Auch wenn man ja glauben könnte, ich wäre mit „Ich weiß wie´s geht!“ geboren worden – so war es natürlich nicht.

Die Bankausbildung hat mir selbstverständlich viel beigebracht, was mir auch heute noch nützt, aber wirkliche Finanzbildung erhält man damit nicht

Ich hatte zwar schon früh keine Angst vor großen Zahlen und ein immenses Ausschnitts- und Rechtswissen (Welche Merkmale hat ein Wechsel? Wie indossiert man einen Scheck? Wahnsinnig wichtig, das!) – aber das hatte alles nix mit mir selbst zu und dem wahren Leben tun.

Von Haus aus skeptisch!

Von zu Hause aus mitbekommen hatte ich eine rechte Skepsis vor Versicherungen, daher habe ich nie selbst eine Rentenversicherung abgeschlossen (hätte ich mal tun sollen! Die damaligen Bedingungen waren im Vergleich zu heute echt klasse). Sachversicherungen habe ich ohne großes Nachfragen bei einem befreundeten Versicherungskollegen in der Bank abgeschlossen.

Mein erster „Fondskram“

Die erste Berührung mit Fonds und fondsgebundenen Sachen hatte ich mit ca. 22, als ich bei einem Freund, der damals bei der DVAG arbeitete, eine fondsgebundene Lebensversicherung abgeschlossen habe.
Wääh, die AachenMünchner, wie konnte ich nur!
Genauso dumm war es natürlich, diese Versicherung dann mit gut 28 wieder aufzulösen: Ich war jung, schwanger, und brauchte das Geld…

Meine erste Aktien

Meine erste Aktie kaufte ich auch mit 22/23, ich glaube, es war Nokia oder sowas. Jedenfalls war es kein großer Erfolg und machte keinen nachhaltigen Eindruck auf mich. Ich habe dann immer mal wieder was gekauft, was gut aussah, oder was ein Kollege empfohlen hatte, aber es war ganz klassisches hirnloses Stockpicking-Spekulieren.

Sparen konnte ich schon

Gespart habe ich schon immer gerne – auch „Häufchen machen“ ist was, mit dem ich vom Elternhaus her aufgewachsen bin.
Während meine Freunde also nur über Geld sprachen, welches sie nicht hatten, freute ich mich, dass hier und da irgendwas liegt, auf das ich zugreifen könnte, wenn ich es bräuchte (meistens Sparbücher und dann Tagesgelder).
Als Mitte der 90er Jahre die Sache mit den Fonds langsam Fahrt aufnahm und auch in der Bank und im Verkauf ankam, war ich gleich mit dabei!
Ich habe fleißig den UniGlobal und den UniEuroRenta (diese gemanagten Fonds gibt es heute noch) bespart.

Ich glaube, ich habe über die Rente bis gut 32 nicht einmal ernsthaft nachgedacht (da kam Riester – und damit kam die Diskussion und Erkenntnis endlich auch richtig in den Beraterköpfen der Banken an): Kinder großziehen, Job gut machen, Haushalt, Mann, Freunde – was interessiert mich als gutbezahlter Banker mit eigenem Haus meine Rente? Wird schon gutgehen, das.

Der ganz drastische Wandel kam dann mit dem beruflichen Wechsel von der Schuldner- zur Anlageberatung und meinem Studium. Ich erspare Euch den ganzen kleinteiligen, extrem lehrreichen und aufregenden Weg bis zur eigenen Firma – kann Euch aber sagen, dass mir die vielen kleinen Häufchen und die langbesparten Fonds dann wirklich den Popo gerettet haben, als ich mich selbständig gemacht habe.

Wie war das mit Rente?

Meine Rente? Nun ja. Dank der nicht abgeschlossenen Rentenversicherung, keiner bAV und dem Ausstieg aus der Gesetzlichen (dummdummdumm!) darf ich mich heute immer noch intensiv dem Vermögensaufbau widmen – immerhin musste ich nach der ersten harten Zeit als Selbständige wieder quasi von vorne anfangen.

Sachversicherungen? Ja, ich denke, ich bin – dank meiner Kontakte – diesbezüglich solide und anständig versorgt. Mit diesem Bereich beschäftige ich mich bis heute nicht gerne und mache bewusst und absichtlich den Fehler, mich komplett auf Spezialisten zu verlassen.

Rentenversicherungen? Wie gesagt, Fehlanzeige. Ich bespare mit Begeisterung meinen Riester (mein einziges Altersvorsorgeprodukt) und freue mich auf meine früher erarbeiteten 1100 Euro gesetzliche Rente… 
Heute noch etwas für mich abzuschließen, würde sich nicht rechnen.

Wie Du siehst, bin also auch ich nicht mit dem goldenen Finanzbildungslöffel im Mund auf die Welt gekommen. Erst die Erfahrung, die Kombination aus angelerntem theoretischem Wissen und neuen selbstgemachten praktischen Gedanken, das Internet und der kleine Geld-Taschenrechner haben aus mir den Finanzprofi gemacht, der ich heute bin.

Spät ist immer besser als nie!

Also: Nicht ärgern, wenn Dir erst mit 30 oder 45 die Augen aufgehen. Hauptsache, Du fängst JETZT an.