Falls Du jetzt denkst: „Anette, das klingt egoistisch.“, so lies bitte bis zur nächsten Überschrift, bevor Du Deinem Impuls, weiter zu klicken, nachgibst.
Denn, nein, Selbstfürsorge zur rechten Zeit ist das Gegenteil von Egoismus.
Vor allem wir Frauen haben den Instinkt, zurück zu stecken, wenn wir ein Kind bekommen: beruflich, persönlich und finanziell. Wir übernehmen größtenteils die Care-Arbeit, gehen dafür in Teilzeit (oder bleiben gar 3 Jahre ganz zu Hause). Spätestens zur Taufe ploppt die Frage auf: „Welcher ETF ist der beste für das Kinderdepot?“ und „Ab wann kann man eine BU oder eine Rentenversicherung für den Sprössling abschließen – und wäre ein Bausparvertrag vielleicht schon eine gute Idee?“
Aber weder das hübscheste Kinderdepot der Welt, noch der beste Sparvertrag bringt deinem Kind so viel, wie eine solide Altersversorgung für DICH! Warum?
Denk mal 25 – 30 Jahre weiter: Du bist zwischen 65 und 70, Dein Kind zwischen 25 und 30. Dank Deiner Für- und Vorsorge ist Dein Kind gut ausgebildet, verdient gerade sein erstes gutes Geld und ist auf dem Sprung, sich ein eigenes Leben (vielleicht mit eigenen Kindern) und Vermögen aufzubauen.
Und jetzt kommst Du. Kurz vor oder frisch in Rente. Und Du – da Du ja all Dein Geld in Dein Kind gesteckt hast – stehst da mit Deiner gesetzlichen Rente, vielleicht noch einer kleinen betrieblichen Altersversorgung und einer kleiner Riesterrente oder schwach bestückten (und alles unter 100.000,- ist schwach bestückt, glaub mir!) Altersvorsorgedepot.
Genau in der Zeit, in der Dein Kind sich eigentlich um sich kümmern sollte und sich selbst etwas aufbauen will, muss es sich stattdessen Gedanken darüber machen, wie es früher oder später Deine Miete, Deine Pflege oder Deinen Lebensunterhalt mitfinanziert. Mit allen Unwägbarkeiten, die da drin stecken…
Deine Sauerstoffmaske kommt zuerst!
Du kennst die Ansage, die Du vor jedem Flug hörst: „Setzen Sie sich zuerst selbst die Sauerstoffmaske auf, bevor Sie anderen helfen.“
Wir nicken alle brav. Und kommt es dann zum Ernstfall, so wette ich darauf, dass wir aktiv dagegen ankämpfen müssen (und das die Hälfte von uns den Kampf verliert), doch zuerst dem Kind oder gar dem/der Partner:in mit der Maske zu helfen.
Ich verstehe das, ich habe selbst zwei Kinder (nun ja, jetzt sind sie groß. Das ändert aber wenig.). Ich kenne den Drang, das Beste für den eigenen Nachwuchs zu wollen – sofort, am liebsten gestern. Und am besten so, dass ihnen ihr ganzes Leben lang überhaupt nichts (finanziell) Schlimmes passieren kann. Aber gerade wenn Du das willst, ist es viel wichtiger, zuerst für DICH zu sorgen, bevor Du Deine ganze finanzielle Kraft in Deine Kinder steckst.
Denn: Familienvermögen baut man nicht von unten nach oben auf. Es beginnt immer bei der finanziellen Stabilität der Mutter (und des Vaters). Das ist keine Meinung, das ist Mathematik.
Wenn Du jetzt 42, 45 oder 48 bist, hast Du noch 20 bis 25 Jahre bis zur Rente. Das klingt nach viel. Ist es aber nicht – zumindest nicht, wenn Du nicht bereits vermögend oder entsprechend abgesichert bist.
Und der Kanzler hat es gerade erst laut ausgesprochen (endlich. Ich kann ihn zwar nicht leiden, aber damit hat er absolut recht.): Die gesetzliche Rente wird (ist eigentlich schon lange) nur noch eine Basisabsicherung sein. Wer auf den Staat hofft – oder auf den Partner –, zahlt am Ende den höchsten Preis.
Hier sind die drei Dinge, die Du jetzt konkret, angehen kannst:
1. Schau Deiner Rentenlücke ins Gesicht
Ich weiß, das ist unangenehm. Viele meiner Kund:innen haben das jahrelang vor sich hergeschoben. Aber: Du kannst eine Lücke nur schließen, wenn Du weißt, wie groß sie ist. Hol Dir Deine aktuelle Renteninfo raus und rechne nach, was Dir fehlt. Ja, jetzt. Nicht nächste Woche. (Sehr hilfreich dabei -> https://www.amazon.de/Geld-Gloria-Roulette-Pflichtlekt%C3%BCre-Altersvorsorge/dp/3947738404)
2. Deine Altersvorsorge darf nicht pausieren – auch nicht wegen der Kinder
Gerade jenseits der 40 ist jedes Jahr, das Du investierst, Gold wert. Der Zinseszinseffekt arbeitet für Dich – aber nur, wenn Du ihm die Chance gibst. Auch mit einem überschaubaren monatlichen Betrag kannst Du noch Erhebliches aufbauen. Wichtig: Es muss zu Dir passen. Zu Deiner Lebenssituation, Deinem Risikoprofil, Deinen Zielen. Kein Schema F, kein Einheitsprodukt.
3. Dann – und erst dann! – das Kinderdepot
Wenn Deine eigene Basis steht, ist es wunderschön, auch für den Nachwuchs etwas aufzubauen. Denn nur dann ist es ein echtes Geschenk – und keine Kompensation für eine eigene Versorgungslücke.
Ich erlebe in meiner Beratung immer wieder Frauen, die mir sagen: „Ich hab doch noch Zeit.“ Oder: „Mein Mann kümmert sich darum.“ Oder: „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.“
Das alles verstehe ich. Aber ich sage Dir auch klar: Die Zeit läuft. Und sie läuft schneller, als Du denkst.
Du brauchst kein x-tes Sparbuch für Dein Kind. Du brauchst eine eigene, krisenfeste Investment-Strategie. Eine, die Du verstehst. Eine, hinter der Du stehst. Eine, die nicht davon abhängt, dass die Ehe hält, die Kinder schon helfen oder gar der Staat liefert.
Das Schönste, was Du Deinem Kind mitgeben kannst
Weißt Du, was Kinder wirklich brauchen? Eine Mutter, die finanziell auf eigenen Beinen steht. Die ihnen zeigt, wie das geht. Die ihnen nicht zur Last fällt – nicht mit 70, nicht mit 80.
Das ist das größte Erbe, das Du hinterlassen kannst. Kein Depot. Kein Sparbuch. Sondern ein Vorbild.
Und das fängt heute an. Mit Dir.
Ich bin gespannt, was Du davon hältst! Schreib mir gern Deine Gedanken dazu.



