Das Schlaglicht am Mittwoch*: Welche ETF empfiehlst Du momentan?

Mittlerweile gibt es über 4000 ETF am Markt und wenn man sich das Angebot anschaut, wird klar: Es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Wie so oft im Produktuniversum der Finanzindustrie macht das die Auswahl genauso schwierig, als suche man nach „der Bank“, nach „der Versicherung“ oder nach „dem Tagesgeld“.

Bei ETF geht es um den Index, nicht um das Produkt selbst

ETF sind eine Untergattung von Investmentfonds, es geht also auch hier darum, von vielen Menschen Geld einzusammeln und es im großen Stil gemäß einer vorher festgelegten Aufteilung zu investieren. Dieser Aufteilungsplan, die Idee hinter dem Fonds, nenne ich Story – denn sie erzählt tatsächlich die Geschichte, mit der der Produktgeber (als die Fondsgesellschaft) für den Anleger Geld zu verdienen gedenkt.
Die große Bonderheit bei ETF in ihrer Grundform ist allerdings, dass sich die Fondsgesellschaft die Story nicht selbst ausdenkt, sondern sie abkupfert – und zwar von den Indizes. Indizes (Plural von Index) wurden ursprünglich von den Börsen aufgelegt, für uns ist der DAX das bekannteste Beispiel.

Die Story vom Dax

Um den Zustand der deutschen Wirtschaft in einer Zahl zusammenzufassen und meßbar zu machen, dachte sich die deutsche Börse in den 80iger Jahren: Es geht uns als Volkswirtschaft insgesamt genauso gut (oder schlecht), wie es der Crème de la Crème unserer Aktiengesellschaften geht – also lass uns doch die 30 größten und umsatzstärksten Unternehmen gemäß ihres Marktanteils in einen Topf werfen und daraus einen Durchschnittswert berechnen. Steigt dieser Wert, so geht also es unserer Privatwirtschaft insgesamt gut (auch wenn vielleicht ein einzelner Wert von den 30 gerade furchtbar in den Miesen steht), fällt er, so ist der Markt insgesamt eingebrochen, rückläufig, gecrasht oder ähnliches. Der Dax bildet also den deutschen Markt ab.

Niemand schlägt auf Dauer den Markt

Mittlerweile ist es eine wissenschaftlich fundierte Erkenntnis, dass kein Anlagespezialist der Welt auf Dauer bessere Ergebnisse damit erzielt, einzelne Aktien aus einem Markt herauszupicken und nur diese zu handeln, als wenn er einfach den kompletten Markt kauft. Auf den Dax übertragen heißt das: Kauft ein Anleger nur 10 Aktien aus dem Dax, die er für besonders toll hält, so wird er auf längere Sicht damit nicht mehr Gewinn erwirtschaften, als hätte er gleich alle 30 (in der gegebenen Verteilung) gekauft.
Die logische Konsequenz der Fondsindustrie ist: „Hey, wenn wir eh nicht besser als die Gesamtheit sein können, dann können wir uns die Arbeit auch sparen, uns die einzelenen Titel rauszusuchen und zu managen. Dann kaufen wir einfach den ganzen Markt und lassen die Börse (oder einen anderen Indexgeber) den Job machen“ – die Index-ETF waren geboren.
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Warum es gefährlich ist, Märkte momentan zu kaufen

Die Frage nachFotolia_37547794_XS einer momentanen Kaufemepfehlung für einen ETF ist also eigentlich die Frage danach, welchen Markt ich im Augenblick für am aussichtsreichsten halte. Ich könnte Dir jetzt sagen, dass ich Wasser-ETF´s klasse finde, den Markt für 3-D-Drucker unglaublich spannend und Energietechnologie zwingend zukunftsweisend – aber damit tust Du Dir keinen Gefallen. Wenn Du ausschnittsweise Märkte kaufst, so kaufst Du ohne Strategie, ohne Ziel und ohne Richtung: Die Wahrscheinlichkeit, dass Du damit auf die Nase fällst ist ziemlich hoch.

Innerhalb einer soliden und durchdachten Strategie wiederum gibt es keine momentanen Kaufempfehlungen:
Es ist im Grunde vollkommen wurscht, ob Du einen DAX-ETF von db-x Trackers (Deutsche Bank), von comstage (Commerzbank), deka (Sparkasse) oder i-Shares (Black Rock) kaufst: Sie bilden alle genau die gleiche Story ab und unterscheiden sich nur marginal in Kosten, Ausschüttung, Replikation, Versteuerung und anderen Kleinigkeiten, die am Ende die Auswahl entscheiden.
Wenn Du allerdings dazu bereit bist, zu spekulieren anstatt anzulegen, stellt sich die Frage: Wozu in einen ganzen Markt investieren? Entweder bist Du dann in Einzeltiteln renditeträchtiger aufgehoben oder Du musst Dich in das ETF-Universum massiv einarbeiten. Denn natürlich gibt es auch für diesen Fall zwischenzeitlich neu entwickelte ETF-Produkte (selbstverständlich. Wo Geld zu verdienen ist, wird die Finanzindustrie immer Wege finden.) – aber das sind keine Produkte, für die ich Dir guten Gewissens eine öffentliche Empfehlung aussprechen würde: Sie laufen dem Grundgedanken „Halte es einfach und strategisch!“ massiv zuwider.

Mein Fazit:

Mach es Dir nicht so schwer. Punktuell und momentan in einen einzelnen Markt zu investieren ist entweder Spekulation oder Feigheit, die Du auch mit einer Tagesgeldanlage oder einer Staatsanleihe befriedigen kannst. Die Frage nach „dem richtigen ETF“ stellt sich erst, wenn Du eine solide und für Dich passende Anlagestrategie entwickelt/gefunden hast. Steht diese Strategie – ist es also klar, in welcher Aufteilung Du in welche Märkte investieren willst – so ist die Auswahl des einzelnen ETF keine allzugroße Herausforderung mehr.

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