Einer meiner Lieblingssprüche und unser Firmenmotto diesen Jahres ist „Wer will, der kann!“.
Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass diese Aussage wahr ist, egal ob es um die eigenen privaten Finanzen, das Unternehmertum an sich oder auch das Generieren des vielgerühmten passiven Einkommens geht.

Passives Einkommen/ automatisierte Kundenakquise ist heutzutage für jeden Einzelkämpfer ein –  wenn nicht das –  Ziel, dass es zu erreichen gilt.
Warum ist das denn so?
Wer nicht im produzierenden Gewerbe angesiedelt ist, stellt nach einiger Zeit der Selbständigkeit fest, dass er zwar mit seiner Dienstleistung wohl gerade über die Runden kommt – aber sicher nicht reich wird.

Die berühmte Zeit gegen Geld-Falle schnappt gnadenlos zu:

Wer in der Woche 60 Arbeitsstunden zur Verfügung hat, kann davon mit viel Glück die Hälfte tatsächlich mit Geldverdienen (also Kundenberatung, Grafiken erstellen, Coachen, Training, wasauchimmer Deine Dienstleistung ist) verbringen. Der Rest der Zeit geht für Akquise, Buchhaltung, Marketing, Kundenpflege, Schreibtisch aufräumen, Dokumentieren, neue Ideen ausarbeiten, Nacharbeiten, Gedanken machen usw. drauf.
Übrigens: Du hast dann noch keinen Urlaub gemacht, bist nicht krank gewesen, hast Dich nicht fortgebildet und noch nicht die Früchte dessen gekostet, was es heißt, selbständig zu sein (da darf man nämlich auch mal einfach so einen Tag in der Therme verbringen. Oder Mittagessen gehen. Oder keine Lust haben.)
Da Du Deine Preiskalkulation wahrscheinlich nicht so ausgerichtet hast, dass Du mit den 30 Stunden „Arbeit am Mann“ das Dir bekömmliche Auskommen erzielen kannst (und weil Du mittlerweile verstanden hast, dass 5.000,- €uro Monatsumsatz als Selbständiger/Freiberufler/Unternehmer keineswegs ein gutes Einkommen ist!) wird Dir relativ schnell klar, dass sich da dringend etwas ändern muß.

Du hast Möglichkeiten:
– Deinen Preis richtig kalkulieren und ihn anheben. Und auf die richtige Art und Weise anheben.
Wenn Du das tust, solltest Du Dir sicher sein, Deinen Nutzen klar dargestellt zu haben. Du musst in den Augen der Kunden Dein Geld wert sein.
– Deine Arbeitszeit „am Mann“ anheben.  Eine 80 Stunden-Woche ist sicherlich das, Entdecke die Möglichkeitenwovon Du geträumt hast…. Burnout und schlechte Arbeitsleistung sind vorprogrammiert.
– Deine Kosten senken. Prinzipiell immer eine gute Idee – fang aber bloß nicht am am falschen Ende – zum Beispiel bei deiner Altersversorgung  – an!
– Deine Erwartungen den Gegebenheiten anpassen. Dann bist Du zwar kein Unternehmer, aber ein Lebenskünstler. Wer sagt, dass das ein schlechte Idee ist?
– Dein Geschäft(smodell) grundsätzlich überdenken. Das tut weh, denn davor steht die Erkenntnis, dass  Du 1. auf dem Holzweg warst und es 2. so nicht schaffen wirst.
– Passives Einkommen/Passive Akquise.
Die eierlegende Wollmilchsau des kleinen Unternehmertums: Viele, viele, viele Kunden bei möglichst wenig Zeitaufwand. Gelebtes Minimaxprinzip*: Mit möglichst wenig Einsatz möglichst viel Ertrag generieren.

Ist passives Einkommen die große Utopie des kleinen Unternehmers? Klick um zu Tweeten

Wenn ich mir diese Möglichkeiten so anschaue, erscheint auch mir das passive Einkommen natürlich am Attraktivsten, klar. Und Kunden, die von sich aus Schlange stehen, weil sie nach dem einmaligen Drücken auf meine Emailliste gar nicht mehr umhin können, meine Leistung zu kaufen (und wenn auch nur, damit ich aufhöre, sie mit Emails zu bombardieren), sind auch toll.
Also schaue ich mir die Angebote, wie passives Einkommen zu generieren ist, selbstverständlich an.

Der einfachste Weg, passiv Geld zu verdienen ist Affiliate (oder Du verkaufst gleich Deine Seele ans MLM): Du machst Werbung für ein Produkt, das jemand anderes produziert hat und bekommst dafür Provision. Leicht verdientes Geld. Dort wo es passt, eine super Idee.
Rechnet sich aber erst, wenn Dich viele, viele, viele Leute kennen und Deinen Empfehlungen folgen. Bist Du nicht sonderlich bekannt und/oder hast keine geschickte Auswahl Deiner Vendoren, versaust Du Dir nur den Ruf.

Auch ein automatisiertes Bildungsprogramm ist toll.
Wenn es denn tatsächlich Deine Kernkompetenz berührt und funktioniert. Davon kann ich ein gesondertes Liedchen singen – und ich kann Dir versichern, dass es lange nicht so einfach ist, wie es von außen aussieht. (Die zweite, geführte Coaching-Version meiner Finanzbildung online kommt im März auf den Markt. Die Erste ist ein wunderbarer Selbstlernkurs, der alles hat, was man braucht, um nicht von standardisierter Finanzberatung abhängig zu sein – ist aber umsatztechnisch ein ziemlicher Flop.)

Dann gibt es noch automatisierte Webinare mit kombinierten Emailmarketing – der perfekte Verkaufsfunnel! (Nein, das ist kein Schreibfehler, es heißt tatsächlich „Funnel“.) Ein Selbstläufer.
Wenn, ja wenn: Du Deine Inhalte auf Nagelstudio-Niveau herunterbrechen kannst und Du bereit bist, hartnäckig und konsequent zu nerven. Ich kenne nämlich wenige, die das richtig gut machen, ohne platt oder nervig zu sein. Klasse ist z. Bsp. ist Katharina Lewald – aber sie ist ja auch hauptberufliche Social-Media-Expertin.

Geld verdienen nur die Anderen...Überhaupt habe ich den Eindruck, dass nur solche Programme funktionieren, die wiederum lehren, wie Du passives Einkommen generieren kannst oder leicht Kunden gewinnst: Wie Du mit Deinem Blog Geld verdienst, wie Du mit Email-Marketing Masse anziehst, wie Du Video-Marketing sinnvoll einsetzt, wie Du Dich sichtbar machst. Das sind gute Programme, keine Frage – aber ich würde gerne mal ein Programm kennenlernen, das richtig Geld verdient und sich mit einer Kernkompetenz beschäftigt, die nichts mit dem Themenkomplex „Geld verdienen im Internet“ zu tun hat.

Gut, ich gebe zu, ich schaue natürlich hauptsächlich in meinem Metier – und das ist bekanntermaßen eher hinterhott. Als einziges fällt mir vielleicht Holger Grethe ein (der sich auch mit Markus Cerenak, einem absoluten Themenkomplexprofi zusammengetan hat). Und es gibt einige ziemlich erfolgreiche Blogs, wie der Finanzwesir oder der Bankblog, die sich anscheinend auch recht gut rechnen.

Wo ist Dein Fokus?

Wenn Du also mit Bloggen Geld verdienen willst, so ist deren Vorgehensweise wahrscheinlich der richtige Weg. Dann machst Du aber das. Und nur das.
Schreiben. Videos drehen. Dich mit SEO und Google rumschlagen. Adwords bezahlen. Und nochmal schreiben.
Denn 2 Blogartikel die Woche müssen schon sein. Ein Newsletter alle 2 Wochen ist auch klar. Und immer schön an die Keywords denken. Und an Dein Zielpublikum.

Willst Du das?

Wenn Du wie ich zu den Menschen gehörst, die sich die Schreiberei nicht aus dem Ärmel schütteln können (oh – dafür gibt es auch richtig gute Programme, zum Beispiel Gitte Härtner oder der Texterclub), ist das richtig Arbeit.
Und zwar so viel Arbeit, dass Du Deine richtige Arbeit nicht mehr machen kannst.

Evelyn Kuttig hat mir mit ihrem Blogartikel „Das Blog vernachlässigen… schrittweise Entwicklung mit Intiution“ aus der Seele gesprochen: nach unzähligen Stunden der Beschäftigung mit der Materie und dem ganzen Rattenschwanz, der da dranhängt, wissen wir genau, wie es geht.

Und doch: So geht es nicht. Jedenfalls nicht mit uns.

Ich habe entschieden, kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn ich Evelyns Puzzle-Strategie lebe. Denn wenn ich täte, was ich müsste, könnte ich nicht mehr tun, was ich wollte.
Wie viel ich schreibe – und über was – muss mir entsprechen. Nur dann bin ich gut. Nur dann bin ich authentisch.

Öfter mal die Klappe halten? Ich kann nur schreiben, wenn ich was zu sagen habe. Klick um zu Tweeten
  1. Ich kann nur schreiben, wenn ich was zu sagen habe.
    Sonst gibt es Schreibblockaden. Oder schlechte Artikel.
  2. Zwei Blogartikel (plus Newsletter, Postings usw.) die Woche sind utopisch, will ich auch noch den Rest meiner Arbeit machen. Außerdem bin ich keine Plaudertasche, siehe Nr. 1.
  3. E-Mail-Marketing hört sich toll an, scheint irgendwie effektiv zu sein.
    Mich nervt es aber, jeden zweiten Tag von den selben Personen mit den gleichen Themen angeschrieben zu werden. (Auch wenn ich die Personen und Themen schätze, sonst hätte ich mich ja nicht eingetragen. Aber irgendwann ist ja mal gut.) Ich mache doch nichts, was ich eigentlich selber doof finde….
    Außerdem: siehe Punkt 1 und 2
  4. Google ist nicht mein Freund.
    Ich habe keine Zeit, mich so damit zu beschäftigen, dass es effektiv für mich wäre. Außerdem sind mir die Verfahrensweisen unsympathisch. Daraus folgt:
  5. SEO, Keywords und co.
    Um effektiv gerankt zu werden, müsste ich also jeden 3ten Tag einen Artikel (und vergiß die Newsletter nicht!) mit Worten wie „Vermögensaufbau“, „Bildung“, „Coaching“, „Geldanlage“ usw. schreiben.
    Ich liebe meine Themen. Wirklich.
    Und doch habe ich keine Lust, gebetsmühlenartig die ein und selben Worter zu schreiben und die ein und selben Themen zu besprechen.
    Umso öfter man das macht, umso sinnentleerter wird es. Wie ein Wort, bei dem Du Dir nicht sicher bist, wie es geschrieben wird: Schreibst Du es in allen möglichen Versionen, weißt Du irgendwann selbst nicht mehr, was es bedeutet.
    Womit ich wieder bei Punkt 1 rauskomme.

Wenn ich also mir selbst treu bleiben will und meinen Kernkompetenzen nah, so bleibt mir nichts anderes übrig, als mir durch die Vielseitigkeit meiner Themen – und der daraus folgenden virtuell- unternehmerischen Unprofessionalität – die Freude am Schreiben zu erhalten.

Stift- & Schriftserie: Ich muss nicht, ich kann! rotFalls Ihr Euch auch gerade in diesem virtuellen Hamsterrad die Hacken wundlauft, so habe ich einen Rat für Euch: Nehmt den Druck raus.

Entscheide Dich in Ruhe dafür, zu nehmen, was Deinem Wesen und Deiner Arbeit entspricht und lass alles andere (vorerst) links liegen. Zum Sichtbarmachen im Netz ist jeder mit Herzblut geschriebene Artikel gut.
Es dauert vielleicht deutlich länger, Dir eine treue Leserschaft aufzubauen, wenn Du nur alle 2 Monate einen Newsletter schreibst und nur einmal im Monat einen Blogartikel. Aber es erhält Dir die Leichtigkeit und nimmt den Krampf raus. Fokussiere Dich auf das, was Du wirklich tun, womit Du wirklich Geld verdienen willst.

Das virtuelle Unternehmertum ist ein zusätzlicher Weg, den Du gehen kannst wenn Deine Ressourcen es hergeben – es darf aber nicht die Einbahnstraße sein, die Du gehen musst, weil Du sonst keine andere Chance hast.

 

Passende Lese- und Hörempfehlungen, die ich Dir sehr ans Herz lege:
–> Marit Alke: Mythos passives Einkommen: Warum Du Dich zu Beginn besser darauf konzentrierst, Dein Business skalierbar zu machen.
Außerdem das aus diesem Artikel entstandene Podcast-Interview von ihr mit mir: –> Coachingprodukte entwickeln: Von wegen passives Einkommen!

–> Healthy habits: Was es (wirklich) bedeutet im Internet sein eigenes Ding zu machen

–> Christin Domin: Wenn das Krönchen rostet – „Wenn man nichts zu sagen hat, einfach mal Fresse halten.“

 

* Die beiden ökonomischen Grundprinzipien der Betriebswirtschaftslehre besagen, dass man entweder mit dem geringstmöglichen Einsatz einen vorher festgelegten Ertrag erzielen (Minimalprinzip) oder mit den gegebenen Mitteln den größtmöglichen Ertrag erzielen (Maximalprinzip) kann.
Eine Vermischung dieser beiden Beziehungen zum Minimaxprinzip führt zu unternehmerischem Selbstmord.