Warum das bedingungslose Grundeinkommen asozial ist

Was für eine schöne Idee: Jeden Monat kommt Geld aufs Konto, einfach so.
1000 Euro oder mehr, dafür, dass wir da sind. 1000 Euro, die wir vollkommen frei verwenden dürfen: Egal, ob für die Miete, die Fortbildung, den Urlaub, zum Lebensunterhalt.

Wir könnten endlich dem ausbeuterischen Kapitalismus entfliehen, der für so viele Probleme verantwortlich ist. Es gibt keinen Zwang mehr, in einem ungeliebten Job zu verharren oder überhaupt einen anzunehmen. Finanzielle Freiheit für jedermann, von Anfang an. Was für eine schöne neue Welt!

Ich möchte Einspruch einlegen. Ein dickes “Veto!”

Wer es sich wie ich als Beruf/ung ausgesucht hat, sich mit Geld und seinen Auswirkungen zu beschäftigen, kommt nicht umhin, sich auch mit dem BGE zu befassen. Ich beobachte seit 30 Jahren all die Konsequenzen, die die Jagd nach dem Geld auf allen Ebenen hat: Ob im jeweiligen Einzelschicksal, in der Politik oder auf Konzernebene, die Folgen sind tatsächlich unerträglich.

Wir ersticken menschliches Potential bereits im Keim, weil wir schon unsere Kinder aufs Geld verdienen dressieren. Allen, die sich dem Leistungsprinzip nicht unterwerfen können oder wollen, werden die Flügel gestutzt. Wir beuten unsere Umwelt bis zur Selbstzerstörung aus, weil nur der haltlose Konsum die Gewinne optimiert.

Eine Lösung, so scheint es, wäre es, das Rad einfach anzuhalten. Entheben wir den Mensch in unserer Überflussgesellschaft doch einfach: Geben wir jedem einzelnen genug Geld in die Hand, zum Überleben nicht mehr jagen zu müssen. Ohne wenn und aber, schlechtes Gewissen, Bedingung und ohne Zweckbestimmung. Die Folge, so der gute Wille hinter diesem revolutionären Gedanken, ist: Da der Mensch an sich gut und strebsam ist, so wird er mit Befreiung davon, seinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen, ganz neue Wege finden, sein Leben zu gestalten. Und wer nicht mehr nützlich sein muss, der wird feststellen, dass er nützlich sein will: Für sich, für andere, für die Gesellschaft, für seine Umwelt.

Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens

Ich habe die Idee also mal durchgespielt und in unserem bestehenden Wirtschafts- und Steuersystem gedanklich ein BGE installiert. Seitdem bin ich geheilt.
Ich bin mir sicher, wir würden unsere Gesellschaft zerreißen. Die Schere zwischen arm und reich würde noch viel schneller und weiter auseinanderklappen, als sie es sowieso schon tut: Mehr Geld ist nicht die Lösung unserer Probleme, das bedingungslose Grundeinkommen wäre vielmehr der Grabstein, den wir auf das Loch stellen müssten, in dem wir unsere soziale Marktwirtschaft verbuddelt haben.

Die Definition

Das Bedingungsloses Grundeinkommen ist ein Einkommen, das eine politische Gemeinschaft bedingungslos jedem ihrer Mitglieder gewährt. Es soll die Existenz sichern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, einen individuellen Rechtsanspruch darstellen sowie ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen garantiert werden.

Das Grundeinkommen stellt somit eine Form von Mindesteinkommenssicherung dar, die sich von den zur Zeit in fast allen Industrienationen existierenden Systemen der Grund- bzw. Mindestsicherung wesentlich unterscheidet. Das Grundeinkommen wird erstens an Individuen anstelle von Haushalten gezahlt, zweitens steht es jedem Individuum unabhängig von sonstigen Einkommen zu, und drittens wird es gezahlt, ohne dass eine Arbeitsleistung, Arbeitsbereitschaft oder eine Gegenleistung verlangt wird.

(Zitat von https://www.grundeinkommen.de/grundeinkommen/idee)

Echt bedingungslos? Also ab Geburt.

Okay. Ab wann zahlen wir das BGE denn? Um wirklich bedingungslos zu sein, müssten wir es mit der Geburt zahlen.
Es wäre also bis zum Schulabschluss oder bis zum 18ten Geburtstag die Entsprechung eines dicken, fetten Kindergelds. Die Logik verlangt allerdings, dass dann die Kindergärten (wieder bzw. weiterhin und mehr) Geld kosten müssen, denn die finanzielle Gewährleistung der Existenz bedeutet auch die Übertragung der finanziellen Verantwortung an das Individuum (hier also an die Eltern).

Kindergärten sind wirtschaftliche Unternehmen, selbst wenn sie nicht auf eine großartige Gewinnabsicht heraus konzipiert sind (z. B. kirchliche oder gemeinnützige Einrichtungen), so verursachen sie eine Menge Kosten. Mit der Zahlung eines BGEs pro Kind ist der Staat aber aus der Subventionierung von Kindergärten raus: Jedes Kind kann ja nun seinen Kindergartenplatz selbst bezahlen. Die Folgen sind die Verbetrieblichung von Kindergärten. Daraus resultierend würde ein Preiswettkampf. Ob das sehr sozial ist?

Während sich bei den Kindergärten die Familien noch entziehen könnten, indem sie ihre Kinder einfach nicht hinschicken, wird es beim Schuldgeld dann schwierig. An der Schulpflicht werden wir nämlich hoffentlich nicht rütteln.

Auch hier sehe ich ein Riesenproblem:

Selbst wenn ein Großteil der Infrastruktur weiterhin kostenfrei vom Staat gestellt würde (eher schlecht als recht, aber immerhin), so käme der sogenannte Sozialstaat aus wirtschaftlichen Gründen nun nicht mehr umhin, ein Schulgeld zu verlangen.

Die Folgen daraus wären ein sich weiter privatisierender Schulsektor: Die, die es sich leisten können, weil sie nicht nur auf das BGE angewiesen sind, werden ihre Kinder auf “gute Schulen” (mit den gut(verdienend)en Lehrern) schicken. Die BGE-Kinder bekommen dann auch eine BGE-Bildung. Ist das sozial?
Da diese Überlegung an sich schon gesellschaftszersetzend ist, möchte ich darauf verzichten, das BGE schon ab Geburt zu bezahlen. Verbessern wir an dieser Stelle lieber das bestehende System und denken weiter mit einer bedingten BGE-Zahlung nur an Erwachsene.

Bedingungsloses Grundeinkommen ab 18

Wir führen das BGE erst mit der (dann doch) Bedingung Volljährigkeit oder Schulabschluss ein. Wir nehmen den Druck raus, gleich schon Geld verdienen zu müssen. Es wird die Freiheit geschaffen, sich in Ruhe den Beruf aussuchen zu können, der uns glücklich macht.
Wir können unterbezahlte Jobs ablehnen, stressfrei studieren oder uns gar ohne Existenzangst selbständig machen.
Das ist eine super Idee – für diejenigen, die ein Ziel und eine Richtung in ihrem Leben haben, die Ehrgeizigen. Für diejenigen, für die das Prinzip “Eigenverantwortung” einen Grundwert darstellt und die bereits in jungen Jahren in der Lage sind, diese Verantwortung auch zu wahren.

Was ist mit den anderen?

Wie steht es um jene, die den Arsch einfach nicht hochbekommen? Was ist mit den vielen orientierungslosen Schulabgängern, die im Phlegma versinken, weil sie einfach nicht wissen, was sie tun wollen? Mit denen, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht zu dem Teil der Menschheit gehören, für die es selbstverständlich ist, zu streben, produktiv zu sein oder gar eine Berufung zu finden?

Wir entheben sie. Entheben sie der Möglichkeit, durch die Notwendigkeit – ja, den Zwang – des Geldverdienens, ihren Horizont zu erweitern und Möglichkeiten zu suchen. Wir lassen sie zurück. Verschwenden junge Menschen halt ein paar Jahre ihres Lebens mehr darauf, warm, genährt und trocken nicht zu wissen, wo es in ihrem Leben hingehen soll – macht ja nix, sie werden sich schon berappeln, wenn ihre Persönlichkeit so weit gereift ist.

Ja, auch ich bin fest davon überzeugt, dass der Mensch per se nicht dazu gemacht ist, tagein, tagaus auf der Couch zu sitzen und Fern zu sehen oder Computer zu spielen. Aber woran und wie lange soll sie denn reifen, die Persönlichkeit? Ein Garen im eigenen Saft mag für viele Lebensmittel durchaus aromatisch sein, ich glaube aber, dem Menschen tut sowas überhaupt nicht gut. Die Herausforderungen im Außen sind es, die Anstoß geben, auch innerlich zu wachsen.
Wie sozial ist es, diese Herausforderungen nur denjenigen zur Verfügung zu stellen, die sich sowieso immer dafür entscheiden würden, sie anzunehmen?

Was ist mit denjenigen, die keine Arbeit mehr finden?

Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, vom Arbeitsamt bezahlte Umschulungen und Weiterbildungen, Hartz IV und Grundsicherung werden abgeschafft, mit einem BGE besteht dazu keine Notwendigkeit mehr. Es ist vollkommen egal, warum Du am Erwerbsleben nicht teilnimmst. Deine Existenz steht niemals auf dem Spiel, also schau, wie Du durchs Leben kommst.
Wir sprechen uns frei und waschen unsere Hände in Unschuld. Immerhin haben wir dafür Sorge getragen, dass niemand verhungern muss und keiner unter der Brücke schläft, damit sind wir durch. Nach uns die Sintflut.
In meiner Welt geht diese Rechnung nicht auf. Im Gegenteil. Ich bin mir sicher, dass ein BGE sogar an der Obdachlosenproblematik nicht einen Deut ändern würde. Hier ist genauso wenig das Geld das Problem, wie es beim BGE der Problemlöser ist.

Das BGE wäre ein wirklich gutes Geschäft für den Staatshaushalt

Diejenigen, die vordergründig das BGE ganz toll finden, es aber nur wegen der angeblichen Unfinanzierbarkeit ablehnen, sei gesagt: Was für ein Unsinn, nichts wäre leichter als das.
Ich brauche nicht mal in unsere Haushaltrechnungen und Staatsfinanzen reinzuschauen, um das zu finanzieren. Wie oben schon angedeutet, können wir ja einen Großteil des sozialen Überbaus abschaffen. Das Arbeitsamt muss nur noch Arbeitslosengeld I zahlen und mutiert zu einer Stellenvermittlungszentrale.

Zusatzleistungen entfallen

Sonder- und Zusatzleistungen sind im großen und ganzen obsolet, wir brauchen nur noch eine zusätzliche Bedürftigkeitsunterstützung für Gehandicapte, Waisen und Pflegebedürftige (wobei: Da jetzt ja jeder von Anfang an seinen Teil zur Pflegeversicherung und auch später zur Pflege beitragen kann, muss die Familien-Pflegeversicherung ja nun wegfallen …das könnte dann im Laufe der Zeit vielleicht sogar aufgehen.)
Wir brauchen keine Aufstockung mehr, kein Wohngeld, keine Grundsicherung, das ganze Gewese mit der geplanten Grundrente und der Zwangs-Altersvorsorge für Selbständige können wir uns sparen. Bürokratie und Verwaltung können auf Minimum zurückgefahren werden. Die an dieser Stelle eingesparten Lohnkosten und großflächig gestrichenen Sozialleistungen dürften schon genügen, einen netten Teil des BGEs bezahlen. Um die dann arbeitslosen Verwaltungskräfte müssen wir uns ja keine Sorgen machen. Diese haben dann ja ein Jahr Zeit, sich – finanziert durch ihr ALG I und das BGE – beruflich umzuorientieren.

Natürlich müssen wir den sozialen Wohnungsbau noch dringender vorantreiben als bisher, denn die Mietpreise im privaten Sektor werden stärker steigen – was natürlich auch weitere Steuereinnahmen bedeutet, also auch irgendwie finanzierbar sein wird (die Schleife ist mir gerade zu groß, die kann ich nicht zu Ende denken).

Sowieso können wir auf der Einnahmenseite schöne Steigerungen erzielen. Durch die Privatisierung der meisten ehemals sozialen Einrichtungen könnten wir Steuereinnahmen auslösen. Auch die Einnahmen aus Steuern auf die Erträge von Kapitalanlagen würden steigen. Wenn schon bedingungslos, dann zahlen wir das BGE natürlich auch an die Leute, die bereits gut situiert sind.

Der Teufel scheißt auf den dicksten Haufen

Was würde so jemand wie ich denn mit einem BGE anfangen? Klar, in jungen Jahren hätte ich viel Spaß damit gehabt, mehr oder teurer in Urlaub fahren zu können. Vielleicht hätte ich früher und in Vollzeit studiert, statt später neben dem anstrengenden Job. Und ich hätte mich vielleicht früher und leichter selbständig gemacht, die Kinder in eine noch bessere Schule geschickt.

Insgesamt hätte ich die Pobacken wohl weniger zusammenkneifen müssen. Aber ziehe ich nicht auch einen Teil an Selbstbewusstsein daraus, mich gegen Wider- und Umstände durchgesetzt zu haben? Weil ich immer schon ein Geld- Kopf- und Verstandeskind war, hätte ich mit Sicherheit noch mehr gespart, mehr angelegt und mehr Rendite erwirtschaftet. Und natürlich hätte ich mehr Steuern bezahlt. Warum auch nicht, es hätte mir ja nicht weh getan. Die wahre Folge eines BGE ist, dass die Reichen noch Reicher werden. Diejenigen, die das BGE dauerhaft dafür verwenden müssen, ihre Existenz zu sichern, würden aber schon wieder auf der Strecke bleiben. Was ist daran sozial?

Eine schöne Idee und wirkliche Lösungen

Es ist eine wunderbare Idee, dem Menschen die Freiheit geben zu wollen, der Jagd nach dem Geld zu entsagen. Sie unabhängig zu machen von dem Gedanken: “Wie komme ich über den Monat, was stelle ich zu essen auf den Tisch und wo nehme ich die Zeit her, meine Kinder großzuziehen (weil ich soviel arbeiten muss)?”
Solange wir uns darüber einig sind, dass die Marktwirtschaft das beste aller Wirtschaftssysteme ist, geht die Idee leider nicht auf.

Ein BGE ändert nur im Einzelfall das persönliche Schicksal – aber es heilt im Grundsatz weder schlechte Bildung noch fehlenden Ehrgeiz. Ja, wir erleichtern denjenigen, die sowieso Wollen und Streben den Weg durchs Leben – aber wir lassen alle anderen zurück.

Keine Frage, unser bestehendes System ist (zwar gut gedacht, aber) wirklich, wirklich schlecht gemacht.
Keine Frage, es bedarf dringend der Entbürokratisierung und des Umbaus.

Aber: Ein konsequent bedingungsloses Grundeinkommen für jedermann und über die gesamte Lebenszeit hinweg wäre der asozialste und – im negativen Sinne – kapitalistischste Weg, der einem dazu einfallen könnte.

Lasst uns

  • über die Einrichtung eines Stipendium-Systems nachdenken und das BaFöG entstauben.
  • die  Grundsicherung entstigmatisieren und Sabbatical-Crowdspendings als steuerlich spendenfähig pushen.
  • endlich dieses entsetzlich unmoderne Bildungssystem einreißen – es gehört nicht nicht nur renoviert, sondern komplett neu gedacht! Es passt einfach nicht zu den Menschen die wir heute sind und sein wollen.

Aber lasst uns nicht daran rütteln, dass alles im Leben seinen Preis hat.

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12 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Anette,

    deinen grundlegenden Tenor gegen ein BGE kann ich verstehen, jedoch sind m.E. einige deiner Gedankengänge systemtechnisch ‘auf dem falschen Dampfer’. Ich versuche mal in Kürze einige davon herauszugreifen (immer mit der Prämisse, dass ich deine Argumentationsketten hoffentlich richtig verstanden habe):

    1) Ein sich privatisierender Schulsektor ist per se schlecht.
    Nein. Um es mal mit Roland Baader zu sagen: Niemand würde sich in einem wirklich freien Markt vorschreiben lassen, welche Wurst oder welche Butter er kauft; der Einzelne wählt – nach Prüfung aller für ihn relevanten Daten – das Angebot, das zu seinen Wünschen passt. Aber in einem Land mit Schulpflicht auf Basis staatstreuer (und daher per se nicht zwingend Wahrheits-treuer!) Bildungspläne (man hört hier schon die “Planwirtschaft” im detail heraus!) lassen sich die Bürger am wichtigsten Punkt – ihrem eigenen Nachwuchs! – das vorschreiben?! Die deutsche sozial-sozialistische Bildungspolitik, die in den kurzsichtigen Zyklen der Legislaturperioden handelt und ihre “Reformen” auf Basis politisch hofierter, pseudo-intellektueller Interessengruppen aus Pädagogen (= Hofierung von Interessengruppen zum Zweck des zukünftigen Stimmenerwerbs) in diesen Zeiträumen durchs Dorf treibt, soll dann besser in der Lage sein zu bewerten, was deine (und meine) Kinder brauchen. Nein. Eine freie Bildung (nach eventuell zu erreichenden Mindeststandards pro Lebensjahr eines Kindes) ist besser, als unser System.
    Daher: Ja, brechen wir es ab! Aber: Nein, nicht noch mehr Planwirtschaft im neuen Bildungssystem! Mehr Freiheit bitte, mehr Verantwortung, d.h. auch mehr charitative, eigenverantwortliche Bildungsangebote für sozioökonomisch schlechter Gestellte. Aber niemals mit Zwang!

    2) Ein BGE ist ‘schlechter Kapitalismus’
    Ein BGE ist Sozial-Sozialismus par Excellence und hat mit echtem Kapitalismus (= freiem marktwirtschaftlichen Handeln) NULL zu tun.
    Die Rechnung ist sehr einfach, seit nunmehr 100 Jahren von den wichtigsten Ökonomen der Austrian School ausformuliert (von Mises, von Hayek, Rothbard, Friedman…zurecht sind einige davon Nobelpreisträger!) und immer noch unbeachtet:

    a) Eine wirklich freie Marktwirtschaft* ist das einzige ökonomische System dieser Welt, in dem für breite Schichten der Bevölkerung (nicht alle! denn der Mensch entscheidet frei, hat aber dann auch die Konsequenzen seiner Entscheidungen zu tragen!) finanzieller Wohlstand generiert werden kann, ohne anderen Menschen ihren generierten Wohlstand wegzunehmen.

    b) Sozialismus ist diametral entgegen der freien Marktwirtschaft: Er verteilt OPM (other people’s money) planmäßig um, weil die politische Elite meint, den Markt besser steuern und bewerten zu können, als der Markt selbst. (Idiotie! Woher soll ein anderer besser als ich wissen, was ICH mir wünsche! Nur, wenn er die MACHT hat mich zu bevormunden, also in Unfreiheit zu halten!) Dabei erzeugt das “soziale” System zwangsläufig Ungleichheiten und daraus Neid, der dann an die politischen Klassen herangetragen wird. Diese gehen mit Versprechen neuer “sozialerer” Umverteilung auf Wählerstimmenfang (sofern sich das System noch demokratischer Sozialismus schimpft), um ihre Macht zu erhalten.

    c) Man kann makroökonomisch nur verteilen, was man zuvor makroökonomisch erwirtschaftet hat, bzw. man kann einen Prozentsatz eines (hoffentlich) stabilen volkswirtschaftlichen Cashflows verteilen. Das BGE – wie auch alle anderen Umlagen-basierten “sozialen” Systeme in Deutschland (Rente, KV, etc.) – ist auf Gedeih und Verderb abhängig von der Realwirtschaft (außer man spinnt sich Ideen wie die Modern Monetary Theorie, den Hyper-Keynesianismus, zurecht, die gegen jeden Menschenverstand gehen).
    Verteile ich als Staat mehr als ich habe, dann muss Geld her– warum? siehe b) –; entweder aus i) Mehrbesteuerung der Bürger, oder durch ii) Mehr-Geld-Drucken*. Beides zieht dem Bürger nach sozialistischen Prinzipien sein Eigentum aus der Tasche: i) durch den Fiskus und ii) durch die “Geheimsteuer” der Inflation.
    Das BGE ist deshalb antisozial, weil jeder Bürger, der es beziehen würde es sich – in gewissem Anteil – SELBST ZAHLT, sei’s durch direkte Besteuerung oder Inflation! Ein Schein-Verdienst der sozial-sozialistischen Politikmacher also, den ich nicht benötigen würde, würde der Staat die Marktwirtschaft und den Bürger frei agieren und damit in Ruhe lassen.

    (*freie Marktwirtschaft beinhaltet aber auch eine Abkehr von staatlich monopolisierten, durch Zentralbanken beliebig ausdehnbaren fiat money Geld, dem ungedeckten Kredit-/Schuldengeld und eine Abkehr von fractional reserve banking hin zu einem 100%ig gedeckten Geld)

    Das BGE ist als in keinster Weise “schlechter Kapitalismus”; es ist die fixe Idee derer, die den freien Markt mit ihrer Politik langsam aber sicher durchsozialisiert/ durch-marx-isiert haben, daher die Menschen in die Unmündigkeit und Unverantwortlichkeit hinein “sozial abgesichert” haben und nun das “next big thing” zu ihrem politischen Machterhalt anbieten müssen! Das ist Sozialismus in demokratischer Verkleidung.

    Liebe Anette, falls du die Bücher noch nicht kennen solltest, bitte – kaufen und lesen und mit unserer Politik abgleichen:
    Ludwig von Mises, Theorie des Geldes und der Umlaufmittel.
    F. A. von Hayek, Der Weg zur Knechtschaft (engl.: Road to serfdom).
    Roland Baader, Kreide für den Wolf.

    Alles liebe,
    dein guter Verwalter

    1. “1) Ein sich privatisierender Schulsektor ist per se schlecht.
      Nein. Um es mal mit Roland Baader zu sagen: Niemand würde sich in einem wirklich freien Markt vorschreiben lassen, welche Wurst oder welche Butter er kauft; der Einzelne wählt – nach Prüfung aller für ihn relevanten Daten – das Angebot, das zu seinen Wünschen passt.”

      Inwiefern wählt denn dann der Schüler bzw. Seine Eltern das Angebot aus, das zu seinen Wünschen am besten passt? Wählt er da nicht eher das Angebot, das er sich leisten kann?
      Und da Bildung die Chancen für späteren Wohlstand signifikant verbessert, würde dies doch nur den bereits jetzt vorhandenen Effekt verstärken, dass, wer aus sozial schwächeren Verhältnissen kommt, schlechtere Chancen hat, später finanziell erfolgreich zu sein?
      Und wäre es gesamtwirtschaftlich nicht zu bevorzugen, dass derjenige einen Job ausübt, der am besten dafür geeignet ist und nicht der, der sich die dafür notwendige Bilding leisten konnte?

      “Eine wirklich freie Marktwirtschaft* ist das einzige ökonomische System dieser Welt, in dem für breite Schichten der Bevölkerung (nicht alle! denn der Mensch entscheidet frei, hat aber dann auch die Konsequenzen seiner Entscheidungen zu tragen!) finanzieller Wohlstand generiert werden kann, ohne anderen Menschen ihren generierten Wohlstand wegzunehmen.”

      Sind wir also alle Menschen, die frei entscheiden? Das klingt so, als würden wir gleich geboren und unser freier Wille entscheidet darüber, wie erfolgreich wir sind. Das ist doch totaler Unfug, es gibt Behinderungen, Krankheiten oder auch einfach nur widrige Lebensumstände, die schnell dazu führen, dass die Illusion des “jeder kann es schaffen, wenn er nur will” sich in Luft auflöst.
      Und wollen wir das bestmögliche Ergebis für “breite Schichten der Gesellschaft” oder hat sich unsere Gesellschaft nicht bereits so weit entwickelt, dass wir es uns ohne Probleme erlauben können, auf Schwächere / Benachteiligte Rücksicht zu nehmen?

      Wenn die Marktwirtschaft wirklich frei ist, wer verhindert dann, dass jemand die Zufahrtsstraße zu deinem Grundstück kauft und horrende Nutzungsgebühren verlangt (gleiches gilt natürlich für Strom, Wasser, Gas und Co).
      In Amerika ist vieles unregulierter. Kann sich jeder selbst eine Meinung zu bilden, ich bin froh, dass ein Krankenhausbesuch nicht dazu führen kann, dass ich danach hoch verschuldet bin. Klar, gibt ja Versicherungen, aber weil die eben nicht verpflichtend sind, sind die auch um ein gutes Stück teurer.
      Oder bezahlte Freistellung in den letzten Schwangerschaftswochen.

      Und vom Sozialismus sind wir weit entfernt: Sonst müsste ja der CEO genauso viel verdienen wie der Fließbandarbeiter und da mache ich mir wenig Sorgen, dass das in den nächsten 100 Jahren passieren wird.

      1. Hi Matthias,

        danke für die Denkanstöße! Schön, wenn mal zu sehen, dass man online noch ehrlich intellektuell diskutieren kann, und sich nicht etwa bashen muss (s. Millionen YouTube Comment Sections). Ein paar kurze, zurückgespielte Denkanstöße:

        zu 1):
        Ja, jeder wählt, was er sich leisten kann; das wäre dann (so ich deine Extrapolation korrekt verstehe) in einem freien Schulsystem so. Und ja, höhere Bildung (bspw. an technischen Hochschule, Universitäten) korreliert mit späteren höheren Einkommensniveaus im Erwerbsleben. Die Frage ist nur, ob es sich hier um eine Korrelation oder um eine zwangsläufige Kausalität handelt, hieße: Reiches Kind = besseres finanzielles Auskommen, weil bessere Bildung.

        Als Bildungssystem-Insasse kann ich dir aus eigenen Erfahrungen sagen, dem ist nicht so. Ich arbeite mit Schülern aus sehr heterogenen sozioökonomischen Schichten und merke, dass reiche Elternhäuser tendenziell mehr ‘Bildungsapathie’ in ihren Sprösslingen fördern, als ärmere. Was habe ich schon Schüler gehabt, die im staatlichen 3-gliedrigen System gnadenlos vor-ausgesiebt wurden, z.B. weil ihre Eltern nicht Herr oder Frau Dr. Dipl. Ing. rer. nat usw. waren; die kamen an unsere Schule (übrigens ein Schultyp in Süddeutschland, der an der Basis der ‘Durchlässigkeit’ sitzt und selbst bereits aktiv um Schüler werben muss –> freierer Schülermarkt also), haben ihre Abschlüsse gemacht, haben Handwerksbetriebe gegründet oder arbeiten darin und verdienen sich eine goldene Nase, weil die Akademiker sie buchen müssen.

        Ich sehe nur systemisch zwei Weltsichten in Schule aufeinanderprallen, wenn es um das Thema ‘Gleichheit’ geht: Die, die für Chancengleichheit stehen, und die, die gerne Ergebnisgleichheit haben möchten. M.E. nach macht die rigide Staatshand im Bildungssektor gerade immer mehr den Schritt hin zum Wunsch der Ergebnisgleichheit. Die Lawnmower-Eltern (die, die ihren Kindern auch jeden kleinsten Grashalm an Widerstand aus dem Weg räumen möchten, damit sie “gleichberechtigt” sind) sind m.E. nach ein aktueller Auswuchs dieses Wandels.

        Außerdem: Charitas in der Bildungslandschaft fehlt total; Reiche müssen m.E. nach sehen, dass sie etwas DIREKT zurückgeben müssen, persönlich; nicht unpersönlich, stellvertretend mit der Gieskanne des angeblich “sozialen”. Für mich ist in der Bildung die Vokabel “sozial” leider häufig verbunden mit “lieblos und unpersönlich”.

        zu “wirklich freie Marktwirtschaft”:
        Da interpretierst du mich falsch: Die Welt ist häufig auch ein schlimmer Ort, das ist klar, und ein Happy-Clappy Utopia gibt es nicht. Niemand hat die gleichen Voraussetzungen und Chancen. Aber der o.g. Drang, diese Realitäten zu ignorieren und trotzdem alles ERGEBNIS-gleich machen zu wollen, indem der Staat mit dem Argument “das können wir und doch leisten” verteilend eingreift, entbindet den individuellen Bürger ja gerade von seiner Verantwortung, den Nächsten wirklich zu lieben und auf der Basis PERSÖNLICHER Verantwortung zu helfen (=Charitas!). Stattdessen zahlen wir unser Geld in ein angeblich soziales System planwirtschaftlicher Verteilung, das mehr Ungleichheit schafft als Gleichheit. Wir machen es zu großen Teilen in Deutschland nach dem Prinzip: “Ich hab doch bezahlt, aber lass mich doch jetzt in Ruhe, lieber armer Mensch!”
        Das ist meine Stoßrichtung, eine persönliche moralische Verantwortlichkeit in Menschen zu wecken, und nicht die Illusion des “der Staat wird’s schon richten”.

        Sind die USA da ein gutes Besipiel, vllt. nein, vllt. ja. Dort gibt es ein viel ausgeprägteres Gebertum als in Deutschland; hier haben wir eher eine Neidkultur ggü. Menschen, anstatt sie zu ermutigen, ihren Wohlstand persönlich charitativ zum Wohl anderer einzusetzen. Und ja, mache brauchen dazu evtl. auch mal die Hilfe einer staatlichen Institution.

        BTW: Die USA ist Marktwirtschaftlich auch nicht frei. Sie ist Spielball von FED Notenbankern und einem aktuell Starfzoll-geilen Präsidenten ohne kognitive Inhibitionsmechanismen in der Großhirnrinde.

        Beste Grüße,
        der gute Verwalter

    2. Lieber Verwalter,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und Deine Gedanken! 🙂
      Ich habe leider nicht die Zeit, um genauso ausführlich darauf einzugehen, wie sie es verdient hätten.
      Also nur ganz kurz zum Schulsektor: Ich habe nichts gegen eine gewisse “Produktvielfalt” auch im Schulsektor (Montesssori und andere machen es ja vor) – aber Grundbildung und Schul-(oder Bildungspflicht) bis zu einem gewissen Alter halte ich für unabdingbar. Und sie muss staatlicherseits gerwährleistet, grundfinanziert und durchgesetzt sein. Wir brauchen einen Grundkonsens darüber, was Menschen in unserem Land wissen: Jeder muss davon ausgehen können, dass der andere lesen, schreiben und rechnen kann (Ja, ich weiß, das ist heute schon nicht mehr sicher gewährleistet. Aber da müssen wir wieder hin!).
      Ob ein BGE ansonsten “Sozialismus in demokratischer Verkleidung” oder “schlechter Kapitalismus” ist, ist ein Etikett, welches wir draufkleben, die wir (zu) viele Wirtschaftsbücher gelesen haben: Ich ziehe aus den mir bekannten Fakten, gemachten Erfahrungen und (Wirtschafts)Lehren diese Schlussfolgerung, Du eben eine andere. Ob oder wer dabei auf einem “falschen Dampfer” sitzt ist dabei eigentlich egal – denn wirklich wissen tun wir es beide nicht (auch nicht Mises, Hayek und Co.). Also ist das am Ende nur Haarspalterei um die rechte Wortwahl. 😉
      LG schickt Anette

      1. Hi Anette,

        danke für deine Gedanken und deine Antworten! Freier Diskurs ist doch was schönes.

        Ich bin bei dir: Kinder benötigen eine Unterrichtspflicht, aber m.E. nach keine Schulpflicht. Verbindliche – meinetwegen auch staatlich abgesegnete – Standards, was Kinder in bestimmten Lebensphasen mindestens können sollen, sind sinnvoll, aber staatsnahe, rigide Bildungs-/Lehrpläne nicht. Ich möchte nämlich mündige, eigenständig denkende Menschen bilden, keine passgenauen Bürger.

        Ich durfe bei einigen der aktuellen Bildungsplanreformen der MINT Fächer einmal Mäuschen spielen: Wenn der Praktiker (Lehrkraft) an der Basis (tagtäglicher Unterricht) in einem Gremium zur Bildungsplanreform gemeinsam mit anderen Kollegen Vorschläge macht, und diese faktisch aus der Arbeit begründen kann, und ein höherer Staatsbeamter (Theoretiker) diese Vorschläge nur auf Basis seiner Autorität streichen kann, ohne Rücksprache mit der Basis: Welche Güte schreibst du denn einem solchen ‘reformierten’ Bildungsplan zu? Ich schreibe diesem nur zu abzubilden, welche politische Strömung momentan ihre Autorität im Bildungssektor ausgeübt hat, mehr nicht.

        Und zur Ökonomie: Wir beiden sitzen ja bezüglich BGE ergebnistechnisch in einem Boot. Vielleicht nur auf unterschiedlichen Seiten des Sonnendecks, nicht auf unterschiedlichen Dampfern 🙂

        Beste Grüße,
        der gute Verwalter

  2. Wenn jeder Bürger 1000 Euro mehr im Monat hat, wird das Konsumbudget eines jeden Bürgers um 1000 Euro steigen, das wissen auch die Anbieter von Konsumgütern, Vermieter etc… damit werden viele Preise, insbesondere Mieten ebenfalls steigen. Am Ende verpufft ein solches Grundeinkommen einfach in Form von Inflation. Ergo Mieten steigen und Bürger die sich Bürgerangebote wie Schulen etc. „kaufen“ müssen haben das Nachsehen gegenüber denen die solche Leistungen nicht benötigen.

    1. Hallo Dominik,

      ich teile deine Ansicht bzgl. des Verpuffens des BGE wegen der sofort resultierenden Mehr-Inflation; die steigende Umlaufgeschwindigkeit des BGE Geldes tut dabei ihr übriges.
      Allesdings glaube ich nicht an eine Art willentliches ‘Price Fixing’ des Marktes hin zu höheren Preisniveaus weil Produzenten merken, dass mehr Geld verfügbar ist.
      Ich denke, dass das Geld aus einem BGE in breiten Bevölkerungsschichten mehrheitlich in sinnlosen (bei manchem auch sinnbehafteten) Kurzfrist-Konsum gesteckt wird. In effektives langfristiges Investing z.B. zur Altersvorsorge werden die wenigsten BGE Euros fließen.

      Sollte das BGE doch kommen (was ich wie o.g. nicht hoffe), soll der Staat doch stattdessen jedem Bürger die 1.000€/Monat in einen dem 401(k) Rentenplan ähnlichen Multiasset-Sparplan anlegen. Das hätte mehr Sinn als Konsumverschleuderung anzuregen.

      Grüße vom
      guten Verwalter

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