Digitale Währungen der Zentralbanken – steht uns eine Revolution des globalen Finanzsystems bevor?
Ich glaube, ich lehne mich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass die digitalen Währungen der Zentralbanken (Central Bank Digital Currencies, kurz CBDCs), die jede größere Volkswirtschaft in der Mache hat, die Art und Weise, wie wir Geld nutzen, sehr stark verändern wird. Grund genug, Dich schon mal heute darüber zu informieren, was spätestens 2029 auch auf Dich zukommt…
Also, was steckt hinter diesem Konzept, und welche Auswirkungen könnte die Einführung von CBDCs auf unser Finanzsystem haben?
Was sind CBDCs?
CBDCs sind digitale Versionen staatlicher Währungen, die von Zentralbanken herausgegeben werden. Im Gegensatz zu Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum handelt es sich nicht um dezentrale, sondern um staatlich kontrollierte Währungen.
Ziel ist es, eine (fälschungs-)sichere, stabile und effiziente Alternative zu Bargeld zu schaffen, digitale Zahlungssysteme sicher auszubauen und – natürlich – den dezentralen Kryptos den Rang abzulaufen, bevor sie volkswirtschaftlich eine zu große Gefahr darstellen.
Bei Letzterem sind sie schon ziemlich spät dran (wie zu erwarten) – ehrenhalber gebe ich aber zu bedenken, dass es ein weitaus größeres Unterfangen darstellt, die Voraussetzungen für eine echte Währung gesetzlich zu verankern und technisch darzustellen, als nur eine Krypto-Blockchain zu programmieren.
(Nicht, dass ich auch nur ansatzweise verstanden hätte, wie überhaupt aus Nullen und Einsen eine Währung oder ein Bild (NFT) oder ein derart mächtiges Datenverfolgungs- und Sicherungsinstrument entstehen kann. Aber deshalb bin ich ja Finanzmensch und keine Programmiererin.)
Es gibt zwei Hauptarten von CBDCs:
- „Retail“-CBDCs: Diese sind für den alltäglichen Gebrauch durch Bürger und Unternehmen gedacht und werden eine direkte digitale Alternative zu Bargeld darstellen.
- „Wholesale“-CBDCs: Diese richten sich an Finanzinstitute und werden den Zahlungsverkehr zwischen Banken effizienter gestalten.
Warum arbeiten Zentralbanken an CBDCs?
Zentralbanken weltweit entwickeln CBDCs aus mehreren Gründen:
- Die Modernisierung des Zahlungsverkehrs: Digitales Geld wird Transaktionen beschleunigen und – wichtig auch für die internationale Wirtschaft – Kosten senken.
- Die Bargeldnutzung nimmt ab: In allen Industrie- und vielen Schwellenländern geht die Nutzung von Bargeld stark zurück, was digitale Alternativen erforderlich macht.
- Finanzielle Inklusion: Menschen ohne Bankkonto könnten leichter Zugang zu digitalen Zahlungsmitteln erhalten. (Hier melde ich meine Bedenken an: Welcher Senior, der mit dem Online-Banking schon nicht klar kommt, wird sich wohl eines digitalen Euros bedienen?)
- Staatliche Souveränität bewahren: Regierungen wollen die Kontrolle über das Geldsystem behalten und verhindern, dass private Kryptowährungen oder ausländische digitale Währungen dominieren. (sic!)
- Bekämpfung von Finanzkriminalität: Durch die Nachverfolgbarkeit von Transaktionen wird Geldwäsche und Steuerhinterziehung erschwert werden. (Außerdem erschwert es das „Einspülen“ von kriminellem Krypto-Geld (z. Bsp. aus dem Unterlaufen von Handelsembargos) in den sauberen (naja) legalen Wirtschaftskreislauf.)
Für Risiken und Nebenwirkungen… (lesen Sie diesen Abschnitt):
Selbstverständlich wird mit einer digitalen Währung nicht alles besser. Es gibt einiges an dem Projekt, was auch mir ein paar Sorgenfalten auf die Stirn treibt – auch wenn mir klar ist, dass wir unbedingt einen digitalen Euro – und weitergehend sogar eine digitale Weltwährung – brauchen werden.
- Zuallererst fällt mir da der Datenschutz und die Überwachung ein: Da CBDCs digital und nachvollziehbar sind, besteht die Gefahr, dass Staaten oder Institutionen das Kaufverhalten der Bürger überwachen…
Auch wenn ich keine Freundin von Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung bin und deren Eindämmung vor allem bei den großen Gaunern und den systematischen Sozialsystemausnutzern sehr begrüße, so macht mir ein gläserner Bürger doch Angst: Du hast ein Päckchen Zigaretten / eine Flasche Wodka gekauft? Oha, das melden wir doch mal gleich Deiner Krankenkasse!
Du hast schon zum dritten Mal ein Knöllchen wegen Geschwindigkeitsübertretung kassiert? Deine KfZ-Versicherung wird Dir das Zu-schnell-Fahren schon mittels Beitragserhöhung austreiben!
Du hast eine Menge Baumaterial im Baumarkt erstanden? Na, wer wird denn da einen Anbau ohne Bauantrag oder ein Gartenhäuschen ohne Änderung der versiegelten Fläche errichten?Schimpft mich als paranoid – aber gerade in Kombination mit KI könnten Behörden und Unternehmen mit einer digitalen Währung alle Wege offen stehen, uns in allen Bereichen des Lebens zu manipulieren und reglementieren, wenn sie nicht ausreichend gesetzlich reglementiert ist. Wollen wir uns in 10 Jahren also nicht in einem Science-Fiction-Szenario wiederfinden, ist es extrem wichtig, die Sache mit wachem Verstand zu verfolgen und den Daten- und Verbraucherschutz und Vereinigungen wie Finanzwende e.V. usw. zu unterstützen. - Das Bankensystem könnte unter Druck geraten: Wenn Menschen ihre Einlagen direkt bei der Zentralbank halten könnten, könnte dies das klassische Bankensystem destabilisieren.
Nun, dass das Bankensystem, wie wir es kennen, sich massiv wandeln muss, steht außer Frage – aber destabilisiert möchte ich es auch nicht sehen. Banken haben nämlich die unangenehme Eigenart, sich einander so lange zu fressen, bis nur noch wenige Anbieter auf dem Markt übrig bleiben – und ohne Konkurrenz spielen sie ihre Macht in der Regel hemmungslos aus. Für uns Verbraucher kann das nur ein Nachteil sein, vor allem im Kreditbereich und in der allgemeinen Serviceversorgung. - Cybersecurity-Risiken: Ein digitaler Angriff auf eine CBDC-Infrastruktur könnte gravierende Folgen haben.
Hier habe ich vielleicht wieder zu viel Science-Fiction-Literatur gelesen, aber von Kaskadeneffekten auf kritische Infrastrukturen (Energie, Handel, Logistik) bis zum Angriff auf die Staatsstabilität als Teil einer hybriden Kriegsführung kann ich mir da eine ganze Menge an kritischen Szenarien vorstellen.
Wie weit sind die Pläne für CBDCs?
Weltweit arbeiten Zentralbanken an Konzepten für digitale Währungen. Schweden ist weltweit der absolute Vorreiter in der Entwicklung des e-Krona, sie haben die technischen Vorbereitungsphasen bereits 22/23 abgeschlossen und testen jetzt die Auswirkungen auf die Wirtschaft. Sie sind gerade dabei, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu definieren und damit eine nicht allzu ferne Einführung vorzubereiten.
In China befindet sich der digitale Yuan in der Testphase und wird in Pilotprojekten eingesetzt.
Die USA wurde von Trump mitten in der Entwicklungsphase aus dem Rennen genommen – seit Mitte 2025 ist es sogar verboten, weiter an der Theorie eines amerikanischen e-Dollars zu forschen. Hauptargument gegen den CBDC ist die Sorge vor staatlicher Überwachung (wie in China) und dem Verlust der finanziellen Privatsphäre der Bürger.
Wir hier (also die EZB und die Bundesbank) bereiten aktiv die Einführung des digitalen Euro vor, wobei eine breite Einführung frühestens 2029 zu erwarten ist. Die Vorbereitungsphase wurde Ende 2025 abgeschlossen, das Projekt ist nun in die technische Detailphase übergegangen.
Eine Revolution mit Ungewissheiten
CBDCs werden das Finanzsystem revolutionieren und neue Möglichkeiten für digitale Zahlungen schaffen. Gleichzeitig bestehen erhebliche Herausforderungen, insbesondere hinsichtlich Datenschutz, Finanzstabilität und Sicherheit. Die Zukunft der CBDCs hängt von ihrer Gestaltung, Regulierung und der Akzeptanz in der Bevölkerung ab.
Was denkst du? Wirst du eine digitale Währung der Zentralbank nutzen?





