„Ich verstehe das nicht. Letztes Jahr hatte ich 10.000 Euro auf dem Konto, heute sind es 10.250 Euro. Ich habe also mehr Geld. Warum sagen alle, dass ich ärmer geworden bin?“

Diese Frage höre ich regelmäßig. Und sie zeigt ein fundamentales Missverständnis, das verdammt teuer werden kann: Nominal vs. Real.

Die Zahl auf Deinem Kontoauszug ist gewachsen – das ist nominal. Aber was Du Dir davon leisten kannst, ist geschrumpft – das ist real. Und schuld daran ist die Inflation.

Inflation ist einer der wichtigsten Begriffe in der Finanzwelt – und gleichzeitig einer der am meisten missverstandenen. Deshalb klären wir heute, was Inflation wirklich ist, warum sie Dein Geld auffrisst und was Du dagegen tun kannst.

Ohne Fachchinesisch. Klartext von Anfang an.

Was ist Inflation überhaupt?

Inflation bedeutet: Die Preise steigen. Nicht nur für ein einzelnes Produkt, sondern im Durchschnitt für alles, was Du kaufst – Lebensmittel, Miete, Kleidung, Benzin, Dienstleistungen.

Das heißt: Für den gleichen Euro bekommst Du heute weniger als vor einem Jahr. Dein Geld verliert an Kaufkraft.

Beispiel:

  • 2023: Ein Päckchen Butter kostet 2 Euro.
  • 2025: Ein Päckchen Butter kostet 2,50 Euro.
  • Preissteigerung absolut: 25 %

Dein Geld ist nominal gleich geblieben (100 Euro sind immer noch 100 Euro), aber real kannst Du Dir weniger davon leisten. 2023 hättest Du für 100 Euro 50 Pakete Butter kaufen können, heute nur noch 40.

Das ist Inflation. Und sie passiert ständig – mal schneller, mal langsamer, aber sie ist immer da.

Obacht: Inflation immer mit Zeitbezug betrachten!

Vielleicht ist es Dir aufgefallen: Ich habe oben „Preissteigerung absolut“ geschrieben – und das aus gutem Grund. Du kannst die Inflation nur gerecht bewerten (und mit ihr umgehen lernen), wenn Du sie über die Zeit betrachtest: Während wir bei einem 2 Jahreszeitraum wie oben noch – allerdings falsch – annehmen könnten, dass die Butter im Jahr um 12,5 % teurer wurde, fällt uns jetzt – Anfang 2026 – irgendwie auf, dass da was nicht stimmen kann: Im Moment kostet die Butter nämlich immer noch 2,50 Euro.
Und rein rechnerisch hätte sie in 2025 statt 2,50 sogar 2,53 Euro kosten müssen, wenn wir eine Inflation von 12,5 % im Jahr hätten… und in 2026 müsste sie 2,85 Euro kosten.
Inflationsberechnungen sind nämlich nichts anderes als Zinseszinsrechnungen – nur eben „von oben (Endpreis heute) nach unten (Anfangspreis zum Betrachtungszeitpunkt)“ statt von „unten (Kapital am Anfang) nach oben (Kapital plus aufgelaufene Zinsen)“.

Sämtliche Inflations-Aussagen, die Du in der Panik-Presse liest, sind also mit Vorsicht zu genießen: Wie haben die eigentlich gerechnet? Auf welchen Preis zu welchem Anfangszeitpunkt beziehen sie sich denn?
Ein sehr gutes Beispiel für die Manipulationskraft unreflektierter Inflationssprüche ist zum Beispiel das hier (gefunden auf https://www.wechselpilot.com/ratgeber/strompreisentwicklung/):

Seit 1998 stieg der Strompreis von 17,1 ct/kWh auf 39,6 ct/kWh – eine Erhöhung von über 130 %.

Liest sich schlimm an, oder?
Rechnen wir aber nach, stellt sich heraus, dass die Strompreisinflation in Wahrheit (und dass trotz des sprunghaften starken Preisanstiegs des Ukrainekriegs!) gerade mal bei 3,04 % jährlich liegt. Das ist gerade mal 1 % höher als die EU-gewollte Gesamt-Inflation von 2 % – und damit sicherlich nichts, womit ein finanzgebildeter Verbraucher nicht umgehen könnte.

Warum gibt es Inflation?

Inflation ist nicht einfach „Zufall“ oder „böse Unternehmen, die die Preise erhöhen“. Sie hat strukturelle Gründe. Die wichtigsten:

1. Mehr Geld im Umlauf

Wenn Zentralbanken (wie die EZB) mehr Geld drucken oder die Zinsen senken, gibt es mehr Geld im System. Wenn aber nicht gleichzeitig mehr Waren und Dienstleistungen produziert werden, steigen die Preise. Zu viel Geld jagt zu wenige Güter.

2. Steigende Produktionskosten

Wenn Rohstoffe teurer werden (Öl, Gas, Metalle), Löhne steigen oder Lieferketten zusammenbrechen, müssen Unternehmen mehr für ihre Produktion zahlen. Diese Kosten geben sie an die Kunden weiter. Du zahlst mehr.

3. Hohe Nachfrage

Wenn viele Menschen viel Geld ausgeben wollen (z. B. nach einer Pandemie), aber das Waren-Angebot nicht mithalten kann, steigen die Preise (gleicher Effekt wie bei 1). Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis – immer.

Inflation ist also nicht grundsätzlich schlecht. Eine moderate Inflation (um die 2 %) ist sogar gewollt und gesund für die Wirtschaft. Sie sorgt u.a. dafür, dass Menschen ihr Geld ausgeben, statt es zu horten und dass die Wirtschaft wächst.

Allerdings: Zu viel Inflation in kurzer Zeit (wie 2022/2023 mit 6–8 %) ist natürlich ein Problem (vor allem für die Endverbraucher, deren Gehalt ja nicht simultan mit steigt). Aber zu wenig Inflation (Deflation) ist auch ein Problem – sogar ein noch größeres. Es gilt also, eine Balance zu halten.

Die Inflationsrate: Wer misst sie und wie?

In Deutschland wird die Inflation vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden gemessen. Es berechnet den Verbraucherpreisindex (VPI), der die Preisentwicklung eines durchschnittlichen Warenkorbs misst.

Dieser Warenkorb enthält:

  • Lebensmittel
  • Wohnen (Miete, Energie)
  • Kleidung
  • Gesundheit
  • Verkehr
  • Freizeit, Kultur
  • und vieles mehr

Die Inflationsrate sagt Dir, um wie viel Prozent dieser Warenkorb im Vergleich zum Vorjahr teurer geworden ist.

Aber: Dein persönlicher Warenkorb ist nicht der Durchschnitt. Wenn Du viel Auto fährst und Benzin teurer wird, spürst Du mehr Inflation. Wenn Du Miete zahlst und diese stark steigt, spürst Du mehr Inflation. Wenn Du zur Miete wohnst und kein Auto hast, aber dafür viel online bestellst, spürst Du vielleicht weniger.

Die offizielle Inflationsrate ist ein Durchschnitt. Da Du aber nicht Durchschnitt bist, weicht Deine persönliche Inflation auf jeden Fall davon ab – deshalb ist es wichtig, dass Du sie kennst / berechnen kannst.

Der stille Dieb: Wie Inflation Dein Vermögen auffrisst

Das Tückische an der Inflation im Bezug auf Dein nicht angelegtes Geldvermögen ist allerdings: Sie ist leise. Du merkst sie nicht sofort. Aber sie arbeitet jeden Tag gegen Dich.

Beispiel: Du hast 50.000 Euro auf dem Sparbuch liegen. Es gibt keine Zinsen (oder nur minimal), aber die offizielle Inflation liegt bei 3 % pro Jahr.

  • Nach 1 Jahr: Dein Geld ist real nur noch 48.540 Euro wert.
  • Nach 5 Jahren: Dein Geld ist real nur noch 43.130 Euro wert.
  • Nach 10 Jahren: Dein Geld ist real nur noch 37.200 Euro wert.

Du hast nichts getan, aber die Inflation hat Dir trotzdem 12.800 Euro Kaufkraft geraubt. Einfach so.

Das ist der Grund, warum „Geld unterm Kopfkissen“ oder „alles aufs Sparbuch“ langfristig eine schlechte Idee ist. Du verlierst gegen die Inflation.

Nominal vs. Real – Der Unterschied, der alles ändert

Jetzt wird’s wichtig. Denn wenn Du diesen Unterschied nicht verstehst, triffst Du falsche finanzielle Entscheidungen.

Nominal = die Zahl, die auf dem Papier steht
Real = die Kaufkraft, die diese Zahl hat (nach Abzug der Inflation)

Beispiel 1: Tagesgeld

  • Du bekommst 2,5 % Zinsen auf Dein Tagesgeld.
  • Deine persönliche Inflation liegt bei 4 %.
  • Nominale Rendite: +2,5 %
  • Reale Rendite: -1,5 %

Du hast mehr Geld auf dem Konto, aber weniger Kaufkraft. Du hast real verloren.

Beispiel 2: Gehaltserhöhung

  • Du bekommst 3 % mehr Gehalt.
  • Deine Inflation liegt bei 5 %.
  • Nominal: +3 %
  • Real: -2 %

Dein Gehalt ist gestiegen, aber Du kannst Dir weniger leisten als vorher. Dein Chef hat Dir keine Gehaltserhöhung gegeben – er hat Dir eine Kürzung gegeben, die nur nicht danach aussieht.

Das ist der Grund, warum Du immer die Inflation mitdenken musst. Jede Zahl, die Du siehst – Zinsen, Gehalt, Rendite – ist nur die halbe Wahrheit, solange Du nicht weißt, wie hoch die (und besonders Deine eigene) Inflation ist.

Wie schütze ich mich vor Inflation?

Jetzt kommt die entscheidende Frage: Wenn Inflation mein Geld auffrisst – was kann ich dagegen tun?

Die Antwort ist unbequem, aber klar: Du musst Dein Geld so anlegen, dass es schneller wächst als die Inflation es vernichten kann.

1. Investiere in Sachwerte

Sachwerte sind Dinge, die real existieren und deren Wert mit der Inflation steigt. Dazu gehören:

  • Aktien / ETFs: Unternehmen erhöhen die Preise natürlich mit, wenn die Inflation steigt, also steigen auch ihre Gewinne und damit der Wert der Unternehmen  -> langfristig (!) betrachtet wachsen Aktienkurse schneller als die Inflation.
  • Immobilien: Immobilienwerte und Mieten steigen ebenfalls mit der Inflation.
  • Rohstoffe: Gold, Silber, etc. (aber Vorsicht, das ist spekulativ und schwankt stark)

2. Vermeide reine Geldwerte

Geldwerte sind Dinge, die nur auf Papier existieren und keinen realen Gegenwert haben:

  • Sparbuch
  • Tagesgeld (außer als Notfallreserve)
  • Festgeld mit niedriger Verzinsung (bei hohen Zinsen denken wir nochmal drüber nach.)
  • Bargeld unterm Kopfkissen

Diese verlieren i.d.R. automatisch gegen die Inflation, da ihre Renditen (wenn es überhaupt eine gibt) niedriger sind als die Inflationsrate.

3. Nutze Schulden zu Deinem Vorteil

Klingt paradox, ist aber so: Wenn Du einen Kredit hast (z. B. eine Immobilienfinanzierung) und die Inflation einrechnest, wird Deine Schuld real weniger wert.

Zur Veranschaulichung:

  • Du hast für 200.000 Euro ein Haus gekauft und dafür einen Immobilienkredit mit festem Zins (2 %) über 10 Jahre.
  • Die Inflation liegt bei 4 %.
  • Dein Kredit wird nominal jedes Jahr um Deine festgelegte Kreditrate weniger – aber real fällt es Dir von Jahr zu Jahr leichter, die Kreditraten zu bezahlen, weil Dein Gehalt und Deine Mieteinnahmen mit der Inflation steigen.
  • Zusätzlich wird der Wert der Immobilie höher…

Das ist der Grund, warum Immobilienbesitzer in Inflationszeiten profitieren – ihre Schulden werden real weniger, während der Wert der Immobilie und ihre Einkünfte steigen.

Was, wenn die Inflation sinkt?

Aktuell (2026) ist die Inflation wieder niedriger als 2022/2023. Das ist erstmal gut. Aber: Die Preise fallen natürlich nicht mehr, sie steigen nur langsamer.

Das heißt: Die Butter kostet nicht wieder 2 Euro. Sie kostet immer noch 2,50 Euro und der Preis steigt dieses Jahr vielleicht nur auf 2,55 Euro. 

Einmal gestiegene Preise bleiben. Inflation ist ein Einbahnstraße.

Inflation ist der stille Dieb, den fast niemand ernst nimmt – bis es zu spät ist. Aber Du kannst Dich schützen. Indem Du Dein Geld richtig anlegst, in Sachwerte investierst und die Inflation bei jeder finanziellen Entscheidung mitdenkst.

Was Du jetzt tun solltest

Inflation ist kein theoretisches Konstrukt. Sie ist real. Und wenn Du sie in Deiner Finanzplanung und Deiner Anlagestrategie nicht berücksichtigst, arbeitet sie jeden Tag gegen Dich: Sie schläft nie und lässt sich nicht aufhalten.

Frag Dich:

  1. Wie hoch ist meine persönliche Inflation? Welche Dinge, die ich kaufe, sind teurer geworden?
  2. Wächst mein Vermögen schneller als die Inflation? Wenn nicht, brauchst Du eine neue Anlagestrategie.
  3. Habe ich zu viel Geld „sicher“ geparkt? Tagesgeld ist gut als Notfallpuffer – dient aber nicht dem Vermögensaufbau.

Falls Du wissen willst, wie Du Dein Vermögen inflationssicher aufstellst – oder ob Deine aktuelle Strategie ausreicht –, dann lass uns reden: Ein Orientierungsgespräch mit mir ist kostenlos und unverbindlich.

Buch Dir einfach einen Termin: [Link zum Kalender]

Bis dahin: Schau nicht nur auf die Zahl auf Deinem Kontoauszug. Schau auf das, was Du Dir davon leisten kannst: Dein Geld soll Dir dienen, nicht Du dem Geld.

Herzlich grüßt

Deine Anette