden müssen, hat man das Prinzip der Abgeltungssteuer aufgebohrt und um einige Pauschalismen erweitert.
Grundsätzlich hat also jede natürliche Person in Deutschland eine Freigrenze von 801,- €, bis zu der sie steuerfrei Dividenden, Zinsen, Werterhöhungen und Verkaufserlöse aus ihren Geldanlagen für sich verbuchen darf, ohne dass es das Finanzamt interessiert. Voraussetzung dieser steuerfreien Vereinnahmung ist natürlich, dass Du Deiner Bank – die hier übrigens als unbezahlter langer Arm des Finanzamtes fungieren muss – mitteilst, dass Du Deine 801,- € / 1.602,- € zusammen mit Deinem Ehepartner bei ihr zu erwirtschaften gedenkst, ihr also einen Freistellungsauftrag erteilst.
Die Bank prüft übrigens nicht, ob Du woanders auch noch Freistellung erteilt hast, für sie ist das sowas wie eine Haftungserklärung: Hast Du Freistellung, zahlst Du keine Steuern. (P.S.: Bitte jetzt nicht auf dumme Ideen kommen: Das Bundeszentralamt für Steuern bekommt alle tatsächlich in Anspruch genommene Freistellungssummen jährlich gemeldet – und diese Herrschaften können sehr gut rechnen!)
Im folgenden gehen wir nun davon aus, dass du Deinen Freistellungsauftrag bereits ausgeschöpft hast, wenn nicht schon jetzt, dann aber bald – siehe oben: Umso mehr Steuern, umso mehr Gewinn.  Auf den steuerlich relevanten Betrag werden dann also Abgeltungssteuern (die sind nicht neu) von 26,375% + KiSt. fällig.

Ich habe es ganz oben schon einmal erwähnt: Diese Besteuerung bringt eine komplett neue Wortwelt mit sich. Das schöne daran ist: Du kennst die alte Wortwelt nicht (oder hast sie vergessen – siehe oben), dann brauchst Du dich auch nicht umzugewöhnen.
Ausgangs- und Vergleichswert aller Berechnungen ist der sogenannte Basisertrag, den die Bundesbank an jedem Jahresanfang neu festlegt, indem sie den Basiszins herausgibt, der sich an dem aktuellen langfristigen Renditezins für öffentliche Anleihen orientiert. Warum das so und nicht anders nicht, kann ich Dir leider nicht sagen – in meiner Welt hätte man auch die Umlaufrendite oder den Euribor nehmen können, um ein sich jährliches änderndes Marktniveau einzupreisen.
Seis drum, wir haben also einen Basiszinssatz, der nun noch um 30% reduziert wird, weil Du ja schließlich im Fonds auch Kosten (TER) zu tragen hast, die – wie Werbungskosten – anzurechnen sind. Dein Basisertrag bezeichnet also, welcher Ertrag aus Deinem am Jahresanfang bestehenden Fondsvermögen für dieses Jahr erwartet wird:

(Fondsstand am Jahresanfang x um 30% reduzierter Basiszins) : 100 = Basisertrag in Euro

Der Basiszinssatz 2016 – der für 2017 Gültigkeit hätte, hätten wir diese neue Berechnungart schon, liegt bei 1,1%. Der aktuelle reduzierte Basiszinssatz liegt also bei 1,1% – (1,1% x 30%) = 0,77%.
Vom Basisertrag kommen wir jetzt zur Vorabpauschale, der summenmäßigen Obergrenze, mit der Deine Wertzuwächse in dem aktuellen Jahr gedeckelt werden.
Da jetzt alle Aktienfonds entweder Quellensteuer oder Körperschaftssteuer bezahlen, ist ja schon ein Teil Steuer bezahlt – also pauschalisieren wir jetzt noch einen Schritt weiter und hoffen, dass der Anleger mittels einer weiteren Teilfreistellung von 30% pi mal Daumen gerecht behandelt wird: Wir reduzieren den Basisertrag um weitere 30% und haben voilá: Die Vorabpauschale!
In unserem Beispiel sind wir dann bei

0,77 reduzierter Basisizins – (0,77 x 30% Teilfreistellung) = 0,539% x Dein Fondsvermögen am Jahresanfang : 100 = Vorabpauschale

Um uns allen mindestens einen Rechenschritt zu ersparen und nicht für jeden Fonds einzeln rechnen zu müssen, schlage ich vor, diese ganzen Zwischenschritte und 30%-Regelungen in einer Zahl zusammenzufassen, nämlich dem
Gesamtpauschalfaktor = (70% des Basiszinses – (30% des reduzierten Basiszins) = bei Basiszins 1,1 ergibt sich 0,539%

Deutlich schneller und auf jeden Aktien-ETF anwendbar hast Du dann die Vorabpauschale immer berechnet mit:

(Fondsvermögen am Jahresanfang x Gesamtpauschalfaktor) : 100 = Vorabpauschale

Jetzt darf das Jahr ins Land gehen und Dein Fonds tut, was Fonds eben so tun: Steigen, Fallen, Stagnieren und – bei entsprechender Fondswahl: Ausschütten.
Ausschüttungen musst Du als einziges gesondert betrachten, denn hier haben wir ja den Fall, dass Geld aus dem ETF abfließt – sprich, es steht der Jahresrückbetrachtung nicht mehr zur Verfügung und es fließt im nächsten Jahr auch nicht mehr in die neue Vorabpauschale mit ein. Weil aber die angenommenen Kosten des Investments ja schon in der Vorabpauschale berücksichtigt sind und sie am Ende des Jahres mit dem tatsächlichen Kostenanteil verglichen werden, dürfen sie nicht weiter in den Ausschüttungen berücksichtigt werden. Die Teilfreistellung dagegen muss berechnet werden, denn wenn sie beim tatsächlichen Geldabfluss nicht berücksichtigt würde, würde sich für den ausgeschütteten Teil die Vorabpauschale gegen die Jahresendbetrachtung aufheben, das geht natürlich nicht.
Also: Nur 70% der Ausschüttungen unterliegt der Abgeltungssteuer, die Du ganz normal mit 26,375% + KiSt. bezahlst.

Der Vergleich: Jahresvorbetrachtung – Jahresrückbetrachtung

Da Aktienfonds den Finanzbehörden wohl in den seltensten Fällen den Gefallen tun werden, sich genau so zu entwickeln, wie in der Vorabpauschale angenommen, muss am Ende des Jahres geschaut werden: Wie hat sich der Fonds tatsächlich entwickelt und welche Steuerlast ergibt sich tatsächlich daraus?
Das ist sehr einfach, denn Du brauchst nur Deinen Jahresanfangsbestand von Deinem Jahresendbestand abzuziehen. Nur wenn Du wirklich einen Wertzuwachs hattest, brauchst Du jetzt weiterzurechnen, denn bei Verlusten schlägt die Tatsache die Vorabpauschale und Deine Steuerlast ist Null. Bedenke: Das betrifft nicht die Steuern, die Du bereits auf die unterjährigen Ausschüttungen bezahlt hast, denn die sind raus aus dem Spiel.
Also, lasst uns die Tatsachen mit den Vorab-Annahmen vergleichen und freu Dich darüber, dass hier immer der für Dich günstigere Vergleich zum tragen kommt:

Ist der (Wertzuwachs x Gesamtpauschalfaktor) – Komplettausschüttung > Vorabpauschale  -> zahlst Du 26,375% + KiSt. auf die Differenz zwischen Vorabpauschale – Komplettausschüttungen.
Ist der (Wertzuwachs x Gesamtpauschalfaktor) – Komplettausschüttung < Vorabpauschale  -> zahlst Du 26,375% + KiSt. auf die Differenz zwischen 70% des tatsächlichen Zuwachses abzüglich der eventuell angefallenen Komplettausschüttungen.

Nach diesem Schema F* (das PDF dazu kannst Du Dir unten bestellen) sollte Dir die Berechnung Deiner tatsächlichen Steuerlast hoffentlich kein Problem bereiten. 🙂

Übrigens: Für Mischfonds mit 25% -50% Aktienanteil berechnet sich der Gesamtpauschalfaktor mit 70% Basiszins – (15% des reduzierten Basiszinses) und für Immobilienfonds gelten je nach ihrer Ausrichtung 60% oder 80% Teilfreistellung, sonst bleibt sich die Berechnung aber gleich.
Für Sparpläne bleibt die Berechnung gleich, allerdings musst Du 11 mal die Vorabpauschale für den monatlichen Sparbeitrag auf jeweils die verbleibende Monatsanzahl neu rechnen. Da bekomme ich einen Knoten ins Hirn, das soll bitte ein Compterprogramm machen.

Fazit, Fragen und Kritik:

  • Die Berechnung ist zum an den Kopf fassen, aber die neue Systematik ist zumindest in Teilen steuergerechter als vorher.
  • Unterm Strich bezahlen thesaurierende und ausschüttende ETFs über die gesamte Haltzeit betrachtet bezogen auf den Gesamtertrag den gleichen Steuersatz.
  • Ein schlechtes Jahr wird erst im darauffolgenden Jahr durch die dann niedrigere Vorabpauschale gewürdigt. Es können keine buchhalterischen „Steuerguthaben“ aufgebaut werden. Die tatsächlich gezahlten Haltesteuern dagegen werden beim endgültigen Verkauf in die Schlußabrechnung mit einbezogen.
  • Der Zinseszinseffekt bei thesaurierenden ETFs verringert sich um die jetzt jährlich gezahlten Steuern.
  • Es ist noch nicht klar, ob die Freigrenze von 100.000 € beim Altbestandsschutz sich auf den Bruttoertrag oder auf die steuerlich relevanten Erträge nach neuer Rechenart bezieht.
  • Ich habe gelesen, dass fondsbasierte Rentenversicherungen nicht von der Regelung betroffen sind. Das mag für die Besteuerung auf Anlegerebene gelten, für die Körperschaftssteuer auf Fondsebene kann ich mir das aber nicht vorstellen. Indirekt hat es also sehr wohl Auswirkungen.

So, Du hast es geschafft. Wenn Du mit meinen Erklärungen nicht zurechtgekommen bist, andere Ansätze brauchst (nicht jeder lernt gleich!) oder Blut geleckt hast und noch tiefer ins Thema einsteigen willst, empfehle ich Dir folgende sehr gute Artikel (für die ich mich an dieser Stelle selbst auch bedanken will – ohne Euch hätte ich noch länger gebraucht, um durchzusteigen!):

*Um Dir die Berechnung deiner Steuerlast für die Zukunft ganz leicht zu machen, habe ich das Schema: F (wie Fondsbesteuerung) erstellt, in dass Du nur den aktuellen Basiszinssatz eintragen musst und womit Du dann Deine eigene Steuerlast individuell ausrechnen kannst.
Bitte trage Dich in meinen Newsletterverteiler ein (Du bekommst dann zukünftig auch meinen Newsletter, kannst Dich aber natürlich jederzeit wieder abmelden) und Du bekommst das Schema: F als ausfüllbares PDF in dein Emailpostfach:

Der Beitrag Es ist angerichtet: Die Steuer auf Fonds und ETFs ab 2018 erschien zuerst auf Finanzbildung.

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https://www.finanzbildung.jetzt/neue-steuer-auf-fonds-und-etfs-ab-2018/feed/ 16
Womit Du anfängst, wenn Du Deine Finanzen in die eigene Hand nimmst https://www.finanzbildung.jetzt/womit-du-anfaengst-wenn-du-deine-finanzen-in-die-eigene-hand-nimmst/ https://www.finanzbildung.jetzt/womit-du-anfaengst-wenn-du-deine-finanzen-in-die-eigene-hand-nimmst/#comments Thu, 31 Jan 2019 18:48:01 +0000 https://blog.geldwert-finanz.de/?p=8491 Aller Anfang ist schwer? Ach Quatsch, das Schwerste hast Du schon hinter Dir: Du hast Dich endlich dazu entschieden, Dich eigenverantwortlich um Deine Finanzen zu kümmern. Und ja, das ist tatsächlich die größte Herausforderung, die Du annehmen konntest. Wie viele Menschen „da draußen“ verschließen lieber die Augen vor der Thematik oder verlassen sich blind auf […]

Der Beitrag Womit Du anfängst, wenn Du Deine Finanzen in die eigene Hand nimmst erschien zuerst auf Finanzbildung.

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Aller Anfang ist schwer? Ach Quatsch, das Schwerste hast Du schon hinter Dir: Du hast Dich endlich dazu entschieden, Dich eigenverantwortlich um Deine Finanzen zu kümmern. Und ja, das ist tatsächlich die größte Herausforderung, die Du annehmen konntest. Wie viele Menschen „da draußen“ verschließen lieber die Augen vor der Thematik oder verlassen sich blind auf ihre Banken und Versicherungen… Also: Herzlichen Glückwunsch!

Der Geist ist willig – aber der Wald voller Bäume

Damit Du Deine Entschlusskraft behältst und sie nicht den Weg aller Diäten und guter Vorsätze geht, möchte ich Dir heute einen Leitfaden an die Hand geben, wie du am effizientesten und geschicktesten Dein Finanzwissen auf Vordermann bringst und damit einen Prozess einleitest, der zwar seine Zeit braucht, sich aber Dein ganzes restliches Leben lang auszahlen wird.

Schaffe zuerst Ordnung in Deinem Kopf

Der Anfang jeder Finanzplanung wird doch schwierig, wenn Du versuchst, zu viel auf einmal anzugehen: „Ach Herrjee, ich habe so viele Versicherungen, von denen ich gar nicht weiß, was sie sollen und wie sie funktionieren. Ich habe gelesen, Bausparverträge sollen Mist sein und dann gibt es da ja noch diese ETFs, von denen alle reden dann. Und Riester, der ist ja auch nix, warum habe ich damals eigentlich auf den Verkäufer gehört? Und überhaupt, ich weiß ja, ich muss mehr sparen – aber dann muss ich auch mehr verdienen. Da ist doch was gewesen mit „passivem Einkommen“ und T-Shirts bedrucken, das muss ich mir auch mal anschauen…!“
STOPP!
LASS DAS.

Du musst Prioritäten setzen und diese nacheinander abarbeiten. Es hat überhaupt keinen Sinn, an verschiedenen Enden des Knotens gleichzeitig zu zupfen, dadurch ziehst Du ihn nur noch fester zu.
Es gibt viele Möglichkeiten zu priorisieren, die einen fangen bei ihren Versicherungen an, die anderen bei ihrer Geldanlage und wieder andere bei ihrer Hausfinanzierung. Die Priorisierung, die sich nach meiner Erfahrung nach am ehesten bewährt hat weil es keine unnötigen Rückwärtsschleifen in der Abarbeitung gibt, sieht folgendermaßen aus:

  • Ordnung im Kopf (bist Du gerade dabei)
  • Ordnung in den Ordnern (Status)
  • Ordnung in den Konten (Haushaltsrechnung)
  • Finanzplan rechnen
  • Altersvorsorge
  • Risikovorsorge
  • Vermögensaufbau
  • Optimierung Einkommenssituation

Die einzelnen Themen hängen am Ende natürlich doch zusammen, deshalb bieten sie natürlich immer wieder Anlass, sich von dort aus zu „verfransen“.
Wenn das nur „Ausflugsweise“ geschieht, zum Beispiel, weil Du gerade in einem Interview etwas über Risikoabsicherung gehört hast, obwohl Du an dem Punkt Altersvorsorge bist, ist das natürlich kein Problem. Wichtig ist nur, dass Du gleich wieder zu deinem eigentlichen Thema zurückkehrst: Mach Dir Notizen über das Gehörte unter der Abteilung Risikovorsorge in Deinem Ordner oder Notizblock und vergiss es wieder aus Deinem aktiven Gedächtnis.

Ordnung in den Ordnern

Bevor Du daran gehen kannst, irgendetwas zu verändern, musst Du erstmal wissen, was genau du überhaupt schon hast – und wenn Du gerade dabei bist, genau darüber eine Liste aufzuschreiben, kannst Du dich auch gleich des unnötigen Papier-Ballasts der letzten 120 Jahre entledigen.
In den (oder die) Versicherungsordner kommen die Versicherungen auch wieder gemäß Ihrer Hierarchie.

In die Abteilung „Altersvorsorge“ gehören:

  • (private und gesetzliche) (auch fondsgebundene) Rentenversicherungen,
  • Lebensversicherungen,
  • Riester und / oder Rürup (auch oft als Basis-Rente tituliert) und
  • betriebliche Altersversorgung, gegebenenfalls auch Zusatzversorgungskassen u.ä.

In die Abteilung „Risikovorsorge“ gehören:

  • Berufsunfähigkeitsversicherung, ggbfs. Erwerbsunfähigkeit usw.
  • Unfallversicherung
  • Invalidität
  • (private) Krankenversicherung
  • Risiko-Lebensversicherung
  • Krankenzusatzversicherungen (Zähne, Augen, Brille, Heilpraktiker, Krankenhaus…)
  • eben alles, was mit Leib und Leben zu tun hat, z.Bsp. auch Pflegeversicherung

In die Abteilung „Sachversicherungen“ kommt:

  • KfZ-Versicherung
  • Haftpflicht
  • Rechtschutz
  • Hausrat und Gebäude
  • eben alles, was mit Dingen zu tun hat, z.Bsp. auch Reise- oder Geschäftsinhaltsversicherungen.

Die Liste, die Du dazu anlegst, ist geschickter weise ebenfalls so unterteilt, an immer schnell zur Verfügung stehenden Daten schreibst Du Dir bitte auf:
Name  und Gegenstand der Versicherung, genaue Tarifbezeichnung, abgeschlossen wann, Anfangsbeitrag monatlich / jährlich XY €, Beitrag heute, wenn kapitalbildend: Stand heute und Rückkaufswert, falls vorhanden: (Garantie)Rente ab wann und wie viel.

Wegwerfen kannst Du: Alle Anschreiben auf denen Dir nur erzählt wird, dass sie Dich gerade anschreiben. Alle Unterlagen von bereits aufgelösten/abgerechneten Versicherungen und Sachverhalten, die älter als 3 Jahre sind. Sowieso: Alle alten Rechnungen (> 3 Jahre) von den Sachversicherungen, die Du hoffentlich nicht gebraucht hast.
Unbedingt behalten musst Du: Den – eventuell noch von Hand ausgefüllten – Originalantrag der Versicherung, die Originalpolice, die Beratungsdokumentation (wenn schon vorhanden), die damaligen „ich-versprech-Dir-was“-Verkaufsunterlagen und die ursprünglichen Vertragsbedingungen. Außerdem die Jahresstandsmitteilungen von allen Jahren (das dient aber eigentlich mehr dazu, die Historie nachzuvollziehen – wirklich etwas damit anfangen kann man ansonsten eher nichts). Ebenfalls aufheben solltest Du die aktuellen Vertragsbedingungen, falls sie mal im Laufe des Versicherungslebens geändert und dir zugeschickt wurden (ist meistens so).

Am Schluss sollten ein ordentlicher Stapel Altpapier und höchstens 2 – relativ schlanke – Ordner mit Versicherungsunterlagen übrig sein, die chronologisch sauber von hinten nach vorne (also ältestes Dokument nach unten) abgeheftet sind. Und natürlich die drei Blätter, auf denen Du den gesamten Inhalt der Ordner stichpunktartig notiert hast. Damit hast Du nun immer schnell den Überblick.

Als Einstieg in die Versicherungswelt finde ich dieses Video von Finanztip.de sehr schön.

Ordnung in den Konten

Ähnlich wie mit den Versicherungen dokumentierst Du im zweiten Schritt mal Deine Konten und machst dabei gerade eine Aufstellung deiner Ausgaben. Letzteres entfällt natürlich, wenn du sowieso schon ein Haushaltsbuch führst – aber das ist nun wirklich nicht jedermanns Sache. Wenn du irgendwann mal dahin kommst, ist es natürlich umso besser – Grundvoraussetzung für eine ordentliche Finanzplanung ist es aber sicherlich nicht. Wie Du anhand Deiner Kontoauszüge einen Kassensturz machst, erkläre ich ganz knackig hier im 1-Minuten-Finanztipp.
Übrigens: Auch alte Kontoauszüge darf man wegwerfen. Wenn Du nicht sentimental oder besonders aufbewahrungspflichtig bist, kann normalerweise alles > 3 Kalenderjahre weg.

A pros pos: Schreddern oder kleinreißen nicht vergessen. Während Du dieser stumpfsinnigen Arbeit nachgehst – und wenn Du Spaß und Freude an sowas hast – ist es eine Grundsatzempfehlung, Dir den Podcast vom Finanzrocker anzuhören. Am besten fängst Du wirklich bei Folge 1 an (Notizen machen nicht vergessen, Folgen, die sich gerade als Hauptthema mit Fonds, Anlagen, P2P, usw. beschäftigen auf später verschieben, wenn Du wenn Du dann soweit bist).

Konten lassen sich gut in Mindmap-Form dokumentieren: Male Dein Haupt-Girokonto (mit Bank und Kontonummer) in die Mitte deines Zettels und alle anderen Dir gehörenden (oder von Dir bestückten) Konten, Depots, Kreditkarten, Kindersparbücher usw. drumherum.
Falls dein Girokonto im Soll stehen sollte, ist das jetzt die allererste Baustelle, an der Du weiterarbeitest -> So kommst Du aus den Schulden raus

Übrig bleiben hier: 4 Abhefter (3 Jahre + das Aktuelle) Girokontoauszüge (ebenfalls chronologisch von hinten nach vorne), ein (höchstens zwei) Ordner mit Geld- und Sparsachen, 2 Blätter (1 mit der Mindmap, 1 mit der Einnahmen-Ausgaben-Liste).
Das Mindmapblatt dient übrigens auch wunderbar als „Nachlass-Vorsorge“ – hier finden Deine Angehörigen auch gerade alle Angaben, die sie brauchen, falls Dir mal was passiert und irgendwer anders Deine Finanzen übernehmen oder abwickeln muss.

Finanzplan rechnen

Dieser Punkt wird zu gerne ausgelassen, dabei ist es meiner Meinung nach die große Klammer, die alles zusammenhält.

Selbstverständlich kommst Du auch ans Ziel, wenn Du zuerst alles rund um den Vermögensaufbau lernst und abarbeitest. Vielleicht kommst Du danach aber auf den Trichter, dass Du doch noch einen Teil sicherer Rentenversorgung brauchst?
Dann schließt Du also eine Rentenversicherung ab (oder optimierst Bestehendes), um dann wiederum festzustellen, dass Du jetzt aber wieder Geld vom Vermögensaufbau abziehen musst, weil es sonst mit dem Puffer-Ansparen wiederum zu eng wird.

Ja, es geht natürlich auch so. Du kannst ja schließlich alles im Internet nachlesen. 
Aber es dauert länger und kostet Dich mehr Nerven.
Besser ist es, Dir wenigstens ein grobes Gerüst eines Finanzplans zu erstellen. Dabei fängt man am idealsten hinten an, nämlich bei deinem Ziel, Deiner Rente bzw. dem Gesamtvermögen, welches Du für Deine Rente brauchst.

Rechne Dir aus, mit wie viel Geld Du auskommst, damit Du über die Runden kommst.
Diese Minimalrente ist die Summe, die Du keinem Risiko aussetzen solltest, sie sollte über möglichst sichere Kanäle erwirtschaftet werden: Das ist das, was über die Altersversorgung im Versicherungssinne abgedeckt sein sollte. Alles andere, der Luxus und das gute Leben, welches wir natürlich für unser Alter anstreben, können wir dann nämlich – völlig frei von jeder Existenzangst -, über den Vermögensaufbau erwirtschaften.
Diese geistige Trennung von Grundversorgung und Gut-Leben ist Gold wert: Du lässt Dich nicht mehr verwirren von Finanzprodukten, die Dir vermeintlich eine Wahnsinnsrendite bei 100%iger Sicherheit bieten, genauso wenig, wie Du Dich selbst hereinlegen wirst, indem Du Geldanlage, Versicherung und Spekulation miteinander vermengst und eine Menge an unnötigen Kosten bezahlen musst (davon abgesehen, dass du Dein Ziel nicht so leicht erreichen wirst).

Unterstützung

Es gibt gute Online-Tools wie z.Bsp. die XPS-Finanzsoftware für Privatleute. Gut sind auch die Altersvorsorge Rechen-Excel von Finanztest -> Altersvorsorge-Ermitteln-Sie-Ihren-Finanzbedarf und sehr gerne kannst Du auch mit dem kleinen Rentenrechner von Gisela Enders, den Du Dir hier abrufen kannst -> https://klunkerchen.com/rentenrechner/ arbeiten.

Von Altersvorsorge-Lückenrechnern, die Du sonst so im Netz findest (sehr gerne von Versicherungsgesellschaften) und Pauschal-Faustformeln wie „80% des Nettogehaltes sollten als Rente zur Verfügung stehen“ rate ich explizit ab.

Wenn du das Bedürfnis hast, es selbst richtig rechnen zu lernen, kann ich Dir meine Rechenseminare oder den Selbstlernkurs anbieten (ein Rechenbuch kommt auch noch, aber das wird noch ein wenig dauern), das Bildungsangebot in dieser Richtung ist noch verschwindend gering.

Altersvorsorge

Jetzt erst ist es an der Zeit, sich eingehend mit der tatsächlichen Altersvorsorge zu beschäftigen.
Du hast deine Liste. Du weißt jetzt, wo Du mit diesem Teil Deiner Finanzprodukte hinwillst. Und jetzt kannst du sie auch daraufhin überprüfen.
Neben meinen Webinaren und dem Grundsatz-Leitfaden zu diesem Thema bietet es sich spätestens jetzt an, sich ein wenig Fachliteratur anzulesen:
Ich finde den Finanztip-Ratgeber recht gut->  https://www.finanztip.de/altersvorsorge/, außerdem natürlich auch die Finanztest-Hefte, bzw. das Altersvorsorge-Grundsatzbuch, welches Du dort im Online-Shop käuflich erwerben kannst.

Mittelgut gefällt mir auch die Podcastfolge vom Versicherungsgeflüster zu dem Thema -> https://versicherungsgefluester-podcast.de/folge011-altersvorsorge-so-machen-wir-es/.
Nur mittelgut übrigens deshalb, weil die zwei netten Jungs vom Versicherungsgeflüster Provisionsmakler sind (und verständlicherweise nicht erwähnen, dass es auch Honorarberater und Honorarberatertarife gibt) und außerdem sind sie offensichtlich recht große Fans von fondsgebundenen Rentenversicherungen und Cash-Backs (derweil ich Fan von klassischen Rentenversicherungen bin und Cash-Backs einfach furchtbar finde. Das ist aber normal. Anlageberater reagieren stets allergisch auf „Geldanlage im Versicherungsmantel“…). Trotzdem, sie erklären recht gut, was es mit den Steuern und dem Langlebigkeitsrisiko auf sich hat.

Je nachdem, wie sehr Dich das Thema „Altersvorsorge-Versicherungen“ antickt, ist es jetzt Zeit, Deinen Versicherungsmakler der Wahl anzurufen und einen Optimierungs- / Aufklärungstermin zu machen oder Dir einen Honorarberater zu suchen. Selbstverständlich kannst Du auch noch vieeeel weiter ins Thema reingehen und Dich entscheiden, Dir Deine Sachen selbst zusammenzusuchen.

Risikovorsorge

Die Risikovorsorge behandelst Du im Prinzip analog der Altersvorsorge.
Allerdings würde ich hier vor allem bei den „großen Versicherungen“ Berufsunfähigkeit und private Krankenversicherung nicht auf fachkundige Hilfe verzichten wollen – Honorar oder Provision hin oder her.

Sachversicherungen

Das sind die Versicherungen, bei denen ich passe: Der Kleinkram ist unglaublich wichtig (hey, heute noch ohne private Haftpflichtversicherung durchs Leben zu laufen ist einfach nur fahrlässig!) – aber er ist auch unglaublich kleinteilig. Glasversicherung bis wie viel ist wo drin? Braucht man das überhaupt? Und dieser KfZ-Tarifwechselwahn jedes Jahr!

Du kannst Dich jetzt entscheiden, auch diese Versicherungen in Gänze abzuarbeiten – oder aber Du verifizierst nur kurz, dass die wichtigsten Sachen gemacht sind und verschiebst das Optimieren/ Reinknien auf später, damit Du Dich nicht zu lange aufhalten musst, bis Du an die wirklich interessanten Geschichten drangehen kannst:

Der Vermögensaufbau

Das hier ist der schönste und spannendste Teil der finanziellen Selbstemanzipation. Und weil das so ist, gibt es hier auch am meisten darüber zu lernen: Dir steht die ganze Welt der Geldanlage offen, Dein Geld für Dich arbeiten zu lassen!

Da es nur 5 Möglichkeiten der Geldanlage gibt, kannst du das aber trotzdem strategisch angehen und brauchst Dich nicht zu verzetteln.
Am Ende läuft es auf eine Kombination aus Bankanlagen, Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Immobilien heraus – bei jedem anders gewichtet, jeder nach seinem individuellen Risikoprofil und nach seinem persönlichen Geschmack. Ob Du Dir gemanagte Fonds anschaffst, Einzelaktien kaufst, Dir Dein eigenes ETF-Depot baust (oder bauen lässt) und / oder Vermieter wirst, solltest Du ganz alleine entscheiden und ob Du dabei Beratung benötigst ebenfalls.
Klar muss Dir aber sein:
Beratung kostet immer Geld, selber machen kostet Zeit und Gehirnschmalz, beides ist aber vollkommen in Ordnung. Du kannst übrigens auch einen Mittelweg gehen und Dich beim Selbermachen professionell begleiten lassen. 😉
Wie Du den richtigen Finanzberater findest, wenn Du einen suchen solltest, erkläre ich hier -> So findest Du den richtigen Finanzberater

Wichtig: Auch der beste Finanzberater enthebt Dich nicht der Verantwortung, Dich selbst zumindest in den Grundlagen ordnungsgemäß schlau zu machen.

Neben der Podcast-Hörerei empfehle ich dazu das schön zu lesende Grundlagenbuch von Albert Warnecke (Der Finanzwesir) „Was Sie über Vermögensaufbau wirklich wissen müssen.“ und das „Handbuch Geldanlage“ von Finanztest.
Über die ganze andere Fachliteratur wirst du sowieso von selbst stolpern, spätestens dann, wenn Du Dich auch in den entsprechenden Facebookgruppen wie „Deine Finanzbildung“ (die ist von mir) oder „Madame Moneypenny“ tummelst. Von denen aus kann es dann auch durchaus spezialisiert weitergehen, wie zur „Aktien mit Kopf„-Gruppe (sehr eigen, muss man mögen) oder zur „Dividendenstrategie„-Gruppe undundund.

Optimierung der Einkommenssituation

Jetzt bist Du fast fertig. Falls Du unter dem ganzen Finanzwissen jetzt nicht zusammengebrochen bist und Feuer gefangen hast, kann es sein, dass Du auch an dem anderen Ende des Knotens noch ziehen möchtest:
Wie kommst mehr Geld in deine Kasse, damit Du es für Dich gut verwenden kannst?
Hier bewegen wir uns aus dem Finanzbereich hinaus in die Persönlichkeits- und Karriereentwicklung, es gehören hier aber auch Neben- und Zusatzerwerbsmöglichkeiten hinzu wie z.Bsp. Affiliate-Marketing, Selfpublishing, Network-Marketing usw..
Es gibt unzählige Möglichkeiten, auf dieser Welt, Geld zu verdienen oder aus Deinem Job mehr zu machen.
Aber sei bitte vorsichtig, hier sind eine Menge Abzocker und Traumversprecher unterwegs: Auch passives Einkommen verlangt harte Arbeit.

Und die Hausfinanzierung?

Falls Du Dich gewundert hast, dass das Thema Hausfinanzierung überhaupt keinen Platz im Plan gefunden hat, so hat das zwei Gründe:
1. Es hat nicht jeder ein Haus oder eine Eigentumswohnung – und viele wollen es auch nicht.
2. Eine bestehende Hypothekenfinanzierung für Dein selbstbewohntes Eigentum kann i.d.R. erst mit Ablauf der Zinsfestschreibung optimiert werden. Das heißt, Du kannst jetzt sowieso nichts daran ändern – also kannst Du es auch geistig hintenan stellen. Falls Du allerdings planst, Eigentum zur Selbstnutzung zu erwerben, gehört es thematisch in einen Block direkt nach der Altersvorsorge (es ist weder eine „richtige“ Altersvorsorge, noch eine Geldanlage) – und natürlich muss es in den Finanzplan eingerechnet werden.

Und wie lange dauert das alles?

Ganz ehrlich – ich weiß es nicht.
Es kommt darauf an, wie tief Du dich in die jeweiligen Themen einarbeitest und wie stetig Du am Ball bleibst.
Außerdem hängt es natürlich daran, über wie viele Altlasten Du entscheiden musst – es liegt also in der Natur der Sache, dass ein junger Mensch, der gerade mal mit einem Girokonto und einem Tagesgeld ins Berufsleben startet, deutlich schneller seinen Finanzplan erstellt und umgesetzt hat, als ein mittelalter Mensch, der bereits einiges an Finanzprodukten, Gewohnheiten und Ängsten aufräumen muss.
Außerdem müssen die ganzen Inhalte, die Du während des Prozesses lernst, ja auch verarbeitet werden. Die ganzen Puzzleteile müssen ihren Platz finden und das Leben geht ja auch noch weiter…
Falls es dir als Anhaltspunkt dient:
Ich plane einen begleiteten Gruppenkurs, der in 6 Monaten gelassen durch den Prozess führt. Ohne professionelle Begleitung (die einem ab und an in den Popo tritt und für den nötigen Motivationsschub sorgt) und mit dem üblich anstrengenden Leben drumherum braucht man vielleicht ein dreiviertel Jahr.
Manche Überflieger schaffen es aber auch in 3 Monaten – rechne keinesfalls mit weniger, willst Du wirklich sorgfältig vorgehen.

Wichtig ist, dass du Dich eben beim schlau-machen nicht verzettelst und die Richtung verlierst – und ich hoffe, dass Dir der Fahrplan ein wenig Richtschnur sein kann, Dich immer wieder auf das zu fokussieren, was gerade Dein Thema bist.

Schon der weise Konfuzius sagte:

Wie isst man einen Elefanten?
Stück für Stück!

 

 

 

 

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Wie mir ein Staubsaugerbeutel den Tag versaute https://www.finanzbildung.jetzt/wie-mir-ein-staubsaugerbeutel-den-tag-versaute-finanzbildung-ist-kein-tiefenstudium/ https://www.finanzbildung.jetzt/wie-mir-ein-staubsaugerbeutel-den-tag-versaute-finanzbildung-ist-kein-tiefenstudium/#comments Wed, 05 Dec 2018 08:49:00 +0000 https://blog.geldwert-finanz.de/?p=8439 Oder: Warum Finanzbildung kein Tiefenstudium sein muss. Montag ist ja mein Lieblingstag. Jede Woche hat am Anfang die Chance, eine geniale Woche zu werden, deshalb habe ich es mir schon seit langem abgewöhnt, dem Wochenende hinterherzutrauern. Stattdessen heiße ich den Montag mit Freuden willkommen – wer meinem Privatprofil auf Facebook folgt, weiß das recht gut. […]

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Oder: Warum Finanzbildung kein Tiefenstudium sein muss.
Montag ist ja mein Lieblingstag. Jede Woche hat am Anfang die Chance, eine geniale Woche zu werden, deshalb habe ich es mir schon seit langem abgewöhnt, dem Wochenende hinterherzutrauern. Stattdessen heiße ich den Montag mit Freuden willkommen – wer meinem Privatprofil auf Facebook folgt, weiß das recht gut.

Diesen Montag kam alles ganz anders

Um zu erklären, warum es ausgerechnet ein Staubsaugerbeutel schafft, mich in Rage zu bringen, muss ich ein wenig ausholen: Wir haben viele Tiere, viele Haare und viel Staub. Und ich bin keine begnadete Hausfrau – um genau zu sein, bin ich sogar eine ziemlich schlechte Hausfrau. Das macht mir aber nichts, ich kann ja nicht in allem gut sein.

Wie auch immer, ich kümmere mich nicht sehr intensiv um solche Dinge wie Staubsauger, Rasenmäher, Fensterputzsachen oder so. Wir beschäftigen uns bei Anschaffung des Geräts kurz damit, ob es halbwegs idiotensicher zu bedienen ist, sitzen meist der Mär von Markennamen auf (ist ja schließlich auch ein Qualitätsversprechen, nein?) und dann ist auch schon gut.

Der Staubsauger kam auch auf diese Art in unser Haus – wer macht sich schon Gedanken über die blöden Staubsaugerbeutel, die man später braucht? Geht man in den Laden und kauft man halt nach.
Vor ein paar Wochen also kaufte der Göttergatte Staubsaugerbeutel nach, ihr wisst schon, die günstigen von Swirl die es in jedem Baumarkt gibt. Dummerweise erwischte er die falschen, statt R 36 eben R 39 (die einen standen auf dem Platz der anderen – das Regal ist groß, alle Packungen sehen gleich aus, kann ja mal passieren).

Naja, da wir es dann irgendwie aus den Augen verloren hatten und es uns immer nur beim staubsaugen einfiel – haben wir eben den alten Beutel immer wieder von Hand leer gepopelt, damit wir nicht aufgehalten sind. Nicht schön, aber es hilft ja nichts.

Letzte Woche dann – endlich!: Wir sind gleichzeitig mit unserer Erinnerung  im Baumarkt, juhuu, lass uns gleich 2 Packungen Staubsaugerbeutel kaufen!
Pustekuchen.
Alle Beutel sind da – nur R 36 nicht.
Wir sind aber jetzt angefixt, egal wie, die Dinger müssen jetzt her. Also in den nächsten Supermarkt und in den nächsten Baumarkt – Mist! – haben denn alle Saarländer den gleichen Staubsauger?

Dann halt online

Wenn ich vor Ort also nicht bekomme, was ich will – muss es eben online sein. Und weil ich es jetzt besonders gut meine, bestelle ich die Original-Beutel. (Ja, sowas mache ich manchmal. Ich tanke manchmal auch normales Super statt E10, weil ich meinem Auto einen Gefallen tun will.)
Montag also, staubsaugen. Mit den neuen Luxus-Staubsaugerbeuteln.
Die nicht passen.
Nicht vorwärts. Nicht rückwärts. Nicht mit Gewalt – und ohne geht der Staubsauger nicht zu. Nach 35 Minuten habe ich sie irgendwie drin, aber der Sauger zieht nicht, er macht nur phhhht. Das kann ich auch selber, sauber wird es davon aber auch nicht.

Jetzt bin ich sauer. Richtig stinkig. So stinkig, dass ich überreagiere und jetzt!, sofort! einen neuen – beutellosen Staubsauger bestellen werde. Online. Weil ich nicht nochmal durch die Gegend fahre wegen dem Ding. Und weil es jetzt! sein soll.

Ich bin nicht immer so ein Fixfeuerhölzchen, aber wenn ich das Gefühl habe, meine Zeit zu verschwenden und noch dazu kein gutes Ergebnis erziele, kann das schon mal passieren. Hey, es geht hier nicht um eine Altersvorsorge oder um eine Existenzsicherung, es geht nur um Staub und Sauberkeit – da ist meine Geduldsleine recht kurz, da habe ich keine Lust drauf. (Habe ich schon mal erwähnt, dass ich keine begnadete Hausfrau bin?)

Also: beutellose Staubsauger gesucht. 3 Stunden lang. Erfolglos.
Weil: Der eine kostet 350, der andere 69,- Euro – trotzdem beide 4,5 Sterne. Einer ist zu schwer, der andere hat einen zu kurzen Schlauch, wieder einer lässt sich schlecht saubermachen, der nächste kommt erst in 3 Wochen, hat kein Zubehör, saugt sich fest, ist schlecht verarbeitet, lässt sich nicht gut ziehen, zieht sich zu gut und fährt Dir in die Hacken,…und so weiter und so weiter. Das kann ja wohl alles nicht wahr sein!

Mittlerweile hat der Göttergatte per Ferndiagnose festgestellt, dass ich bei der Bezeichnung der Originalbeutel ein 4A übersehen habe. Zwischen all den vielen Worten, die meinen Staubsauger genau benennen, habe ich ein 4A übersehen. Na super. (Ich bekomme das erste mal ganz kurz das Gefühl, dass das so ähnlich wie bei den Tarifbezeichnungen von Versicherungen ist… RV BuZ KV Option SuperGarant 125 und RV BuZ NVG Option SuperGarant 125 sieht auch verdammt ähnlich aus, unterscheidet sich aber doch massiv im Innenleben.)
Er hat jetzt einfach R 36 bestellt, kommen übermorgen.

Pepper, unser neuer Herzenshund. Nein, es ist kein Schwarzbärwelpe, es ist ein Großspitz. 😉

Da der Tag jetzt schon halb vorbei und ich gründlich vergrätzt bin, beschließe ich, mit Pepper (wer Pepper noch nicht kennt: Das ist unser neues Hundemädchen, welches mich zukünftig auch in der Finanzbildung begleiten wird) in den Wald zu gehen – an sinnvolles arbeiten ist sowieso nicht mehr zu denken.

Die Erkenntnis

Im Wald kann ich dann wenigstens wieder etwas runterfahren und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Oh Mann, so wie es mir mit dem blöden Staubsauger geht, so geht es unglaublich vielen Leuten mit ihren Finanzen! So wie ich einfach nur ein sauberes Haus will und es mir egal ist, welcher Staubsauger es sauber macht, so wollen die meisten Leute einfach nur eine ordentliche Rente, egal welche Mittel geeignet sind, ihnen diese Versorgung zu bescheren.
Es geht nicht um das Produkt – es geht immer nur um das Ergebnis.

Und genau, wie ich ich überhaupt keine Lust habe, einen Lehrgang in „Wie finde ich den richtigen Staubsauger(beutel)?“ zu absolvieren, so glauben viele, „Finanzbildung“ wäre ein Tiefenstudium in Staubsaugerkunde. Das ist natürlich Quatsch. Und es ist sehr schade. Und es hat ganz andere Konsequenzen.

Aber: Ich verstehe es. Es ist nicht jedermanns Sache, sich intensiv mit Rentenversicherungen, Fonds, Staatsanleihen und lauter solchen Sachen herumzuschlagen. Ehrlich gesagt, muss man das auch nicht.

Du musst nicht in die tiefsten Tiefen des Finanzprodukt-Universums eintauchen, um gute Geldentscheidungen zu treffen.
Es langt, wenn Du die wirklich wichtigen und richtigen Dinge weißt, nämlich, wie man grundsätzlich einen Haushalt nach seinen eigenen Vorstellungen sauberhält. Genau, wie wir alle wissen, dass auch ein Besen den Staub zusammenbringt und eine Kehrschaufel ihn entsorgt, es mit einem Staubsauger aber deutlich besser geht.

Dein Job als Finanzgebildeter ist es, zu wissen, wo Du im Leben hinwillst, wie Du das in (Geld-) Zahlen ausdrücken kannst und welche Mittel grundsätzlich für Dich geeignet sind. Dein Job ist es, zu wissen, dass es Staubsauger gibt, nicht, wie genau sie im Inneren funktionieren.

Natürlich kannst Du dann weitergehen:
Die Entscheidung, ob es ein beutel- oder ein beutelloser Staubsauger sein soll, ist auch noch ganz gut ohne Hilfe zu treffen, wenn Du die grundsätzlichen Vor- und Nachteile kennst.

Welcher beutellose Saubsauger es dann aber ganz genau sein soll, ist dann schon eine andere Hausnummer.
Ab hier musst Du Dich entscheiden, ob und wie tief Du Dich in die Materie einarbeiten willst (den Teufel werd ich tun!) oder Du fragst beim Fachhandel nach. (Meine Wahl, wenn es irgendwann doch einen neuen Staubsauger gibt. Die zwei Packungen halten ja jetzt mal ne Weile…).

Als Finanzgebildeter hast Du jederzeit die Wahl, noch tiefer einzusteigen oder eine Fachkraft zu engagieren. Du kannst so lange weitermachen, bis Du ein 4A nicht mehr übersiehst oder bis Du genau weißt, wie ein Swap funktioniert – aber es steckt kein Muss dahinter. Wissen musst Du nur, wie sauber Dein Haushalt sein soll. Wie wohl Du Dich darin fühlen willst. Welchen Preis (in Arbeit und in Geld) Du dafür zahlen willst, welche Hilfsmittel dafür in Frage kommen und wie das Endergebnis sein soll.
Und dann kannst Du gut entscheiden, ob und mit welchen Gerätschaften Du alleine putzt, Dir die Arbeit mit einer Putzhilfe teilst oder Dir eine/n Haushälter/in anschaffst.

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Vorsicht vor den Missionaren https://www.finanzbildung.jetzt/1-minuten-finanztipp-vorsicht-vor-den-missionaren/ https://www.finanzbildung.jetzt/1-minuten-finanztipp-vorsicht-vor-den-missionaren/#comments Wed, 28 Nov 2018 08:44:37 +0000 https://blog.geldwert-finanz.de/?p=8330 Jeder von uns kennt sie – und gelegentlich schlüpft wohl auch jeder von uns selbst mal in so eine Missionars-Rolle. Das ist ja an sich nicht tragisch – bedenklich wird es dann, wenn es um professionelle Missionare geht. Was meine ich mit Missionaren? Ein Missionar im religiösen Kontext ist ja jemand, der sehr intensiv seinen […]

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Jeder von uns kennt sie – und gelegentlich schlüpft wohl auch jeder von uns selbst mal in so eine Missionars-Rolle. Das ist ja an sich nicht tragisch – bedenklich wird es dann, wenn es um professionelle Missionare geht.

Was meine ich mit Missionaren?

Ein Missionar im religiösen Kontext ist ja jemand, der sehr intensiv seinen persönlichen Glauben verbreitet. Heute gibt es sie in allen Bereichen, egal ob es um Ernährung, Kindererziehung, Politik, oder sonst irgendein Thema geht, die Hauptsache ist, man ist von etwas masslos überzeugt und fühlt sich berufen, die gesamten Mitwelt von der erkannten Heilswirkung zu überzeugen.

Die Argumente sind immer zahlreich und kommen wie aus der Pistole geschossen, der Glaube ist absolut und lässt Nachfragen und Kritik nur soweit zu, wie es zum Präsentieren der eigenen Denke dienlich ist. Ihre Lösung gilt immer. Für Dich, für sie, für Inge, für Susi, für Fritz und für Michael … völlig egal, welches Alter, welcher Hintergrund und welche Umstände.

Allen Missionaren ist ein gewisser Militantismus (ja, ich weiß, korrekt heißt es eigentlich Militanz. Das passt mir aber gerade nicht in den Textaufbau.), schon fast Fanatismus eigen – und da halte ich es mit einem Sinnspruch meines Göttergatten: „Alle -ismen sind schlecht. Immer.“
Was im Privatleben nervig, aber ausblendbar ist, ist im professionellen Bereich mit Skepsis zu betrachten: Wer kennt nicht den ehemaligen Versicherungsverkäufer, der heute Goldsparpläne, Echtholzwälder und Windkrafträder vermittelt?

Professionelle Sachwert-Missionare

Gerade der Typ Verkäufer, der nach langem Engagement für die eine Produktsparte erkannt hat, dass diese Sparte dann doch nicht 100% richtig war, brennt besonders hell für seine neue Aufgabe.
Die Enttäuschung über den ehemals falschen Lebensweg gießt sehr viel Öl ins Feuer – und gerade die Wandlung vom Saulus zum Paulus macht sie so überzeugend: Das wie einen Glorienschein vor sich hergetragene Eingeständnis, jahrelang auf dem professionellern Holzweg gewesen zu sein, macht sie sympathisch. Immerhin sind sie vom Fach und sie haben sich weiter entwickelt, dazu gelernt – so jemand wird es ja wohl wissen, da muss ja was dran sein.
(Und hier weiß ich ziemlich genau, von was ich rede. Als ich mit der Honorarberatung angefangen habe, war ich auch ein Missionar. Allerdings kein sehr guter.)

Das momentane Trendthema vieler Missionare sind momentan „Sachwerte“ (dicht gefolgt von den Krypto-Missionaren). Aus allen Ecken dröhnt es: „Legt alles in Sachwerten an!“
Die Krise droht, wir stehen alle kurz vor dem Untergang und daher sollte man alles aus Banken und Versicherungen herausziehen und den Schotter unbedingt und NUR in Sachwerten (wahlweise auch Kryptos) anlegen. Weil, nur das ist „sicher“, „rentabel“, „nachhaltig“, „fair“, usw…!

Im Prinzip ist es die professionelle Kehrseite meiner Gummiband-Theorie (hier geht es zum -> Gummiband Beitrag ), und gerade von der etablierten Finanzwelt enttäuschte Anleger sind die idealen Jünger für Finanzmissionare – eine Kombination, die zwar passt wie das eine Puzzlestück zum anderen, aber sehr viel Schaden verursachen kann: Es gibt keine absolute Wahrheit und keine eierlegende Wollmilchsau. Niemals, nicht und unter keinen Umständen.

 

Aber was tun?

Vor allem eins: Lass dich nicht „kirre“ machen. Egal ob Verkäufer, Berater, Vertriebler – wer nur noch (s)eine Wahrheit sieht, ist unflexibel und damit für Dich kein wirklich guter Gesprächspartner und Ratgeber! Wenn du merkst, dass Dir ein -ismus gegenübersitzt, suche das Weite und lass ihn woanders missionieren.

Es gilt wie immer: Lernen, nachdenken und selbst entscheiden.

Herzlich grüßt

Anette

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Sei kein Gummiband! https://www.finanzbildung.jetzt/sei-kein-gummiband/ https://www.finanzbildung.jetzt/sei-kein-gummiband/#comments Wed, 21 Nov 2018 09:05:14 +0000 https://blog.geldwert-finanz.de/?p=8327 Ich glaube, es ist uns nicht naturgegeben, Kompromisse einzugehen. Wie so vieles, müssen wir diese Fähigkeit erlernen, denn sonst neigen wir zu extremen Reaktionen auf neue Erkenntnisse. Ich nenne das die Gummiband-Theorie. Was ich damit meine? Ein Gummiband ist man dann, wenn man sich erst gaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz weit in eine Richtung streckt, nur um danach „schwupps“ […]

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Ich glaube, es ist uns nicht naturgegeben, Kompromisse einzugehen. Wie so vieles, müssen wir diese Fähigkeit erlernen, denn sonst neigen wir zu extremen Reaktionen auf neue Erkenntnisse. Ich nenne das die Gummiband-Theorie.

Was ich damit meine?

Ein Gummiband ist man dann, wenn man sich erst gaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz weit in eine Richtung streckt, nur um danach „schwupps“ in die andere Richtung zu zischen. Das ist niemals förderlich, in keinem Lebensbereich – auch nicht (oder schon gar nicht?) im Finanzbereich.

Konkretes Beispiel:

Ich sehe oder höre ganz häufig, dass dem Otto-Normal-Finanzproduktkäufer nach einiger Zeit mal auffällt, wie teuer z. Bsp. seine Rentenversicherung ist. Huch?!
Ja, das ist ja eine Frechheit. Man wurde vera****t oder zumindest ausgenutzt. Im Kontext mit all den Informationen, die sonst so auf einen einprasseln (Medienartikel, Erfahrungsberichte von anderen Geschädigten, losgelöste Einzelfakten aus diversen Finanzblogs undundund…) ist die Entrüstung verständlicherweise riesig.
Also muss natürlich schnell gehandelt werden: Weg mit dem Schaden, diese Verbrecher bekommen keinen Cent mehr von mir!

Ergo kündigt man die Rentenversicherung auf Teufel komm raus. Und weil es jetzt ja neue Informationen in neuem Kontext gibt – packt man das nun vermeintlich „gesparte“ Geld dann zu 100% in einen ETF, denn das ist ja neuerdings das Maß aller Dinge.
Ich möchte Dich warnen: Genauso, wie Du offensichtlich vorher Deinem Versicherungsmakler (oder von wem Du die Versicherung eben gekauft hast) blind vertraut hast – vertraust Du jetzt eben blind auf ETFs.

Zack schnallt das Gummiband!

Das Problem ist eigentlich klar, aber nicht offensichtlich: Du bist in der Denke dann immer noch einseitig – nur jetzt eben aus der anderen Richtung.
Mal abgesehen davon, dass ein Portfolio diversifiziert sein sollte , muss man sich nämlich auch immer vor Augen halten dass es eben nicht so leicht zu sagen ist, ob und dass ein Finanzprodukt „teuer“ oder „sinnlos“ ist, denn woran willst Du es messen?

Jedes Finanzprodukt und jede Art von Finanzprodukten hat eine Bewandtnis und unterschiedliche Zwecke!

Nicht alle Rentenversicherungen sind Teufelszeug – man muss genau hinschauen. Du musst für Dich wissen, wo es langgehen soll, was die genauen Kriterien des Vertrages sind, wozu Dir der Vertrag dienlich sein könnte usw.
Einfach mal so zu kündigen, weil Du vermutest, dass es „teuer“ ist, macht Dich automatisch zum Gummiband. Denn genauso wenig sind alle ETFs sind „gut“ – jede Alternative hat ihre eigenen Haken.

Und hier liegt der Hund begraben: Fängst Du an, Gummiband zu spielen, wirst Du nie wirklich zufrieden sein.
Legst Du – wie im Beispiel – alles in ETFs an, kann es durchaus sein, dass die Enttäuschung nach ein paar Jahren auch hier groß ist. Und dann steht Du belämmert da und denkst Dir:
Super, erst sagen alle, ich soll eine Rentenversicherung machen. Dann bin ich schlau und lege alles in die hochgelobten ETFs  – und wenn ich jetzt so auf mein Geld schaue, ist da schon wieder nicht viel draus geworden. 🙁

Das Learning aus solchen Aktionen ist hart und sehr teuer. Durch solche Stretchingaktionen verbrennst Du meistens eine Menge Geld und noch schlimmer: Du verlierst Zeit. Und das alles nur, um Dir selbst zu beweisen, dass die Anlageform „kacke“ war …

Mach es bitte anders. Selbst wenn Du Dich grün und blau über eine ehemalige Geldentscheidung ärgerst: Bevor Du irgendetwas tust, halte inne und schütze Dich selbst vor Überreaktionen jeglicher Art. Mach Dich erst wirklich finanzfit. Warte dann noch einen Monat und überprüfe, ob Du wirklich finanzfit bist. Und dann erst triff eine Entscheidung.

 

Wie immer gilt:

  1. Prüfe genau! Wähle erst dann!
  2. Es ist Deine Entscheidung! Was für jemand anderen funktioniert und stimmig ist, muss nicht automatisch auch für dich gut und richtig sein!

Sei also kein Gummiband – Du schadest nur Dir selbst damit.

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1-Minuten-Finanztipp: Ausschüttende ETF’s https://www.finanzbildung.jetzt/ausschuettende-etfs/ https://www.finanzbildung.jetzt/ausschuettende-etfs/#comments Fri, 26 Oct 2018 06:07:58 +0000 https://blog.geldwert-finanz.de/?p=8271 Wie ist das denn mit der Auszahlung, wenn ich ausschüttende ETF’s kaufe? Diese Frage stellt sich gerade dann, wenn man das erste mal einen ausschüttenden ETF kauft. Erhält man dann eigentlich die ganze Ausschüttung, egal wann man den ETF gekauft hat? Die Antwort darauf ist ganz einfach: Ja. Selbst wenn Du den Fonds erst einen […]

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Wie ist das denn mit der Auszahlung, wenn ich ausschüttende ETF’s kaufe?

Diese Frage stellt sich gerade dann, wenn man das erste mal einen ausschüttenden ETF kauft. Erhält man dann eigentlich die ganze Ausschüttung, egal wann man den ETF gekauft hat?

Die Antwort darauf ist ganz einfach: Ja. Selbst wenn Du den Fonds erst einen Tag vor der Ausschüttung kaufst.

Das mag etwas kontraintuitiv daherkommen und funktioniert anders als bei Anleihen. (Bei Zinspapieren musst du den Vorbesitzer praktisch „ausbezahlen“. Tatsächlich erstattest du ihm seine Zinsen bis zum Kaufzeitpunkt, denn schließlich war es sein Geld, welches vorher gearbeitet hat.).

 

Genau wie bei einer Einzelaktie

Sobald du die Ausschüttung aus Deinem ETF erhältst, mindert sich der Wert des selbigen genau um diesen Wert. Daher kann dir auch alles ausbezahlt werden. Die Verfahrensweise ist genau die gleiche, als wenn Du eine Einzelaktie kaufst und hier die Dividende ausgeschüttet wird: Der Kurs der Aktie (wie beim Fonds) fällt um genau die gleiche Summe, wie Du sie am nächsten morgen auf Deinem Verrechnungskonto vorfindest.

Gar nicht so schwer oder?

Ich hoffe das hat dir etwas geholfen deinen ausschüttenden ETF etwas besser zu verstehen, falls nicht, schreibe doch einfach weitere Fragen in die Kommentare und lass uns das gemeinsam hier erörtern.

Ich freue mich von dir zu lesen / hören und wünsche dir einen tollen Tag.

Deine Anette

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Der Fisch stinkt von allen Seiten https://www.finanzbildung.jetzt/der-fisch-stinkt-von-allen-seiten/ https://www.finanzbildung.jetzt/der-fisch-stinkt-von-allen-seiten/#respond Tue, 23 Oct 2018 14:48:15 +0000 https://blog.geldwert-finanz.de/?p=8243 Heute muss ich mich mal empören: Der Bogen geht vom ganz Großen zurück zum ganz Kleinen und am Ende beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz. Der verdammt schmale Grat zwischen Kavaliersdelikt und Betrug Ob Stammtisch oder Tagesthemen, jeden Abend dürfen wir uns darüber aufregen, dass irgendwer sich wider die Allgemeinheit versündigt hat: Ob […]

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Heute muss ich mich mal empören: Der Bogen geht vom ganz Großen zurück zum ganz Kleinen und am Ende beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz.

Der verdammt schmale Grat zwischen Kavaliersdelikt und Betrug

Ob Stammtisch oder Tagesthemen, jeden Abend dürfen wir uns darüber aufregen, dass irgendwer sich wider die Allgemeinheit versündigt hat: Ob VW oder die Banken, irgendwer macht sich immer auf Kosten der Allgemeinheit die Säcke voll.

Nur weil „etwas geht“, ist es doch noch lange nicht in Ordnung, nicht wahr?!

Ein gutes Beispiel ist das Wiederhochkochen und die weitere Recherche zu dem großangelegten Steuerbetrug der Banken, die mittels schneller Hin- und Herschieberei von Kundenaktien eine mehrmalige Erstattungsfähigkeit von Abgeltungssteuern vorgespiegelt haben – das Ganze nur deswegen legal, weil vorher noch niemandem aufgefallen war, dass es illegal sein muss.

Ohne Dir die ganze Sachlage genau auseinanderlegen zu wollen (ein guter Artikel dazu findet sich im Manager Magazin: https://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/dividendenstripping-schaden-in-deutschland-bis-zu-32-milliarden-euro-a-1233932.html) ging es hier im Kern eigentlich nur darum, dass Banken die Steuerbescheinigung für eine einmalig gezahlte Abgeltungssteuer de facto mehrmals ausgestellt haben.
Diese Steuerbescheinigungen wurden natürlich von den verschiedenen Profiteuren der Aktion geltend gemacht und führten zu einer jeweiligen Erstattung der nur einmal gezahlten Steuer: Aus 1 mach 5.
Wundersame Geldvermehrung auf die ganz elegante und bequeme Art. Schick.

So zusammengefasst liest sich das doch als ganz klarer Steuerbetrug, nicht wahr? Keine Frage, unser Rechtsempfinden schlägt Alarm.

Hier kommt die Katze – und der Schwanz:

  1. Wieso ist das den Behörden eigentlich so lange nicht aufgefallen?
    … weil es nicht denkbar war. Damit Dir sowas auffällt, musst Du es ja überhaupt mal denken können. (Es braucht also gewisse antizipatorische Fahigkeiten und eigene Kreativität – das ist wohl nicht die typischste Eigenschaft für einen normalen Finanzamtsmitarbeiter.) Im Universum der denkbaren Möglichkeiten war ein solches Vorgehen für die Steuerbehörden also nicht vorhanden und somit war jedes einzeln betrachtete Geschäft in sich gültig und legal.
    Wenn Du nicht nach etwas suchst, wirst Du es auch nicht finden.
  2.  Wieso gibt/gab es kein Gesetz gegen sowas?
    … aus dem gleichen Grund wie oben. Auch der Gesetzgeber kann nicht vorwegnehmen, was noch nicht erdacht ist.
    Hier haben wir ein riesiges Dilemma: Derweil der Gesetzgeber als Institution immer vom Guten im Menschen ausgeht und erst verbietet, das Kind in den Brunnen zu werfen, wenn es schon drinliegt, sehen Bürger und juristische Personen alles als legal an, solange es nicht explizit als illegal eingestuft ist.
  3. Wie kommt man als Anleger auf die Idee, auf sowas einzusteigen?
    Ich wundere mich nicht darüber, dass Anleger das Spiel begeistert mitgemacht haben – sobald die Gier das Hirn frisst, geht bei den meisten der innere moralische Kompaß (wenn überhaupt vorhanden) über Bord. Die eigene Jacke ist eben näher an einem dran wie die Hose der Allgemeinheit – falls überhaupt das Bewusstsein vorhanden ist, dass man hier etwas Unrechtes tut.
    Steuerhinterziehung war so lange ein Kavaliersdelikt und ein Volkssport, dass das Umdenken für viele (vor allem in der Geschäftmännergeneration der Nachkriegszeit, siehe Herr Hoeness) wirklich ganz schwierig ist.

    Wir sind es anscheinend nicht mehr (oder noch nicht?) gewohnt, selbst auf die Idee zu kommen, dass es nicht in Ordnung ist, mehrmals für die ein und die selbe Sache zu kassieren. Eine Folge des überbordenden Kapitalismus? Charakterfehler? Beides!

  4. Wie kommt man als Bank auf die Idee, sich sowas auszudenken?
    Wenn schon nicht an die einzelnen gierigen Anleger, dann aber doch an die Banken müsste die Gesellschaft aber doch einen Mindestanspruch an – tja, wie heißt das Wort, welches ich suche? – Anständigkeit? Moral?  ach, Ihrwisstschonwasichmeine – stellen können.
    Immerhin sind sie im Zweifel doch systemrelevant, ein wichtiger Träger unseres gesamtvolkswirtschaftlichen Gelingens.
    Stattdessen frönen sie mit Begeisterung ihrer Doppelmoral, die von der Allgemeinheit fordert, geschützt zu werden, aber
    kein Unrechtsempfinden hat, wenn es darum geht, die gleiche Allgemeinheit aufs Kreuz zu legen.
    Übrigens: Die Banken werden geführt von genau denselben Leuten (und deren Zöglingen), denen sie solche Geschäfte verkaufen.

Falls Du jetzt übrigens glaubst, dieser große Mist, der da gerade aufgedeckt wird, wäre ein Einzelfall oder könne heute nicht mehr vorkommen, muss ich dich enttäuschen.
Jeden Tag laufen solch halbseidenen Geschäfte und Schiebereien – ich habe mittlerweile die Hoffnung (fast) ganz aufgegeben, dass „die Banken“ als Gesamtheit in der Lage sein werden, sich diesbezüglich zum Besseren (oder zum Alten?) wenden.

Wenn „die“ das können, kann ich das auch!

Die logische Folge, wenn wir uns ausgenutzt, ohnmächtig und geprellt fühlen, ist klar: Wenn „die da oben“ sich nicht an die Regeln halten müssen, warum sollten wir es dann tun?

Wie viele Hinzes und Kunzes sind der Meinung, Kleinigkeiten wie eine Versicherungsschumserei  (Setz` Du Dich auf meine Brille, setz` ich mich auf Deine!), wären ein Kavaliersdelikt.
Wie viele denken, bei der Steuererklärung hier ein bisschen zu Schönen und da ein bisschen Schlechtzurechnen wäre ja wohl noch keine Hinterziehung. (Sollen die doch erst mal nach den Großen gucken, bevor sie mich bestrafen!)
Und ein bisschen Schwarzarbeit – ja, jetzt mal im Ernst, wie soll sich denn sonst ein kleiner Angestellter ein eigenes Haus bauen und wie sonst ein Handwerker seine Kinder zum studieren schicken?
Und so… wird man genau zu dem, was man verachtet. Viel kleiner und unbemerkt, aber doch.

Am Ende beschweren wir uns dann wieder alle miteinander, dass die Versicherungen immer teurer werden. Dass das Finanzamt immer pingeliger und die Steuerlast immer höher wird.  Und die offziellen Handwerkerleistungen fast unbezahlbar sind, ganz davon zu schweigen, wie schwach die Renten- und Sozialkassen auf der Brust sind.
Darf ich vorstellen: Katze – Schwanz, Schwanz – Katze.

Vielleicht hat uns der Kapitalismus dazu gemacht, vielleicht ist „der Mensch an sich“ einfach so gestrickt – darüber machen sich bestimmt die Wirtschaftsphilosphen ihre Gedanken. Ich verurteile nicht (bin ja schließich kein Finanzamt und natürlich gehören die meisten kleinen Kirchen auch in ein kleines Dorf), aber ich stelle fest: Genau genommen gibt keine Kavaliersdelikte. Es gibt nur großen Betrug und kleinen Betrug.

Wie denkst Du darüber? Fällt Dir ein, wo man da ansetzen könnte?

 

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